Accell Group

30.8.2011 von admin.

ISIN: NL0009767532

Die Accell Group ist eine niederländische Holding, die unter ihrem Dach verschiedene Hersteller von Fahrrädern vereint. Daneben gehören zur Gruppe auch einige Fahrrad(teile)großhändler und Fitnessgerätehersteller. Heute gehören mehr als 10 Marken unter anderem Hercules, Winora, Ghost und Haibike in Deutschland, Lapierre in Frankreich sowie Koga Myata und Batavus in den Niederlanden zum Unternehmen.

In Europa gibt es eine Vielzahl kleiner und mittelgroßer Fahrradhersteller. Die Fahrradrahmen werden in den meisten Fällen in Taiwan von Dienstleistern hergestellt und die Komponenten liefern globale Konzerne wie Shimano oder SRAM. Die Accell Group verfolgt neben dem organischen Wachstum auch eine Akquisitionsstrategie. Solange das Unternehmen keine überzogenen Preise zahlt, leuchtet mir ein, dass in diesem Markt durch die Bündelung von Marken Synergien vor allem im Einkauf und der Logistik erzielt werden können. Dabei konzentriert man sich auf das margenstärkere mittlere und höhere Preissegment.

Interessantes Wachstumspotential bieten in den kommenden Jahren sogenannte E-Bikes mit Elektroantrieb. In Zeiten steigender Treibstoffkosten steigen immer mehr Menschen zumindest zeitweise auf diese günstigere Alternative um, bei der ein Akku betriebener Elektroantrieb den Fahrer unterstützt. Wurden in diesem Segment im Jahr 2007 in Deutschland noch 70.000 Stück verkauft, waren es im Jahr 2010 bereits 200.000 Stück und die Tendenz ist weiter stark steigend. Die Accell Group partizipiert von diesem Trend als einer der größten Anbieter.

Fahrräder sind der mit Abstand wichtigste Geschäftsbereich. Sie trugen im Jahr 2010 rund 74% zum Umsatz bei. Hinzu kamen die Fahrradteile mit einem Umsatzanteil von 21%. Im Vergleich ist der Anteil der Fitnessgeräte mit rund 5% gerade zu verschwindend gering.

Geographisch sind die Niederlande mit 39%, Deutschland mit 25% und Frankreich mit 9% die wichtigsten Märkte. Die restlichen europäischen Länder zusammen trugen 19% und die außereuropäischen Ländern inkl. USA nur rund 8% zum Umsatz 2010 bei.

Die Wachstumsstrategie zeigt sich auch in den Zahlen. Die Accell Group konnte den Umsatz von 2005 bis 2010 um jährlich durchschnittlich 9,2% steigern. Der netto Gewinn stieg im selben Zeitraum sogar um beachtliche 18,6% jährlich.

Im ersten Halbjahr 2011 konnte der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 9% gesteigert werden. Davon stammten 3% aus organischem Wachstum und der Rest ist auf weitere Akquisitionen zurückzuführen. Da die Kosten stärker gestiegen sind als die Umsätze nahm der operative Gewinn (EBIT) nur um 3% zu. Der Jahresüberschuss wurde trotzdem sogar um 13% gesteigert, wobei diese überproportionale Steigerung in erster Linie auf eine reduzierte Steuerlast zurückzuführen und damit wohl nicht nachhaltig ist. Da das Fahrradgeschäft sehr saisonal ist, steht jetzt schon weitgehend fest, dass 2011 ein erfolgreiches Jahr für die Accell Group sein wird.

Sowohl der Umsatz mit Fahrrädern als auch mit Ersatzteilen konnte im ersten Halbjahr gesteigert werden. Im Fahrrad Segment wurden die Umsätze im Bereich von Elektrofahrrädern (in Deutschland über 50% Umsatzsteigerung) und sportlichen Rädern gesteigert, während die Umsätze mit traditionellen Rädern zurückgingen. Da erstere Bereiche höhere Margen bieten ist das in meinen Augen ein guter Trend. Einzig im dritten Segment Fitnessgeräte sank der Umsatz aufgrund von Umstellungen im Vertrieb in Großbritannien und Deutschland. Dieses Segment trug ohnehin nur noch 2,5% des Umsatzes bei und ist daher nicht besonders relevant.

Bilanziell ist die Fremdkapitalquote mit ca. 50% immer noch in Ordnung. Allerdings gefällt mir weniger, dass die netto Verschuldung vom 1,4-fachen des EBITDA (1. Hj. 2010) auf das 2,6-fache gestiegen ist. Ich hoffe aus Vorsichtsgründen, dass das Management einstweilen von weiteren fremdfinanzierten Akquisitionen absieht und abwartet, ob es zu einer Rezession kommt oder nicht.

Der Kurs der Aktie konnte sich dem allgemeinen Kursrutsch nicht entziehen und hat seit Anfang Juli um etwa 15% nachgegeben. Damit wird das Unternehmen mit einem KGV von etwa 9 bewertet. Die Dividendenrendite liegt bei 5,3%.

Risiken:

Das Fahrradgeschäft ist vom Konsumklima abhängig. Für die Accell Group sind dabei insbesondere die Niederlande und Deutschland besonders wichtig. Sollte es zu einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur kommen, besteht das Risiko, dass das Unternehmen anders als bei der letzten Krise den Wachstumskurs nicht fortsetzen kann.

Fazit:

Die aktuelle Bewertung ist in meinen Augen günstig, aber in Anbetracht der konjunkturellen Unsicherheit und der steigenden Fremdfinanzierung nicht spektakulär günstig. Ich halte schon seit Januar 2011einen kleinen Bestand dieses Wertes. Wenn dem nicht so wäre, würde ich auf dem aktuellen Niveau mit dem Einkauf beginnen, so werde ich einstweilen abwarten und meine Position halten.

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