Bestellsituation bei Airbus und Boeing und was bedeutet sie für Flugzeugleasing Aktien?

17.7.2012 von admin

Wie am Ende des Beitrags über Aircastle angekündigt, habe ich mir nun mal die Bestellsituation bei Airbus und Boeing angeschaut. Hintergrund ist, dass ich gehört habe, dass sich derzeit auch neuere Flugzeuge aus der Airbus A320 Familie schwer bei Fluggesellschaften platzieren lassen, weil es einfach zu viele auf dem Markt gibt. Das ist natürlich weder gut für die Leasingraten noch für den Wert der Flugzeuge und damit auch nicht für den Wert der Aktien der Leasinggesellschaften auf die ich eigentlich abziele.

Wie zu erwarten war, sind die Flugzeugbestellungen in den Jahren 2008 und noch mehr 2009 eingebrochen. Mit der Erholung der Weltwirtschaft sind bei den Herstellern seit 2010 auch wieder mehr Bestellungen eingegangen.

Airbus konnte 2011 mit 1.419 Bestellungen fast wieder das Niveau des Rekordjahres 2007 erreichen, als 1.458 Flugzeuge bestellt wurden. Im laufenden Jahr ist man noch weit davon entfernt diesen Trend fortsetzen zu können. Im ersten Halbjahr wurden lediglich 230 Flugzeuge bestellt.

Bei Boeing verlief die Erholung nicht ganz so stark. 2011 wurden 805 Flugzeuge bestellt, während es 2007 1.413 waren. Allerdings konnte Boeing im ersten Halbjahr 2012 bereits 476 Bestellungen verbuchen, würde 2011 also übertreffen, wenn auch im zweiten Halbjahr entsprechend viele Bestellungen eingehen.

 

Zeiten steigender Bestellungen sind in der Regel Zeiten in denen es den Fluggesellschaften gut geht, die Nachfrage nach Flugzeugen steigt und deshalb auch Leasingraten und Flugzeugwerte steigen oder zumindest stabil sind. Auch wenn die Produktion eines einzelnen Jahres keinen großen Einfluss auf die Gesamtzahl aller Flugzeuge hat, ist es deshalb für das Timing in Flugzeuge zu investieren wichtig, auf den Stand im Zyklus zu achten. Regelmäßig gehen zu viele Fluggesellschaften aber auch Leasinggesellschaften bei Ihren Bestellungen in den optimistischen Zeiten davon aus, dass sie mindestens so stark wachsen können wie der Markt. In der Summe aller Teilnehmer können aber nicht alle überdurchschnittlich sein. Hinzu kommen noch externe Einflussfaktoren wie z.B. wirtschaftliche Abschwünge oder der eine oder andere Vulkanausbruch. Da zwischen Bestellung und Auslieferung einige Zeit vergeht, kommt es so regelmäßig vor, dass eine große Zahl von Flugzeugen dann ausgeliefert werden soll, wenn die Nachfrage (zumindest temporär) nicht mehr da ist. Die Marktwerte für neue und in der Folge auch für gebrauchte Flugzeuge leiden darunter dann deutlich. Da die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten langfristig schneller gewachsen ist als die Weltwirtschaft und ich keinen Grund sehe, warum das in der Zukunft anders sein soll, ist dann die Zeit in Flugzeuge zu investieren.

FAZIT

Mir scheint es, dass sich der Flugzeugmarkt abkühlt. Auch wenn er in diesem Zyklus nicht so heiß gelaufen ist, wie in vorherigen ist es für Schnäppchen dennoch noch zu früh. Ich werden das Segment im Auge behalten und berichten wenn ich anfange Aktien von Flugzeugleasinggesellschaften zu kaufen.

2 Gedanken zu „Bestellsituation bei Airbus und Boeing und was bedeutet sie für Flugzeugleasing Aktien?

  1. Robert

    Obwohl der Artikel bereits etwas älter ist, würde ich ihn gerne um folgenden Kommentar ergänzen.

    Ich habe mich heute von meinen Airbus-Aktien nach reiflicher Überlegung und mit nur geringen Verlusten getrennt getrennt. Bei einem Kurs von 53 EUR halte ich die Airbus für überbewertet, da das KGV (2013) von 27 kaum durch die Wachstumsrate gerechtfertigt scheint – insbesondere da es sich um ein zyklisches Unternehmen handelt, dass bei einer Rezession ohne Weiteres auch wieder in die roten Zahlen rutschen kann.

    Auch scheint mir die Branche insgesamt mit zwei Wettbewerbern, die im starken Konkurrenzverhältnis um Kunden werben, hohen Investitionsausgaben und einer starken Abhängigkeit von staatlichen Institutionen (Bereich Rüstung) nicht für Value-Investing geeignet.

    Um weitere Kommentare in diesem Blog wäre ich dankbar, auch wenn meine Entscheidung bereits getroffen wurde.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Viel kann ich zu Airbus (oder auch Boeing) nicht beitragen. Die angesprochenen Nachteile sehe ich auch. Für mich kommt auch noch eine mangelnde Transparenz hinzu. Selbst wenn man weiß, dass das Orderbuch gut gefüllt ist, weiß man noch nicht, ob daraus profitables Geschäft resultieren wird oder nicht. Flugzeugpreise werden intensiv verhandelt und die Listenpreise, die man mal in der Presse liest, wenn es um die Größenordnung einer Bestellung geht, kann man getrost vergessen. Hatte eine Airline oder Leasinggesellschaft besonders gute Karten, bringt eine Order vielleicht Volumen aber kaum Marge. Eine detaillierte Bewertung des Unternehmens ist deshalb m.E. sehr schwierig.

      Ich investiere in der Luftfahrt weder in die Hersteller noch in die Fluggesellschaften sondern nur in Leasinggesellschaften. Die gehaltenen und vermieteten Flugzeuge sind einer Bewertung sehr viel zugänglicher.

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