Öl- und Gasmarkt

1.7.2012 von admin

Ich kam vor etwa 10 Jahren zum ersten Mal mit dem Peak Oil Konzept in Berührung und setze seit dem auf steigende Ölpreise. Damals notierte das barrel noch bei ca. 25 USD. Ganz knapp kann man Peak Oil so zusammenfassen, dass sich die jährliche Ölproduktion schon lange vor dem Ende der verfügbaren Reserven nicht mehr steigern lassen wird. Bei steigender Nachfrage führt dies unvermeidlich zu steigenden Preisen. Bei Wikipedia ist das alles schon wesentlich umfangreicher erläutert, so dass ich es mir hier spare was ähnliches zu versuchen: http://de.wikipedia.org/wiki/Peak_Oil

 

Ich habe mit einer Kombination aus Ölkonzern-Aktien und Zertifikaten auf den Ölpreis versucht von steigenden Ölpreisen zu partizipieren. Die Zertifikate sind zwar gestiegen, aber immer deutlich weniger als der Ölpreis. Der Grund dafür waren starke Verluste beim rollieren von einem Future zum nächsten. Das diese Zertifikate nicht gut funktioniert haben, ist ein Grund warum ich mich heute wieder stärker auf reine Aktien und Anleihen konzentriere und auch mal Ideen mangels richtigem Instrument nicht umsetze, aktuell z.B. mittelfristig steigende Zinsen für Bundesanleihen. Die Aktien der Ölkonzerne haben den starken Anstieg der Ölpreise allerdings auch nicht so richtig mitgemacht. BP Aktien und Anleihen habe ich nach dem Untergang von Deep Water Horizon nachgekauft. Allerdings mehr aus dem Bauchgefühl heraus, dass die Kursabschläge übertrieben sein müssen, was sie ja dann auch waren. Kürzlich ist mir auf der Suche nach interessanten Aktienanleihen eine BP Aktienanleihe aufgefallen. Das war für mich der Anlass mich wieder etwas genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Bei steigenden Preisen und feststehenden Produktionskosten müssten die Ölkonzerne überproportional stark von steigenden Preisen profitieren. Tatsächlich stiegen die Kurse meiner Ölaktien in den letzten 10 Jahren aber unterproportional. Ich habe nun versucht herauszufinden, warum der Markt das so sieht.

 

In diesem Eintrag werde ich einige Gedanken zum Öl- und Gasmarkt im Allgemeinen zusammentragen. Danach werden dann noch Einträge zu einzelnen Energiekonzernen folgen. Der erste wird BP sein, um zu entscheiden, ob die angesprochene Aktienanleihe etwas für mich ist oder die Aktie vielleicht sogar schon auf dem aktuellen Niveau so günstig ist, dass ich gleich nachkaufe. BP veröffentlicht auf seiner Webseite (http://www.bp.com/sectionbodycopy.do?categoryId=7500&contentId=7068481) umfangreiche historische Marktdaten und Zukunftsprognosen Auf diese Materialien habe ich mich im Wesentlichen gestützt.

 

 

Reserven und Produktion

Unter Experten ist nach wie vor strittig wie lange die Ölreserven noch reichen und wie lange die jährliche Produktion noch gesteigert werden kann. Ich bin bis zu den Recherchen zu diesem Eintrag davon ausgegangen, dass die Reserven insgesamt schon zurückgehen. Ich habe auch gerade kürzlich gelesen, dass seit den 1980′er Jahren mehr gefördert als neu gefunden wird. Leider finde ich die Quelle dafür gerade nicht wieder. Deshalb war es für mich überraschend bei BP im Bericht „Statistical Review of World Energy 2012“ zu lesen, dass sich die gesicherten Öl-Reserven weltweit in den letzten 20 Jahren um 60% erhöht haben (Gas um 59%). Das kann trotzdem zusammenpassen, da die gesicherten Reserven nur die Vorkommen berücksichtigen, von denen davon ausgegangen wird, dass sie zu wirtschaftlich sinnvollen Konditionen gefördert werden können. Durch steigende Preise können also lange bekannte Vorkommen zu den gesicherten Reserven hinzukommen. Skeptisch stimmt mich dennoch, dass die Reserven aus Saudi Arabien seit Jahrzehnten in ungefähr konstanter Höhe angegeben werden und es keiner unabhängigen Stelle erlaubt wird dies zu kontrollieren. Da Saudi Arabien als das einzige Land mit kurzfristig deutlich steigerbaren Produktionsmengen gilt, sind die Reserven Saudi Arabiens für den Ölpreis ziemlich erheblich.

 

Die weltweite Ölproduktion stieg im Zeitraum 1991 bis 2011 um 28%. Die gestiegenen Preise führten also in den letzten 20 Jahren dazu, dass die nutzbaren Reserven etwa doppelt so schnell stiegen wie die Produktion. Dies spricht dafür, dass die Ölpreise nicht unbedingt schon in den nächsten Jahren aus fundamentalen Gründen stark weiter steigen werden. Für Gas gilt das nicht in der selben Deutlichkeit aber auch beim Gas nehmen die wirtschaftlich gesicherten Reserven zu, obwohl jedes Jahr im Durchschnitt der letzten 20 Jahre jährlich rund 2,5% mehr produziert wurde.

 

 

Nachfrage

Der Weltenergieverbrauch stieg 2011 um 2,5% und das entspricht ungefähr dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Der Energieverbrauch in den OECD Staaten stagniert und die steigende Nachfrage ist alleine auf die Emerging Markets zurückzuführen. Öl ist mit 33% (2011) nach wie vor der Energieträger mit dem größten Marktanteil. Allerdings sinkt dieser Anteil bereits seit 12 Jahren kontinuierlich. Kohle, Gas und erneuerbare Energien gewinnen hingegen Marktanteile hinzu. Der Ölverbrauch sinkt aber nur prozentual, absolut stieg auch der Ölverbrauch um 0,7%. BP geht im BP Energy Outlook 2030 davon aus, dass die Nachfrage nach Öl weiterhin wachsen wird, allerdings im Vergleich zu anderen Energieträgern weniger stark (unter 1% jährlich). Das verminderte Wachstum ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die gestiegenen Preise bereits dazu geführt haben, dass die Verbraucher Öl möglichst durch andere Energieträger ersetzen.

 

 

Preis- und Förderkostenentwicklung

Seit 1976 hat sich der Ölpreis um 6,3% jährlich gesteigert. Zum Vergleich, der US consumer price index stieg im selben Zeitraum um durchschnittlich jährlich 4%. Wesentlich stärker ging die Scheere der überproportional steigenden Preise in den letzten 10 Jahren auseinander. Von 2001 bis 2011 stieg der durchschnittliche Ölpreis um 16% jährlich während der US consumer price Index nur um 2,5% jährlich zulegte. Bei BP als Beispiel stiegen die Produktionskosten zwischen 2007 und 2011 um jährlich rund 9%.

 

Ein Arbeitspapier an der Uni Köln zum Thema Peak Oil enthält auf Seite 75 (www.jaeger.unikoeln.de/fileadmin/templates/publikationen/aipa/AIPA_2012_1.pdf) eine informative Grafik zu den Produktionskosten verschiedener Öllagerstätten. Von 2007 mit 2,5% jährlicher Inflation hochgerechnet ergibt ein heutiges Kostenniveau für Tiefseebohrungen von etwa 70 bis 80 USD pro barrel. Für kanadischen Ölsand liegen die Produktionskosten sogar über 90 USD. Andere alternative Ölquellen lohnen sich erst bei Preisen von über 100 USD. Schwankungen, auch größere, wird es immer geben, aber mittelfristig scheint es mir deswegen unwahrscheinlich, dass der Ölpreis noch mal deutlich unter 100 USD fällt. Die Staaten im Mittleren Osten könnten zwar auf Grund ihrer Kostenstruktur günstiger verkaufen, allerdings verweist die Uni Köln Studie darauf, dass Saudi Arabien mittlerweile einen Ölpreis von 80 USD pro barrel benötigt, um den Staatshaushalt zu decken. Andere Staaten benötigen noch höhere Preise. Die OPEC wird also versuchen das ihr mögliche zu tun, die Preise nicht stark sinken zu lassen, auch wenn ihr das in der Vergangenheit nicht immer gelungen ist. Aus Sicht eines Verbrauchers ist das keine positive Aussicht, aber aus Sicht eines Aktionärs eines Ölkonzerns schon. Die Preise dürften einen relativ festen Boden nach unten haben und sobald sich herausstellt, dass das Wachstum stärker ist als angenommen oder die Produktion doch stagniert oder sogar sinkt, dürften die Preise überproportional steigen. Zumindest für die derzeit aktiven Ölfelder mit festen Produktionskosten winken dann Sondergewinne. Allerdings wird der Markt wahrscheinlich, zu Recht, wieder diskontieren, dass diese Sondergewinne nicht nachhaltig sind, da der Ersatz immer schwieriger wird und wenn überhaupt nur mit Quellen mit deutlich höheren Produktionskosten und -risiken (Tiefsee, Ölsand, Arktis/Sibirien usw.) möglich ist.

 

 

FAZIT: Die Nachfrage nach Öl wächst bereits wesentlich langsamer als die Weltwirtschaft oder die Nachfrage nach Energie insgesamt. Die neuen Fördergebiete, die dazu führen, dass die gesicherten Reserven sogar noch steigen, haben zu erheblichen gestiegenen Föderkosten geführt. Deshalb werden die Ölkonzerne längerfristig nicht die hohen Sondergewinne einfahren, die man zunächst erwarten würde. Optisch günstige KGVs sind deshalb tendenziell nachvollziehbar und Ölkonzerne mit einsteligem KGV nicht automatisch günstig. Für die Ölkonzerne spricht allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit länger anhaltend niedriger Preise auch sehr niedrig erscheint und eine solche Stabilität nach unten sollte im Aktienkurs auch positiv berücksichtigt werden.

Ich werde im nächsten Beitrag über BP mal schauen, ob ich es schaffe mir auf Basis dieser Überlegungen eine Meinung über einen aus meiner Sicht attraktiven Aktienkurs zu bilden.

Dieser Eintrag wurde am 1.7.2012 um 11:57 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “Öl- und Gasmarkt”

  1. Ulrich sagt:
    6.7.2012 bei 15:33

Super Artikel.

Die Korellation von Rohstoffpreisen und Förderkosten ist sehr wichtig. Öl ist normal nicht so mein Gebiet, es verhält sich aber bei anderen Rohstoff-Produzenten ähnlich.

Also wirklich sehr gute Arbeit, die Du mit dem Artikel geleistet hast *Daumen hoch !

  1. admin sagt:
    9.7.2012 bei 11:00

Danke für das Lob. Ich war von dem Ergebnis im Artikel etwas frustriert, weil ich bei konkreten Unternehmen befürchte, dass die hohen Gewinne alter Quellen mit niedrigen Produktionskosten nicht von den nachhaltigen Gewinnen neuer teurer Quellen zu trennen sind. Wenn man die irgendwann auslaufenden Sondergewinne nicht einschätzen kann, wird es schwer sich einen Meinung über den Wert des Unternehmens zu bilden. Jahrelang habe ich mich mit meinen Ölaktien sehr wohl gefühlt, nun fürchte ich, dass die auch in die Kategorie “ich verstehe nicht genug vom Geschäftsmodell” kommen. Mal schauen, ich hoffe am Wochenende Zeit zu finden, mal genauer bei BP einzusteigen.

  1. Alfred sagt:
    4.12.2012 bei 11:59

Bin gerade erst auf diesen Artikel gestoßen und finde ihn sehr interessant geschrieben mit vielen Punkten, die ich bisher so nicht gesehen habe.

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