Statoil – Währung und Steuern

2.8.2012 von admin

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Wie schon berichtet, war ich früher ein Anhänger der Peak Oil Theorie und bin deshalb davon ausgegangen, dass die Ölpreise mittel- bis langfristig schneller steigen werden als die Produktionskosten. 2008 fing ich außerdem an mir Gedanken zu machen, wie ich einen Teil meines Kapitals außerhalb des Euro und des USD anlegen könnte. Aus der Kombination bin ich zu Aktien des norwegischen Ölkonzerns Statoil gekommen.

Gestern habe ich mir das Statoil Reporting zum 2. Quartal angeschaut und dabei sind mir zwei allgemeinere Themen aufgefallen, die ich bisher nicht in dieser Deutlichkeit durchdacht hatte.

Währung

Mir war beim Kauf der Statoil Aktien schon bewusst, dass die als Währungsinvestment nicht ideal sind, da praktisch die gesamten Einnahmen in USD vereinnahmt werden. Ich bin allerdings vereinfachend davon ausgegangen, dass die Wertsteigerungen der norwegischen Krone (NOK) gegenüber dem Euro die negativen Effekte einer starken Krone gegenüber dem USD weitgehend kompensieren werden.

Gestern bin ich anhand einer simplen Beispielrechnung zu dem Ergebnis gekommen, dass diese teilweise Kompensation zwar klappen kann, es aber in einer Welt des schwachen USD trotzdem besser wäre in ein vollständig in USD rechnendes Unternehmen wie Exxon zu investieren. Statoil hat als norwegisches Unternehmen selbst in einer Branche wo vieles in USD abgerechnet wird auch Kosten, z.B. für Personal, in NOK. In meinem Beispiel hätte Exxon also Kosten in weichen USD und Statoil in harten NOK. Da die Kosten die möglichen Dividenden mindern, kann Statoil in diesem Szenario bei ansonsten gleichen Annahmen weniger an Dividende zahlen. Man wäre also besser dran seine höhere USD Dividende zu nehmen und danach in NOK zu tauschen.

Wenn man aus dem Euro diversifizieren möchte, gilt es das Gegenteil von Statoil zu finden, also ein norwegisches Unternehmen, dass ein großer Importeur ist oder ein ausländisches Unternehmen, dessen Hauptgeschäft der Export nach Norwegen ist. Das war mir schon vorher klar und leider habe ich bisher so ein Unternehmen nicht gefunden. Mir war allerdings nicht so klar, dass der vermeintlich nächst bessere Weg über Exportwerte wie Statoil oder auch Marine Harvest schlechter ist als die Unternehmensauswahl und die Währungsdiversifikation zu trennen. Deshalb müssen natürlich norwegische Exportwerte nicht schlecht sein, aber die Währung ist kein guter Grund in sie zu investieren, sofern man eine harte Krone erwartet.

Steuern

Mir war schon klar, dass das Recht Öl oder Gas zu fördern viel Geld kostet, habe mir aber bisher keine großen Gedanken darüber gemacht, wie das abgewickelt wird. Statoil berichtet recht ausführlich über seine Steuerbelastung, die für die norwegische Produktion bis zu 78% betragen kann. Für das gesamte Unternehmen waren es im ersten Quartal 55%. Zum Vergleich habe ich gerade nur BP vefügbar. BP weißt Produktionssteuern bei den normalen Kosten in den GuV aus und so fällt nicht so stark auf, dass die Gesamtsteuerbelastung bei BP auch bei deutlich über 50% liegt. Die Steueren haben also einen erheblichen dämpfenden Einfluss auf die Gewinnauswirkungen der Ölpreisschwankungen.

FAZIT

Für meinen letzten BP Artikel habe ich vereinfachend versucht die Auswirkungen eines deutlich niedrigeren Ölpreises zu ermitteln, um zu einem Kursniveau zu kommen, dass einen Boden darstellen könnte. Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass die Kosten fix sind und eine Preisreduzierung 1:1 den netto Gewinn mindert. Das war natürlich sowieso zu konservativ, aber mir war nicht klar wie groß der Hebel der Steuern in dieser Branche ist. Nach meiner korrigierten Berechnung ist dieser Boden für BP eigentlich schon fast erreicht. Ich werde jetzt trotzdem nicht gleich nachkaufen, denn um so mehr ich lese, um so mehr verstehe ich was ich alles nicht verstehe oder überblicke.

Zum Beispiel bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass der Markt richtig antizipiert, dass die Öl- und Gaspreise in den nächsten Jahren sinken werden. Wenn alle großen Player jährlich um 3, 4 oder mehr Prozent wachsen wollen, die Ölnachfrage aber nur noch um rund 1% jährlich steigt, könnte es, Peak Oil hin oder her, mittlelfristig zu einem Überangebot und damit sinkenden Preisen kommen. Auch wenn die Produktionskosten eigentlich für einen Ölpreis von mindestens 80 USD pro barrel sprechen, wird es wenn die Quellen mal erschlossen sind häufig nur noch um den Deckungsbeitrag gehen. In diese Richtung werde ich bei Gelengenheit weiter recherchieren, um zu verstehen, warum der Markt den Rohstoffwerten nur eine so niedrige Bewertung zuspricht.

Dieser Eintrag wurde am 2.8.2012 um 10:06 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “Statoil – Währung und Steuern”

  1. matthias sagt:
    8.8.2012 bei 11:02

Interessante Analysen zum Oelbussiness!

Ich denke allerdings nicht, das wenn der Oelpreis niedrig bleibt, das Nachfragewachstum nur ein Prozent sein wird – die Nachfrage nach Oel ist meiner Meinung nach zur Zeit vor allem durch den Preis limitiert, und bei niedrigen Preisen wird die Nachfrage anziehen. Der Schweinezyklys wird aus den von Dir angefuehrten Gruenden auch nur noch zwischen 80 und >120$ stattfinden.
Ich denke daher das Oelfoerderunternehmen zur Zeit sehr niedrig bewertet sind. Wohin sich der Preis der Aktien bewegt ist schwer vorrauszusagen, aber Dividendenrenditen von 5-7% bei Firmen wie BP und Total machen die Aktien schon an sich zu einem guten Kauf.
Ich denke in den Preis von Oelaktien ist eine Nachfrageeinbruch durch eine globale Rezessesion, die Eurokrise und eine starke Verlangsamung des Wachstums in China eingepreist. Wenn die Eurokrise irgendwann geloest sein sollte, werden Oelaktien auch ueberdurchschnittlich anziehen (Wenn nicht gehts wohl erstmal abwaerts…).

  1. admin sagt:
    9.8.2012 bei 08:42

Ich fürchte halt, dass der Preis durchaus unter die 80 USD sinken könnte, auch wenn er das auf Basis der Produktionskosten und dem Bedarf der Ölstaaten nicht sollte. Wenn aber alle mit 100+ USD planen und entsprechend investieren, könnte es mittelfristig durchaus wieder zu einem Überangebot kommen. Ich denke auch, dass die extra Menge zu einem niedrigeren Preis abegenommen werden wird, allerdings macht es wenig Sinn, wenn aus reinen Deckungsbeitragserwägungen Öl, dass in der Produktion 80 oder 90 USD kostet zu 70 USD verkauft wird. Muss natürlich nicht so kommen und ich finde es gut, mal eine positive Meinung zu lesen. Das bestärkt mich meine Ölaktien, die ich schon habe, weiter zu halten. Ich bin selber momentan eher skeptisch und finde keine Investments, bei denen ich das Gefühl habe, es wäre ein Fehler sie nicht zu tätigen.

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