Vortrag der Feri AG zur Schuldenkrise

24.1.2012 von admin.

Gestern war ich bei der Feri AG (www.feri.de) bei dem Vortrag: “Schuldenkrise – Handlungsempfehlungen für Kapitalanleger”. Feri wurde als Family Office der Familie Quandt gegründet und ist heute ein Multi-Family Office für große Mandate (Minimum 5 Mio. Euro) aus dem institutionellen und privaten Bereich. Daneben ist Feri für seine Analysen bekannt und betreibt eine eigene Rating Agentur. Der Vortrag war sehr interessant und die Vortragenden waren sehr kompetent.

Feri ist sind zumindest für die nächsten ein oder zwei Jahre optimistischer als ich es in den letzten Wochen war. Die Inflation könnte zwar mittelfristig ein größeres Thema werden, aber in den nächsten ein oder zwei Jahren kaum. Konjunkturell gehen sie in ihrem Hauptszenario ab dem zweiten Halbjahr 2012 von einer Erholung aus, auch weil sie davon ausgehen, dass die Eurokrise bis dahin auf die eine oder andere Art an den Finanzmärkten abgehakt werden muss. Vereinfacht gesagt, scheint es ihnen am wahrscheinlichsten, dass es eine Kombination von verstärkter gemeinschaftlicher Übernahme von Schulden, gleichzeitig mehr zentraler Kontrolle über die Haushalte und einem noch stärkeren Eingreifen der EZB geben wird. Ob es für die schwächeren Staaten dabei genug Anreize geben wird ihre Haushalte langfristig in den Griff zu bekommen oder ob es endgültig zu einer Transferunion kommt, die ggf. später auseinander bricht, kann man heute noch nicht sagen. Selbst wenn es klappt, werden Jahre vergehen bevor die Schulden auf ein verträglich Maß reduziert wurden und die Konsolidierung wird solange das Wachstum bremsen, aber die Krise insbesondere an den Finanzmärkten dürfte sofort vorbei sein, sobald die Märkte die Lösung als Lösung akzeptieren. Die Beseitigung der großen Unsicherheit wird die Konjunktur trotz Konsolidierung anschieben, da Investitionen die bisher aufgeschoben wurden, dann verstärkt nachgeholt werden.

Dieses Szenario ist in meinen Augen durchaus plausibel und deutlich positiver als der von mir zuletzt befürchtete große Knall. Ich werde kurzfristig trotzdem noch vorsichtig bleiben und abwarten wie die aktuelle Griechenland Diskussion ausgeht. Auch Feri hält es durchaus für möglich, dass die Politik wie im letzten Jahr zunächst noch mal enttäuscht und die Kurse noch mal wie im letzten August nachgeben bevor es hoffentlich zu dem großen Wurf kommt.

Ansonsten empfehlen die im Großen und Ganzen das was man auch woanders liest: Diversifikation ist wichtig, corporate bonds von erstklassigen Unternehmen sind interessanter als Staatsanleihen, Sachwerte wie Ackerland oder Wald (bei 5 Mio. Mindestportfoliogröße auch leichter umsetzbar), Emerging Markets, Rohstoffe etc.

Mir hat der Vortrag mal wieder verdeutlich, wie eine professionelle Herangehensweise aussieht und das meine Analysen in diesem blog mangels Zeit und Ressourcen nicht über Hobby Niveau hinauskommen können. Das macht den blog für mich nicht weniger wertvoll und interessant, aber es ist trotzdem gut die eigenen Möglichkeiten auch mal wieder richtig einzuordnen.

 

3 Antworten auf “Vortrag der Feri AG zur Schuldenkrise”

  1. Bob sagt:
    26.2.2012 bei 12:36

Hallo,

schöner Blog. bin ich heute drauf gestossen. Das heisst die kompetenten Experten wissen auch nicht wie die Zukunft aussieht. Es werden Szenarien entworfen die eintreten oder auch nicht. Geld anlegen kann man nicht danach … und die Rendite von den geführten Depots würde mich mal interessieren. Ich kann mir vorstellen, daß ein Family Office soviel Rendite frisst das die deutlich unter den Standard Indizes liegen (klaro, die werden jetzt argumentieren, daß die nie 100% in Aktie sind).

Von Experten hab ich echt genug :=)…

weiter so. Schöner Blog.

  1. admin sagt:
    26.2.2012 bei 13:23

Danke für das Lob :-)

Das mit den Experten würde ich nicht ganz so kritisch sehen. Selber hat man ja auch keine Kristallkugel. Wie die da dran gehen, halte ich schon für sehr professionell. Natürlich mache ich mir lieber selber meine Gedanken, weil Geld investieren für mich eine Leidenschaft ist, aber wenn dem nicht so wäre und ich die 5 Mio. Mindestkapital hätte, würde ich mich bei denen wesentlich besser aufgehoben fühlen als beim private wealth Management so mancher Bank.

Zur performance ihrer Mandanten haben sie im Detail nicht viel gesagt. Nur nebenbei bemerkt, dass man nicht unzufrieden sein soll, wenn man heutzutage nachhaltig 5% vor Steuern schafft.

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