Schiefergas vs. Peak Oil

Vor etwa einem halben Jahr habe ich mir hier http://value-shares.de/2013/01/15/ol-und-gasmarkt/ das letzte Mal intensiver Gedanken über den Öl- und Gasmarkt Gedanken gemacht. Durch meine Recherchen im Bereich Schifffahrt, speziell im Bereich Flüsiggastanker, bin ich nun mal wieder stärker auf das Thema Gas aufmerksam geworden. Ich haben nun ein bisschen recherchiert, ob es nicht an der Zeit ist von meiner These abzurücken, dass die Ölpreise in den kommenden Jahren unter Schwankungen nur einen Weg kennen werden, nämlich nach oben.

Die USA haben ihre Gasproduktion von 2007 bis 2012 um 23% gesteigert. Die Erdölproduktion wurde 2012 im Vorjahresvergleich um 7% gesteigert. Prognosen gehen sogar davon aus, dass die USA bis 2020 wieder der weltweit größte Produzent von Öl- und Gas sein könnten. Die tatsächlichen und noch erwarteten Steigerungen sind auf ein „Fracking“ genanntes Produktionsverfahren zurückzuführen. Mit diesem Verfahren können Vorkommen ausgebeutet werden, die mit konventionellen Methoden nicht genutzt werden können. Beim Fracking werden Öl und Gas enthaltende Gesteinsschichten, insbesondere Schiefer, mit einer Mischung aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck aufgebrochen. Dadurch wird es möglich die eingeschlossenen Öl und Gas Vorkommen zu fördern. Das Fracking ist unter Umweltgesichtspunkten umstritten und deshalb in Europa bisher wenig verbreitet. Weitere Erläuterungen zum Fracking finden sich auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fracking

 

Die stark gestiegenen Gasfördermengen haben in den USA dazu geführt, dass sich die Erdgaspreise seit 2008 gedrittelt und zeitweise geviertelt haben. Die Produktionskosten für unkonventioneles Gas sollen nur bei USD 40 bis 60 pro Erdölaquivalent liegen und damit deutlich unter den Kosten für die Erschließung neuer Erdölvorkommen in der Tiefsee. Bisher habe ich für Erdöl auf Basis der Produktionskosten neuer Quellen und der Bestrebungen der OPEC bei etwa USD 90 pro Barrel einen mittelfristigen Boden gesehen. Allerdings kann Erdöl sowohl bei der Verbrennung als auch in der chemischen Industrie ohne riesigen Aufwand durch Erdgas weitgehend ersetzen werden. Daher sehe ich diesen Boden mittlerweile als gefährdet an. Erst recht weil China, das Land mit den größten Reserven an unkonventionellem Gas, und Europa noch gar nicht richtig begonnen haben ihre unkonventionellen Vorkommen zu nutzen.

 

FAZIT:

Früher oder später wird der Peak Oil Effekt eintreten, die weltweite Öl- und Gasproduktion wird sinken und die Preise werden deutlich, deutlich steigen. Allerdings bin ich inzwischen skeptisch, ob es schon in den kommenden Jahren in diese Richtung gehen wird. Ich habe viel mehr momentan den Eindruck, dass es noch mal zu einem (letzten?) Produktionsboom kommt, der zu deutlich sinkenden Preisen führen könnte.

Ich habe aus der Zeit vor der Abgeltungssteuer und vor diesem Blog noch einen ETF auf den Rohölpreis, der ohnehin schon seit längerem nur noch mehr oder wenig seitwärts läuft. Nach meiner neuen Einschätzung werde ich den nun in der kommenden Woche verkaufen und die Gewinne realisieren, die seit 2008 aufgelaufen sind. Die Entscheidung fiel mir etwas schwer, da ich ohnehin nicht genügend neue Investmentmöglichkeiten finde und weil es mir schwer fällt eine Position mit steuerfreien Gewinnen aufzugeben. Ich bin mir noch nicht mal sicher, dass der Ölpreis deutlich fallen wird. Nichts desto trotz reicht es mir zum verkaufen, dass ich nicht mehr überzeugt bin, dass die Preise in den kommenden zwei, drei Jahren weiter steigen werden. Zocken will ich nicht also steige ich erstmal aus, auch wenn es schwerfällt. Meine Ölaktien wie BP und Statoil werde ich erstmal weiter halten. Unternehmen können sich an veränderte Marktgegebenheiten anpassen und die Bewertungen berücksichtigen in meinen Augen sowieso schon sinkende Gewinne. Ich werde die Entwicklung aber etwas kritischer im Auge behalten als bisher.

 

 

4 Gedanken zu „Schiefergas vs. Peak Oil

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. Februar 2013 | Die Börsenblogger

  2. Value Mario Artikelautor

    Schwer zu sagen. Vor dem ETF hatte ich ein Zertifikat und das hat auf jeden Fall Rollverluste gebracht und deshalb viel weniger Gewinn als der Ölpreis erwarten lies. Der ETF sollte das vermeiden, in dem da ein Management zwar Öl long sein musste, aber etwas Flexibilität hatte, um die Rollverluste zumindest zu mindern. Ich kann aber nicht beurteilen, ob das geklappt hat, da ich die Detailzahlen nicht habe. Der Anstieg aus dem meine nun realiserten Gewinne resultieren, liegt auch schon Jahre zurück. Deshalb habe ich nicht mal mehr ein Bauchgefühl.

    Wenn ich da jetzt noch mal so drüber nachdenke, finde es interessant, wie lange ich gebraucht habe, um mich von einer Investmentstrategie, von der ich mal überzeugt war, zu trennen. Unterschwellig überlege ich schon 1 oder 2 Jahre, ob ich mich von dem ETF trennen sollte oder nicht. Das hat zwar nicht wirklich Geld gekostet, aber viel gebracht hat die zusätzliche Zeit auch nicht.

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