Buch: Maritime Economics

von Martin Stopford

Auf dieses Buch bin ich bei der Recherche zu meinen Artikeln über die Schiffsmärkte (http://value-shares.de/2013/01/22/schiffsmarkt-fur-mich-wird-es-jetzt-interessant/) gestoßen. Es wird in Wikipedia in vielen Artikeln, die mit der Schifffahrt zu tun haben, als Quelle angegeben. Nach dem ich die rund 750 Seiten nun gelesen habe, kann ich bestätigen, dass es sich um ein echtes Standardwerk zur maritimen Wirtschaft handelt. Das zeigt sich auch daran, wie lange sich das Buch schon hält. Die erste Auflage ist bereits 1988 erschienen. Die jeweils überarbeitete 2. und 3. Edition 1997 und 2009. Die 3. Edition, die ich gelesen habe, wurde leider im Boom fertiggestellt, so dass auf die aktuelle Krise nicht eingagengen wird. Das macht das Buch aber nicht weniger wertvoll, denn gerade die Zyklizität ist ein wichtiges Thema, das anhand früherer Zyklen ausführlich besprochen wird.

Das Buch ist in 6 Teile gegliedert:

1) Einführung

Die Einführung beginnt mit einem Abriss der Geschichte der Handelsschiffahrt und zwar von ihrem Beginn vor Tausenden von Jahren. Schon in diesem ersten Kapitel wird deutlich, dass die Schifffahrt schon immer von Zyklen und Umbrüchen geprägt war. Die Umstellung von Segel- zu Dampfschiffen sei hier nur ein Beispiel. In der Einführung gibt es außerdem einen Überblick über die aktuellen Schiffsmärkte, mit ihren Beteiligten, wesentlichen Güterkategorien, den sich daraus ergebenden Schiffskategorien, Marktmechanismen und Entwicklungen.

2) Schiffsmärkte

In diesem Teil werden die historischen Zyklen ausführlich beleuchtet. Die großen Zyklen werden einzeln besprochen und es wird erklärt, wie es zu ihnen kam. So bekommt man ein besseres Gefühl dafür worauf man in den aktuellen Zyklen achten sollte. Klar wird außerdem, dass es keinen typischen Schiffszyklus gibt. Manche sind länger, andere kürzer, manchmal verlaufen die Märkte ähnlich und manchmal ist die Entwicklung für Bulker eine völlig andere als für Tanker oder Containerschiffe.

Im Anschluss daran werden Angebot und Nachfrage betrachtet. Das beginnt praktisch, historisch, d.h. z.B. wie entwickelt sich die Schifffahrt im Vergleich zur Weltwirtschaft, wie haben sich die Flotten einzelner Schiffstypen entwickelt. Dann folgt ein eher theoretischer Abschnitt mit Angebots- und Nachfragekurven, die die Entwicklung von Charterraten grundsätzlicher erläutern.


3) Schiffsgesellschaften

In diesem Teil wendet sich Stopford den konkreten Schiffsgesellschaften zu. Er beschreibt welche operativen Kosten es gibt, wie Schiffe abgeschrieben werden, wie sie finanziert werden und wie man mit den Risiken umgeht.

4) Schifffahrt und Transportsysteme

In diesem Teil wird es wieder allgemeiner. Es werden die wichtigsten Schiffahrtsrouten beschrieben, also z.B. was den Transport von China nach Europa auszeichnet. Es werden aber auch die wichtigsten Teilmärkte nach Gütern beleuchtet, also trockene Massengüter (Eisenerz, Kohle, Weizen, Zucker usw.) flüssige Massengüter (Rohöl, verarbeitetes Öl, Chemikalien usw.), Container, Holz und Spezialtransporte. Bei den Containern sind die Liniendienste besonders interessant und aufwendig im Betrieb. Im Liniendienst werden die Schiffe nicht ad hoc auf die Reise geschickt oder pendeln nur für ein Unternehmen, wie es z.B. bei Eisenerz üblich ist, sondern verkehren nach einem festgelegten, regelmäßigen Fahrplan.

5) Handelsflotte

In diesem Teil werden einige Schiffstypen noch mal technisch genauer beschrieben, inklusive Querschnitttszeichnungen. Außerdem werden der Schiffsneubau, also der Markt der Werften, als auch die Verschrottung beleuchtet. Das Ende von diesem Teil bildet eine Beschreibung der regulierenden Organisationen insbesondere der Schiffahrtsregister (Stichwort Billigflaggen)

6) Prognosen und Planung

Dieses Kapitel ist zwar mit Bezug auf die Schifffahrt geschrieben, aber es enthält soviel Grundsätzliches, dass es nicht nur für die Schifffahrt interessant ist. Zum einen geht es um statistische Werkzeuge aus den verfügbaren Daten Trends und Szenarien für die Zukunft abzuleiten und zum anderen geht es darum die Fallgruben der Scheingenauigkeit zu vermeiden.

 

Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der sich, wie ich, gründlich in die maritime Wirtschaft einlesen möchte. An der einen oder anderen Stelle hat der Autor für mich zu weit ausgeholt, insbesondere bei den Angebots- und Nachfragekurven. Den ganzen 6. Teil fand ich zwar interessant, aber für mich aktuell praktisch nicht relevant. Ich habe weder die Zeit noch die Daten, um selber Prognosemodelle zu basteln. Da werde ich mich weiter auf den Research stützten, den man im Netz finden kann. Insgesamt fand ich das Buch aber trotzdem sehr hilfreich und eben auch über das konkrete Ziel, Schifffahrtsgesellschaften bewerten, hinaus interessant.

 

hier gibt es den etwas schweren Wälzer in gedruckter Form

und hier die leichtere ebook Variante
Maritime Economics

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