nordIX Renten plus – interessanter kleiner Rentenfonds

ISIN: DE000A0YAEJ1

aktueller Kurs: 111,86

In der Wirtschaftswoche wurde kürzlich ein kleiner Rentenfonds aus Hamburg vorgestellt. Normalerweise bevorzuge ich meine eigene Einzeltitelauswahl. Ich fühle mich dann wohler, weil ich genau weiß, was sich in meinem Portfolio befindet und werde außerdem nicht mit zusätzlichen Kosten belastet. In solchen Artikeln suche ich daher eigentlich nur nach interessanten Einzelwerten, die der Fondsmanager im Portfolio hat und die ich mir auch mal anschauen könnte. Solche Hinweise enthielt dieser Artikel auch, aber das Konzept von diesem Fonds gefällt mir so gut, dass ich mir auch den Fonds näher angeschaut habe.

Anlagephilosophie

Der nordIX Renten plus geht genauso an Renten heran wie ich, d.h. er streut nicht pauschal auf Werte mit möglichst hoher Liquidität, sondern lebt von einer gezielten Einzelanalyse auf der Suche nach guten Chance Risiko Profilen. Das gibt es natürlich sehr selten bei Bundesanleihen oder Anleihen der DAX Konzerne. Der Fonds kann es sich aber leisten in kleinere weniger stark gehandelte Anleihen zu gehen, weil er zum 30.09.2013 nur ein Fondsvolumen von 8,5 Mio. hatte. Der Fondsmanager traut sich außerdem ein relativ fokussiertes Portfolio von 33 Werten zu fahren. Mir ist das alle Mal lieber als eine Diversifikation um der Diversifikation willen.

Die eigene Zielvorgabe des Managements ist eine Rendite von 7% p.a. In der heutigen Zeit ist das natürlich ganz schön sportlich und nicht ohne Risiken zu erreichen. Entsprechend darf der Fonds neben klassischen Anleihen auch in Nachranganleihen und Genußscheine investieren. Das passt zum Renditeziel des Fonds und macht für mich Sinn.

Die Kunst ist es die Risiken richtig einzuschätzen. Ich gebe mal zwei Beispiele, die mich überzeugt haben:

Die größte Position im Portfolio ist derzeit eine Anleihe von Hellenic Railways mit einer Rendite von 15% p.a. bei einer Laufzeit bis Januar 2014. Man könnte jetzt sagen, dass jeder mit griechischen Anleihen mehr als 7% Rendite versprechen kann bis es zum nächsten Haircut kommt. In diesem Fall ist aber der Punkt, dass diese Anleihe nach englischem Recht aufgelegt wurde und die Griechen damit nicht einfach nach belieben Gesetze ändern können, um Verbindlichkeiten der Staatskonzerne nicht zu bedienen. Ähnlich ist es bei der zweitgrößten Position im Portfolio, der portugiesischen Anleihe von Rede Forroviaria Nacional (REFER) mit einer Laufzeit bis März 2015 und einer Rendite von 7,5%. Es kann natürlich auch sein, dass der Markt nicht übertreibt sondern andere Risikofaktoren die hohe Rendite rechtfertigen. Deshalb habe ich mir von REFER, das ist die portugiesische Eisenbahn Netzgesellschaft, mal ganz grob den Jahresabschluss 2012 angeschaut. REFER ist in den letzten Jahren hochdefizitär gewesen und hat Verluste in dreistelliger Millionenhöhe erlitten. Soweit so schlecht, aber REFER wurde in etwas Ähnliches wie eine Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt und ist damit Teil des Staatshaushalts. Bei comdirect gibt es eine portugiesische Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2018 und einer Rendite von 5,1%. Dieser ganz grobe Check spricht m.E. dafür, dass die REFER Anleihe tatsächlich ein deutlich besseres Chance / Risiko Verhältnis bietet.

Auch wenn ich nicht allzu viel auf Ratings gebe, geben sie einem doch ein grobes Gefühl. Das Durchschnittsrating des Portfolios ist derzeit BBB-, also knapp unter Investmentgrade und soll durchschnittlich B nicht unterschreiten. Noch weniger gebe ich auf Fondsratings, aber es ist jetzt auch nicht gerade ein schlechtes Zeichen, dass der Fond von Morningstar mit 5 Sternen bewertet wird.

Die Restlaufzeiten sollen mit 4 bis 5 Jahren relativ kurz sein, allerdings weicht das aktuelle Portfolio davon mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 11 Jahren deutlich ab. Ich habe beim Fondsmanagement nachgefragt, wie es dazu kommt und auch prompt innerhalb weniger Stunden eine Antwort bekommen. Der Fokus auf relativ kurz laufende Anleihen wurde noch mal bestätigt, allerdings hat das Portfolio derzeit einen Anteil von ca. 10% an nachrangigen Tier-1 Anleihen aus dem Finanzbereich, die theoretisch eine unendliche Laufzeit aufweisen. Das Management geht davon aus, dass diese überwiegend in den nächsten Jahren gekündigt werden, formal bei der Berechnung der durchschnittlichen Laufzeit werden diese Anleihen aber mit einer Laufzeit bis 2049 berücksichtigt. Das verschiebt den Durchschnitt natürlich stark nach oben.

Performance

Der Fonds ist vor etwa 3 Jahren aufgelegt worden. In den ersten 14 Monaten war die Performance mit über 13% negativ. Danach ging es aufwärts und in den letzten beiden Oktober bis Oktober Zeiträumen lag die Performance bei erfreulichen 15% bzw. 12%. Die negative Rendite am Anfang hat sich durch die Turbulenzen in der Euro Krise ergeben. Laut Geschäftsbericht hat sich das Fondsmanagement dadurch aber nicht beirren lassen und das Portfolio im Wesentlichen unverändert gelassen, so dass die negative Performance letztlich nur Buchverluste darstellte. Die positive Rendite in den Folgejahren wiederum ist natürlich nicht alleine das Verdienst des Managements. Das allgemein gesunkene Zinsniveau dürfte auch den Kursen in diesem Portfolio geholfen haben. Interessant ist deshalb für mich, dass das Portfolio eine Rendite bis Fälligkeit von 8,57% aufweist. Davon gehen noch die Kosten ab und vielleicht fällt mal der eine oder andere Wert doch aus, aber insgesamt gehe ich davon aus, dass eine vernünftige Rendite dabei herauskommen kann.

Kosten

Einen Ausgabeaufschlag gibt es derzeit nicht. Die laufende Managementvergütung beträgt 0,6% p.a. Die Verwaltungsgebühr und die Depotbankvergütung addieren sich noch mal zu 0,3% p.a. Knapp 1% laufende Kosten wären für einen klassischen Rentenfonds in meinen Augen im derzeitigen Umfeld tödlich. Bei der aufwendigen Strategie, die hier betrieben wird, erscheint mir die Vergütung aber als angemessen. Zu den festen laufenden Kosten kommt noch eine erfolgsabhängige Vergütung von 20% von allem über 6% Rendite p.a. Diese Vergütung wird aber nur gezahlt, wenn es sich um echte Rendite handelt, also nicht wenn der um Ausschüttungen bereinigte Kurs des Fonds vorher gefallen ist und nun wieder steigt („High-Watermark“). Ich bin nicht in jedem Fall ein Freund von erfolgsabhängigen Gebühren, aber in diesem Fall bin ich der Meinung, dass sie die richtigen Anreize setzt. Gut ist sie in meinen Augen, weil der Fonds davon lebt auch in weniger liquide Titel investieren zu können. Ohne die erfolgsabhängige Vergütung hätte das Management einen Anreiz so schnell wie möglich das Fondsvolumen so stark wie möglich zu steigern. Damit würde es natürlich immer schwieriger die passenden Schnäppchen zu finden. Durch die erfolgsabhängige Vergütung wird diesem Anreiz zur Größe etwas entgegengesetzt.

FAZIT

In der Vergangenheit (vor dem blog) habe ich mal den Fehler gemacht in Aktienfonds zu investieren, weil gefühlt zu viel Geld auf eine Anlage wartete und ich selber keine attraktiven Aktien gefunden habe. Am Ende hatte letzteres natürlich was damit zu tun, dass die Kurse schon ziemlich hoch waren. Im folgenden Abschwung haben mich die Fonds kurzfristig dann auch nicht glücklich gemacht. Vor demselben Problem stehe ich heute auch wieder ein bisschen. Hinzu kommt noch, dass durch den blog meine Ansprüche an eine saubere Analyse gestiegen sind und ich nicht genug Zeit finde Analysen zu erstellen. Aktienfonds würde ich vor dem geschilderten Hintergrund derzeit trotzdem nicht kaufen, weil ich einfach das Gefühl habe das eine größere Korrektur fällig ist. Rentenfonds haben den Vorteil, dass der Fondsmanager den Bestand einfach halten kann und sich Kursverluste in Luft auflösen sofern nicht Schuldner ausfallen. Ich habe deshalb bei diesem Fonds ein paar Anteile geordert und werde dann mal im Laufe der Zeit schauen, ob ich die Position sukzessive vergrößere.

2 Gedanken zu „nordIX Renten plus – interessanter kleiner Rentenfonds

    1. Value Mario Artikelautor

      Bei Renten sehe ich das etwas anders als bei Aktien. Die Rückzahlung steht am Ende der Laufzeit mit 100% fest und wenn die Rendite heute passt, stören zwischenzeitliche Kursbewegungen nicht. Der Fondsmanager muss nur investiert bleiben. Das unterstellt natürlich, dass die Kurskorrektur nur temporär ist und die Rückzahlung nicht ausfällt. Trotzdem ist das ein Vorteil gegenüber Aktien bei denen man nicht weiß, wann der Kurs wieder wie hoch steigen wird.
      Natürlich wäre die Rendite auch der Anleihen noch höher, wenn man nach einer deutlichen Kurskorrektur kauft, aber man weiß ja auch nicht, ob die wirklich kommt. Auf dem aktuellen Niveau finde ich die Rendite des Portfolios dieses Fonds attraktiv und kann deshalb mit einer eventuell verpassten Chance leben. Ich bin allerdings noch nicht gleich mit einer vollen Position eingestiegen. Alternativ würde ich weiterhin auf total niedrig verzinster Liqudität sitzen. Traden ist auch eine Alternative aber nicht mein Metier. Davon lass ich lieber die Finger.

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