Buch: Antifragilität

von Nassim Taleb

Antifragilität ist quasi der Nachfolger von dem von mir sehr empfohlenen Buch „Der schwarze Schwan“ (http://value-shares.de/2013/02/04/buch-der-schwarze-schwan/). Angekündigt hatte ich das Buch hier (http://value-shares.de/2013/01/15/vortrag-von-nassim-taleb-fragilitat-und-anti-fragilitat/) schon vor fast zwei Jahren. Selber gelesen habe ich es aber jetzt erst.

Worum es grob in dem Buch geht, steht schon in dem alten Artikel. Viel habe ich dem jetzt eigentlich nicht hinzuzufügen. Insgesamt hat es mich leider nicht so richtig begeistert. Eigentlich schreibt Taleb viele Dinge, die ich für richtig und zu wenig bedacht halte. So haben viele, z.B. Ärzte und Politiker Anreize etwas zu tun, auch wenn nichts tun und auf Selbstheilungskräfte vertrauen eigentlich viel besser wäre. Anerkennung bekommt man in unserer Gesellschaft aber nun mal selten fürs nichts tun. In Verbindung mit der Tatsache, dass viele wenig bis gar nichts persönlich zu verlieren haben, wenn sie falsch liegen, führt das zu Schäden, die vermeidbar wären. Es gab z.B. ein Experiment, bei dem eine Gruppe von Kindern untersucht wurde. Der Teil der kerngesunden wurde dann noch mal und noch mal untersucht und in jeder Runde wurde die Zahl der kerngesunden kleiner. Die Ärzte hatten scheinbar den unbewussten Drang bei einem gewissen Prozentsatz etwas festzustellen. Durch mögliche Nebenwirkungen sind solche Diagnosen nicht nur unnötig sondern auch risikoreich.

Die folgende Annekdote zum Thema „nichts zu verlieren, wenn man falsch liegt“ hat mir gut gefallen: Ein anerkannter Professor für Entscheidungstheorie, der also darüber forscht, wie man rationale Entscheidungen trifft, steht vor der Frage, ob er von der Columbia University nach Harvard wechseln soll oder nicht. Ein Kollege schlug vor, er solle doch seine Methode der Nutzenmaximierung anwenden, über die er so erfolgreich schreiben würde. Die Antwort von dem Professor war „Ich bitte dich, das hier ist ernst!“.

Das Buch ist insgesamt nicht sehr Investment lastig. Taleb spricht allerdings Optionen an, die perfekte Antifragilität verkörpern. In ruhigen Zeiten kleiner Verlust und um so größer die Ausschläge um so größer der Gewinn mit der Option. Das klingt erstmal plausibel, aber der kleine Verlust tritt natürlich nach einer relativ kurzen Zeit auch ein. Wenn man dann immer und immer wieder Optionen kauft, hat man am Ende potentiell halt auch eine hohen Verlust bzw. hohen Kapitaleinsatz bis es zu dem fat tail event kommt. Ob dann die eine erfolgreiche Option wirklich zu einer attraktiven Rendite auf den gesamten Einsatz führt, kann ich nicht richtig einschätzen Taleb sagt dazu auch nichts. Mein Bauchgefühl sagt, dass die Strategie mit Optionen auf fat tail events zu setzen, erfolgreich sein könnte. Allerdings fühle ich persönlich mich mit Optionsbewertungen nicht wohl genug und hätte deshalb immer die Befürchtung, beim Ein- und Ausstieg über den Tisch gezogen zu werden.

Gestört hat mich an dem Buch, dass es trotz der durchaus interessanten Inhalte für meinen Geschmack zu langatmig war. Mit der Hälfte der Seiten wäre ich vielleicht sogar von dem Buch so begeistert gewesen, wie damals vom Schwarzen Schwan. Viele Punkte wiederholen sich mehrmals und auch wenn ich die Anekdote oben sehr anschaulich und gut fand, sind es insgesamt etwas vieles. Außerdem gibt es für meinen Geschmack etwas viele historische Vergleiche. Wobei auch da der eine oder andere, ganz interessant ist. Brückenbauer im alten Rom wurden z.B. verpflichtet eine Zeit lang unter einer von ihnen neu errichteten Brücke zu übernachten.

FAZIT

Auf meine Liste der Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte, schafft es dieses Buch anders als der Schwarze Schwan nicht. Trotzdem bietet es einige interessante Themen und Ansätze. Auch wenn es in meinen Augen etwas langatmig geschrieben ist, halte ich das Buch deshalb trotzdem für lesenswert, zumindest für Vielleser wie mich. Wer nur zwei Bücher im Jahr liest, kann besseres finden.

3 Gedanken zu „Buch: Antifragilität

  1. Roger

    Zu Optionen eine einfache Frage: Wie teuer ist der Zeitverlust pro Jahr?
    Und wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit pro Jahr?
    Angenommen, man kauft eine Option mit einer Laufzeit von über einem Jahr und schaut ein Jahr später nach, wie teuer die Option unter unveränderten Randbedingungen, bis auf die abgelaufene Zeit, wäre.

    Das lässt sich kaum sauber berechnen, aber nach meiner groben Schätzung liegen die Kosten bei 10-50% per anno. Setze das in Relation zur Eintrittswahrscheinlichkeit jenes Ereignisses, auf das die Otion gesetzt ist, und den potentiellen Gewinn. Ich wage zu behaupten, dass diese Eintrittswahrscheinlichkeit wesentlich geringer ist. Und das deshalb gerade für Optionen gilt, dass die meisten Teilnehmer an der Börse verlieren.
    Es hat m.E. sehr oft was von Pferdewette mit professionellerem Beigeschmack, und übt die gleiche Faszination aus. Setzt man lieber auf den Favoriten oder lieber auf den Außenseiter? Völlig egal, die Buchmacher gewinnen am Ende.
    Aktien sind langweiliger, aber vergleichsweise transparenter und von weniger Gebühren belastet.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Die These, dass der Markt gerade nach längeren Phasen ruhiger, positiver Entwicklungen die Wahrscheinlichkeit eines Crashs unterschätzt leuchtet mir schon ein. Deshalb sollten Optionen auf solche Crashs z.B. Put auf Dax 6.000 oder 7.000 vergleichsweise zu günstig sein. Ich habe zwar schon dies und das über Optionen und Optionsbewertung gelesen, aber trotzdem bin ich in diesem Metier nichr firm genug, um diese These wirklich zu verifizieren.

      Ich stimme dir aber zu, dass man als Privatanleger mit Optionen rund um die aktuellen Kurse noch schlechtere Karten hat und erst recht sehr vorsichtig sein sollte.

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  2. Robert Michel

    „Wenn man dann immer und immer wieder Optionen kauft, hat man am Ende potentiell halt auch eine hohen Verlust bzw. hohen Kapitaleinsatz bis es zu dem fat tail event kommt. Ob dann die eine erfolgreiche Option wirklich zu einer attraktiven Rendite auf den gesamten Einsatz führt, kann ich nicht richtig einschätzen Taleb sagt dazu auch nichts.“

    Laut Antti Ilmanen kann man mit dieser Strategie in zwei Monaten so viel gewinnen wie man zuvor in einem Jahrzehnt verloren hat, aber solche Ereignisse sind seltener als einmal im Jahrzehnt. Damit ist die Strategie insgesamt nicht nur nicht profitable, sondern sie ist sogar eine der um wenigsten profitablen Strategien überhaupt.

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