Aquakulturen – interessant aber wenig öffentlich

Der Kommentar von Roger vor ein paar Wochen in einem älteren Artikel über Marine Harvest (http://value-shares.de/2013/01/15/marine-harvest-update-1-quartal-2012/#comments) hat mir den Anstoß gegeben, mich mal wieder mit Aquakulturen zu beschäftigen. Egal ob es um Marine Harvest oder auch SalMar geht, erst mal war mir wichtig, die Branche besser zu verstehen.

Eigentlich sollte es ja nicht so schwer sein, eine Branche die Fische aufzieht zu verstehen. Das ist ja keine Rocket Science. Nichts desto trotz gibt es in dieser Branche massive Schwankungen. Hier z.B. die Preise für Lachs:

Lachspreise 2007 bis 2013

Quelle: Marine Harvest Präsentation Ergebnisse Q4 2013

2012 waren die Preise für Lachs unten und ich habe bei Marine Harvest auf sinkende Kurse gewartet, um mehr margin of safety zu bekommen. 2013 sind die Lachspreise besonders in Europa dann mehr oder weniger explodiert. Entsprechend hat Marine Harvest 2013 pro Aktie 9-mal mehr verdient als 2012. Ich habe 2012 keine Hinweise gehabt, dass etwas derart dramatisches eintreten würde, sonst hätte ich kaum vorsichtig auf weiter sinkende Kurse gewartet und damit stattdessen eingetretene Verdoppelung verpasst.

Mir geht es hier gar nicht um die verpasste Chance, das passiert. Was mich aber irritiert ist, dass ich mit ein, zwei Stunden Recherche auch im Nachhinein keine vernünftige Erklärung gefunden habe, warum die Lachspreise so gestiegen sind bzw. davor so niedrig waren. Da ich die wichtigen Faktoren nicht in den Griff bekomme, stehe ich jetzt wieder agnostisch da und weiß nicht, ob die derzeitig günstige Lage nachhaltig sein kann oder nicht. Marine Harvest reportet so ein bisschen zu Angebot und Nachfrage, aber das sind nur Prozentzahlen. Damit kann ich nicht herleiten, warum sich Dinge so entwickeln wie sie es tun. Daneben habe ich sowieso noch eine Reihe weiterer fundamentaler Fragen wie z.B. wie schnell kann so eine Farm die Produktion hoch und runter fahren? wie hoch sind die Fixkosten? oder was sind die wichtigsten Kostenpositionen und was beeinflusst wiederum deren Preise?

Ich war kurz davor Marine Harvest einfach aus meiner Aktienuniversum Liste zu streichen, aber da ich hier schon öfter tolle Unterstützung von Lesern bekommen habe, schreibe ich stattdessen diesen etwas frustrierten Zwischenbericht. Vielleicht habe ich ja an den falschen Stellen gesucht und ihr könnt mir ein paar brauchbare Quellen mit Branchen Reports etc. schicken. Falls nicht, wundert ihr euch zumindest nicht, wenn Marine Harvest von meiner Watchlist fliegt.

 

5 Gedanken zu „Aquakulturen – interessant aber wenig öffentlich

  1. Roger

    Freut mich, dass du dich wieder an die Branche herantastest. :-)
    Zu den grundsätzlichen Einflussfaktoren finde ich das „Industry Handbook for Investors“ von Marine Harvest sehr informativ: http://www.marineharvest.com/en/Investor1/Industry-Handbook-/
    Habe noch in keiner anderen Branche etwas vergleichbares gesehen.

    Warum sich die Lachspreise aktuell so entwickeln: Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Ist m.E. der größte Rätselfaktor. Das Angebot für Zuchtlachs kann nur begrenzt wachsen, da die Anzahl der Lizenzen für die Aufzucht begrenzt ist und nur langsam steigt. (Norwegen: 990 Stück bestehen, aktuell werden 45 neue vergeben.) Wenn Lachs global populärer wird, gehen die Preise schon mal hoch. Und ob Sushi oder die Argumentation, dass Fischöl gesünder sei als Tierfett, ich sehe langfristig gute Perspektiven für eine stetig wachsende Nachfrage nach Fisch auch Lachs.
    Aber natürlich, sie stürzen auch wieder ab. Die Branche ist hoch zyklisch, allerdings bei stark wachsenden Umsätzen. Daher habe ich mir die Umsatzrenditen der letzten 10 Jahre angeschaut (die ist im Allgemeinen hoch) und den Mittelwert als Erwartungswert für die Zukunft angesetzt.
    Dazu kommen Katastrophen wie Krankheiten (Zusammenbruch in Chile!) oder ähnliches.

    „wie schnell kann so eine Farm die Produktion hoch und runter fahren“
    Ein Zuchtzyklus sind ca. drei Jahre. Siehe Industry Handbook.

    „wie hoch sind die Fixkosten“ Die Kosten für eine Zuchtlizenz in Norwegen steigen stetig. Bei der letzten Versteigerung wurden 66 Mio NOK geboten. Ansonsten: Siehe Industry Handbook. :-)

    „oder was sind die wichtigsten Kostenpositionen und was beeinflusst wiederum deren Preise?“
    Ca. 50% Futterkosten. Aber siehe besser im Industry Handbook. :-)
    Zu den Mischkosten und zur Kostenentwicklung empfehle ich auch die aktuelle Präsentation von Salmar.

    Vielleicht interessiert dich auch diese Diskussion: http://www.stw-boerse.de/forum/messages/1719/3446.html

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  2. Tunichtgut

    Um vielleicht ein paar Aspekte hinzuweisen, die mir bekannt sind:

    Du hast sicher schon den Wikipediaeintrag zum Aquafarming gelesen (http://en.wikipedia.org/wiki/Aquaculture_of_salmon). Der interessante Teil ist, dass das Aquafarming einige Risiken bzgl Krankheiten beinhaltet, und diese das Angebot an Lachs variieren können. Der andere Aspekt ist, dass die Fische im Alter von etwa 4 Jahren geerntet werden, und sich entsprechende Investitionszyklen erst mit Verzögerung auf das Angebot auswirken. Man kann also davon ausgehen, dass die Branche gewissen Schweinezyklen unterliegt.

    Ein Aspekt, den man bei MH noch beachten sollte, ist die Akquisition von Morpol im letzten Jahr. Morpol ist der größte(?) Produzent von Räucherlachs. Außerdem gab es letztes Jahr den Versuch die vom Konkurrenten Cermaq ausgeliederte Fischfuttersparte EWOS zu übernehmen. MH versucht sich also derzeit strategisch in beiden Richtungen der Wertschöpfungskette auszudehnen. Außerdem hat man gerade Produktion in Schottland verkauft.

    Dieser aggressive Umgang mit Akquisitionen und Verkäufen von Unternehmensteilen ist typisch für Unternehmen aus dem Umfeld von John Fredriksen (siehe Wikipediaeintrag zu JF), zu denen auch MH gehört. Fredriksen, der sonst in Bohrplattformen (Seadrill) und Tankern (Frontline, Golar) macht. ist bekannt dafür aggressiv am Markt zu sein und hochgehebeltes Fianancial Engineering zu betreiben, das ganze allerdings recht erfolgreich. Auch MH könnte daher aus Sicht der reinen Finanzzahlen etwas anders „konstruiert“ und geführt sein wie der Rest der Branche.

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  3. Milud

    http://www.agrarheute.com/lachspreise-weiterhin-hoch

    http://www.fischmagazin.de/newsartikel-seriennummer-2732-Lachs+Keine+bestimmte+Gesetzmaessigkeit+bei+Preisanstieg+und+fall.htm

    http://www.fischmagazin.de/newsartikel-seriennummer-2749-Norwegen+Lachspreise+weiterhin+extrem+hoch.htm

    Handelt es sich um eine Art „Schweinezyklus“, wie in mehr oder weniger ausgeprägter Form bei Rohstoffen üblich? Die Produktion kann nicht schnell genug an Änderungen der Nachfrage angepasst werden.
    Ich weiß nicht, ob auch Umweltfaktoren, wie z.B. Trockenheit bei Getreide, die Produktion verändern.
    Die Produzenten können den Verkaufspreis nicht bestimmen – Preisnehmer, was Anlagen in solchen Unternehmen erschwert.

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  4. investresearch

    Ja Fischzucht ist ein interessantes Thema und finde die Idee auch spannend wie sich aus Eiern dann Lachs entwickelt. Letztendlich ist man aber ein Commodityproducer und abhängig vom Lachspreis und ich glaube nciht, dass man das Angebot nicht in 12-18 Monaten schnell hochfahren kann weltweit und habe deshalb Bestände in Marina Harvest reduziert

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