Buch: „Code Red“ und die Auswirkung auf mein Depot

von John Mauldin und Jonathan Tepper

Code Red ist das vierte Buch von John Mauldin, dass ich hier kurz vorstellen möchte. Es ist praktisch eine Fortsetzung von Endgame, zu dem ich hier schon mal was geschrieben hatte: http://value-shares.de/2013/03/10/3-buecher-von-john-mauldin/. Am Ende des Artikels schreibe ich dann noch etwas dazu welche Änderungen das Buch in meinem Depot bewirkt hat.

Der Titel Code Red ist eine Referenz zu dem Film „Eine Frage der Ehre“ mit Jack Nicholson und Tom Cruise. Im Film bezeichnet Code Red eine von höherer Stelle inoffiziell befohlene Strafaktion außerhalb der Vorschriften, die in einem Fall zum Tot eines Soldaten führt. Im Buch wird das bildhaft auf das aktuelle Verhalten vieler Notenbanken übertragen, die mit unkonventionellen Methoden agieren, deren positiver Ausgang nach Ansicht der Autoren zweifelhaft ist.

Endgame hat zwei Teile und zwar einen historischen zu Depressionen und Hyperinflationen und einen (damals) aktuellen zu verschiedenen Ländern. Code Red knüpft daran an, fasst die Inhalte von Endgame zum Teil noch mal zusammen und geht dann mit dem aktuelleren Stand weiter. Ein Schwerpunkt ist die Lage in Japan und wie das Gelddrucken dort möglicherweise zu einem globalen Währungskrieg führen wird. Während die Autoren für den Yen besonders skeptisch sind, sind sie für den USD relativ positiv, unter anderem weil die USA durch Fracking gerade dabei sind eine Reindustrialisierung und eine Entwicklung zum Energieexporteur zu erleben. Der zweite Teil von Code Red enthält Ratschläge, wie man als Privatinvestor sein Geld in diesen speziellen Zeiten anlegen sollte.

Der erste Teil hat mich nicht so begeistert. Das lag aber wohl hauptsächlich daran, dass ich Endgame schon gelesen hatte und außerdem auch den wöchentlichen Newsletter von John Mauldin lese. Code Red enthält deshalb für mich wenig grundlegend Neues. Wer diese Ausgangsbasis nicht hat, bekommt in meinen Augen eine gute, wenn auch nicht unbedingt optimistisch stimmende, Zusammenfassung der aktuellen geldpolitischen Lage. Die These des Buchs ist, dass die Notenbanken wahrscheinlich mittelfristig eine deutlich höhere Inflation nicht vermeiden können, wenn sie das aufgrund von politischem Druck denn überhaupt wollen.

Der zweite Teil enthält auch nichts weltbewegendes Neues, zwei triviale aber grundlegend richtige Hinweise sind z.B. „Diversifikation“ und im „Einkauf liegt der Gewinn“. Man soll außerdem lieber Bargeld als Option auf einen günstigen Einkauf nach dem nächsten Crash betrachten als den Boom zu lange zu reiten.

Ein eigenes Kapitel ist Rohstoffen gewidmet und bei der Inflationsannahme könnte man erwarten, dass die Autoren Rohstoffen gegenüber positiv eingestellt sind. In der Historie waren Rohstoffe in Hochinflationszeiten auch häufig eine gute Wahl. Derzeit stehen wir allerdings wahrscheinlich am Ende eines langen Bullenmarktes für Rohstoffe. Viele Rohstoffpreise sind im letzten Jahrzehnt stark gestiegen und daraufhin ist sehr viel in neue Vorkommen / Minen investiert worden. Beim Eisenerz z.B. trifft jetzt ein immer noch steigendes Angebot in China dem wichtigsten Absatzmarkt auf eine sich abschwächende Nachfrage. Das sind keine guten Aussichten für Rohstoffe und eigentlich ist mir das schon länger klar. Trotzdem fiel es mir bisher aus 3 Gründen schwer mich von meinen Vale Aktien zu trennen:

  • der Kurs ist schon stark gefallen und die Bewertung sieht mit einem KGV um die 7 trotz gesunkener Gewinnaussichten schon wieder niedrig aus
  • die Dividendenrendite ist aktuell mit mehr als 5% noch immer attraktiv und es fehlt mir an Alternativen
  • Aktien, die man einmal längere Zeit hält, gibt man ungern wieder her, insbesondere wenn das, wie in diesem Fall, bedeutet einen Verlust zu realisieren und natürlich findet man irgendwo auch immer die Argumente von Optimisten, die einen mit Argumenten für das Halten versorgen.

Während ich das hier schreibe, habe ich mich entschieden und ausschlaggebend war letztlich die Frage: Würde ich die Aktie heute auf dem aktuellen Niveau wieder kaufen? Die Antwort lautet nein, denn die globalen Aussichten lassen mich zu sehr fürchten, dass es sich bei den Minen Aktien aktuell um eine Value Trap handelt. Ich habe meine Vale Aktien deshalb jetzt verkauft und werde die Aktie nur noch von der Seitenlinie verfolgen.

Schlechte Aussichten für Industrie-Rohstoffe sprechen auch für schlechte Aussichten für Schiffe insbesondere Bulker. Das bestärkt mich auch in dem Segment sukzessive Gewinne mitzunehmen, statt gierig auf den ganz großen Gewinn zu setzen. Der einzige Rohstoff zu dem ich aus dem Buch eine positivere Einschätzung mitgenommen habe, ist Gold. Normalerweise hat Gold den Nachteil, dass es keine laufende Verzinsung bringt, sondern im Gegenteil sogar Kosten verursacht. Festverzinsliches mit niedrigem Risiko bringt real derzeit allerdings auch eine negative Rendite. Fürchtet man, wie die Autoren, dass wir mittelfristig eine Phase hoher Inflation bekommen, ist Gold eine gute Versicherung dagegen. Für Euro Investoren ist Gold, das weltweit in USD gehandelt wird, außerdem eine Währungsdiversifikation. Sollte es schnell wieder zu einer Phase mit real deutlich positiven Zinsen kommen oder der Euro erstarken, wäre das schlecht für Gold in Euro, aber man kann den Verlust dann immer noch als Versicherungsprämie betrachten und sich freuen, dass es nicht zu einer neuen großen Krise gekommen ist. Mein Goldanteil im Portfolio ist immer noch im einstelligen Prozentbereich und den werde ich jetzt durch zusätzliches Xetra Gold aufstocken.

FAZIT

Ich war am Anfang gar nicht so begeistert von dem Buch. Aber auch wenn es die Zukunft auch nicht eindeutig vorhersagen kann und bei den Empfehlungen auch nur mit Wasser kocht, hat es doch die eine oder andere Änderung in meinem Portfolio bewirkt. Das ist mehr als ich über die meisten anderen Bücher sagen kann.

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