Diversifikation in US Anleihe

ISIN: US912828RH57
Wenn mich im Büro jemand fragt, in welche Richtung der USD wohl gehen wird, antworte ich immer „Wenn ich das wüsste, würde ich hier nicht sitzen.“ Ich weiß es auch nach wie vor nicht, will heute aber trotzdem kurz etwas darüber schreiben, was mich dazu bewogen hat, als Diversifikation meines Portfolios eine simple US Staatsanleihe mit einer Laufzeit bis 2018 zu kaufen.

Der USD ist gegenüber dem Euro schon seit Mai letzten Jahres auf dem Vormarsch. Damals hatten wir noch Kurse von fast 1,40 USD / EUR und ich habe mich mit Währungen wenig beschäftigt. Gegen Ende des Jahres habe ich einiges an Research gelesen und darin wurde mehrfach für mich plausibel argumentiert, dass wir es nicht nur mit kurzfristigen Schwankungen sondern einer mittel- bis langfristigen Trendumkehr zu tun haben könnten. Das war bei einem Kursniveau um die 1,25 USD / EUR. Inzwischen haben wir auch schon die 1,20 USD / EUR unterschritten und in Kombination mit meinem seit langem beklagten zu hohen Tagesgeldbestand (in Euro) hatte ich nun das Gefühl etwas tun zu müssen.
Volkswirtschaftlich könnte man die USA wohl derzeit als den einäugigen unter den Blinden bezeichnen. Dort ist nicht alles rosig, aber besser als in der Euro Zone oder in Japan läuft es alle mal. Nun zeichnet sich auch immer noch ab, dass die FED im Laufe des Jahres die Zinsen langsam erhöhen wird. Carry Trades bei denen günstige USD in höher verzinsliche Fremdwährungsanlagen gesteckt werden, dürften dabei dann sukzessive aufgelöst werden und zu einer weiter steigenden USD Nachfrage beitragen. Mich persönlich treibt auch die Unsicherheit um die Euro Zone, siehe Neuwahlen in Griechenland in eine Diversifikation.
Zunächst hatte ich die Idee auf eine variabel verzinste Anleihe mittlerer bis längerer Laufzeit zu setzen. Die werfen zwar auf dem derzeitigen Niveau fast nichts ab, aber mit steigenden Zinsen, würde man dann sukzessive mehr bekommen und könnte so längerfristig in einem Papier bleiben. Leider bin ich mal wieder auf das Problem gestoßen, dass ich bei meinen beiden Banken comdirect und ING Diba Anleihen nicht an internationalen Börsen handeln kann. Es werden zwar auch ein paar vermeintlich passende US Anleihen in Deutschland gehandelt, aber Umsätze finden an den deutschen Börsen praktisch nicht statt.

Was waren die Alternativen?

Fremdwährungskonto bei der Bank

Inzwischen kann man bei der comdirect und wahrscheinlich vielen anderen Banken problemlos Fremdwährungskonten führen. Die Verzinsung ist relativ gesehen zwar schlechter, d.h. auf USD gibt es derzeit gar keine Verzinsung, obwohl das Zinsniveau in USD eigentlich etwas höher ist als in Euro. Dafür ist das Fremdwährungskonto täglich verfügbar, einfach und bequem. Ich habe allerdings ohnehin so viel Tagesgeld, dass ich mit diesem Investment gerne auch eine Bonitätsdiversifikation erreichen wollte. Deshalb habe ich mich auch auf US Staatsanleihen konzentriert. Man weiß nicht, wie viel die Dollar wert sein werden, die man zurückbekommt, aber man kann hier doch ziemlicher sein, dass man sie zurückbekommen wird.

Optionen

Einen USD Call kaufen wäre natürlich auch eine Variante gewesen, um auf die reine Kursentwicklung zu setzen. Allerdings müsste ich mich dann erst wieder in die Bewertung von Optionen reinfuchsen. Bei Optionsscheinen für Privatanleger hatte ich in der Vergangenheit fast immer den Eindruck, dass sie nicht unbedingt fair bewertet werden. Außerdem habe sie in der Regel eine relativ kurze Laufzeit. Zu guter Letzt hat man hier einen Hebel, setzt dafür aber nicht so viel Kapital ein. Meinen gewünschten Abbau von EUR Tagesgeld hätte ich damit also nicht so wirklich erreicht.

USD Aktien

Ich hätte natürlich auch in Aktien von amerikanischen Unternehmen investieren können. Einige Werte aus typischen USD Industrien (Flugzeuge, Schiffe, Energie) habe ich ja auch schon. Den Gesamtmarkt halte ich allerdings für ziemlich sportlich bewertet und daher sind Aktien aus meiner Sicht für die oben geschilderten Ziele nicht gerade die richtige Wahl gewesen.

Meine Lösung

Am Ende habe ich mich dann für eine festverzinsliche Anleihe mit einer Laufzeit bis 2018 und einer USD Rendite von 1,3% entschieden. Was die Haltedauer angeht, habe ich noch keinen festen Plan. Es kann sein, dass ich das Papier als Diversifikation bis zum Ende der Laufzeit halte. Sollte der USD allerdings weiter deutlich stärker werden, könnte es auch sein, ich schon vorher aussteige und den Währungsgewinn realisiere.

9 Gedanken zu „Diversifikation in US Anleihe

  1. Roger

    Hmm, kann ich nicht nachvollziehen. Bei so geringen Zinsen ist es m.E. im Kern eine Wette auf den US-$.
    Keine Frage, so eine Wette ist eine Mischung von rationalen und Bauchgefühlen, weil jeder Bauch die Pro- und Contra-Argumente anders gewichtet. In meinen Augen sprechen diese Contra-Argumente gegen den Dollar:
    – Stetiges Außenhandelsdefizit. Dieses ist soldange berechtigt, wie die internationale Nachfrage nach $ weiter steigt, er also erfolgreich seine Bedeutung als globale Handels- und Reservewährung erhält. Ich persönlich habe den Eindruck, dass sowohl Euro-Raum als auch China und Russland immer stärker nach Alternativen als Handelswährung suchen und zumindest China weniger Dollar hortet.
    – Unabhängige Notenbank versus quantitative easing: In der Krise haben EZB ebenso wie die FED massiv Geld gedruckt, die Bilanzsumme massiv ausgeweitet. Unterschied: Die EZB hat ihre Unabhängigkeit genutzt und die Bilanzsumme danach wieder massiv gesenkt, die FED nicht. Hier ein Diagramm vom Ende 2013, dürfte derart ganz ähnlich aussehen: http://blog.zeit.de/herdentrieb/files/2013/08/ECB_Fed_Bilanzsumme_130814.gif Wie lange geht so eine Bilanzausweitung gut?
    – Ölpreis und Auswirkungen: Der Ölpreiseinsturz gefährdet die Fracking-Wirtschaft in den USA. Der Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre beruht massgeblich auf dem Ausbau im Fracking, womöglich gäbe es heute ohne Fracking immer noch weniger Jobs als 2009. Dazu hat sich in diesem Feld ein sehr großes Kreditportfolio aufgebaut, dass bei 50$ Öl nicht sehr viel wert ist. Das könnte auch die Finanzwirtschaft ziemlich heftig treffen. Zu beiden Behauptungen, Jobs wie auch Kreditrisiken siehe http://adventuresincapitalism.com/post/2015/01/05/There-Will-Be-Blood!!-%28Part-III%29.aspx

    Sicher, der Euro wird auch in diesem Jahr unter Feuer kommen. Und wegen Griechenland ist aktuell die Stimmung im Keller, dort sind also wenigstens schon einige Risiken eingepreist. Ob der US-$ wirklich eine sicherere Alternative ist? Dort sind die Risiken bislang kaum bewusst, wahrscheinlich noch nicht eingepreist. Das hat für mich etwas von dem ängstlichen Einarmigen gegen den selbstsicheren Einbeinigen. Warum nicht etwas a la Schweizer Franken, wenn der Euro nicht gefällt?

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Du hast schon Recht, in den US of A gibt es auch erheblich Risiken. Die Anleihe bringt zwar 1% bis 1,5% mehr als vergleichbares in Euro, aber das ist natürlich für mich nicht der Treiber für das Investment gewesen.

      Ich kann die währungs- und volkswirtschaftlichen Entwicklungen nicht vorhersehen. Es gibt irgendwie immer Gründe für die eine und die andere Entwicklung. Für mein Investment spricht m.E. ganz einfach die Diversifikation. Wenn ich mich sehr sicher fühle, akzeptiere ich gerne Klumpenrisiken. Hier ist das Gegenteil der Fall, also fühle ich mich wohler, pauschal zu diversifizieren.

      SFR (und NOK) habe ich ein paar auf einem Fremdwährungskonto. Vor ein paar Jahren waren beide Positionen deutlich größer. Die Schweizer Notenbank hat den Franken mit der Kursuntergrenze von 1,20 den SFR m.E. praktisch an den Euro gekoppelt. Umso mehr Nachfrage nach SFR besteht, umso mehr davon müssen von der Schweizer Notenbank verkauft werde, um den Kurs zu halten = stark steigende Geldmenge. Der Schweizer Franken ist daher für mich auch nicht mehr die Insel der Glückseligen.

      Ich habe auch noch einen Asia Local Currency Rentenfonds im Portfolio. Wenn es stimmt, dass die USD carry trades aus den Emerging Markets abgezogen werden, müsse ich den eigentlich verkaufen, aber momentan tendiere ich noch dazu ihn weiterzuhalten. Einfach auch im Sinne der Diversifikation.

      Antworten
      1. Roger

        „Die Schweizer Notenbank hat den Franken mit der Kursuntergrenze von 1,20 den SFR m.E. praktisch an den Euro gekoppelt. Umso mehr Nachfrage nach SFR besteht, umso mehr davon müssen von der Schweizer Notenbank verkauft werde, um den Kurs zu halten = stark steigende Geldmenge. Der Schweizer Franken ist daher für mich auch nicht mehr die Insel der Glückseligen. “

        Deine Kristallkugel ist offensichtlich genauso schlecht wie meine. :-)

        Antworten
        1. Value Mario Artikelautor

          Stimmt meine Kristallkugel war trübe. Ich hab nicht kommen sehen, dass die SNB meinen blog liest und darauf innerhalb einer Woche so heftig reagiert :-)

          Spaß beiseite, erstmal mit etwas Geld raus aus dem Euro, war zumindest mal nicht schlecht. USD war natürlich heute nicht so extrem wie SFR, ist aber auch gestiegen. Ohne diese faktische Kopplung wird der Franken für mich jetzt wieder interessanter. Ich warte jetzt erstmal aber erstmal ein bisschen ab was passiert.

          Antworten
  2. benny_m

    „Es werden zwar auch ein paar vermeintlich passende US Anleihen in Deutschland gehandelt, aber Umsätze finden an den deutschen Börsen praktisch nicht statt.“

    Du hast keine US-Anleihe in FFM, Stuttgart oder Düsseldorf gefunden? Was hast du denn gesucht?

    Man kann übrigens auch Russland und USD in Anleihen kombinieren. Falls man ein bißchen Mut hat. Sowohl der Staat als auch die Unternehmen haben da derzeit recht nette Renditen. Und das direkte Rubelrisiko spart man sich

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Ich habe nach US Staatsanleihen mit variabler Verzinsung und einer Laufzeit zwischen 3 und 10 Jahren gesucht. Die gibt es zwar, aber ich habe keine gefunden, die in Deutschland täglich wengistens mit einem fünfsteligen Volumen gehandelt werden. Falls du eine kennst, immer her mit dem Link!

      Russland ist nicht mein Fall. Was Herr Putin als nächstes macht, ist für mich völlig unkalkulierbar. Deshalb wäre für mich alles was mit Russland zu tun hat pure Spekulation und keine Investition.

      Antworten
  3. benny_m

    Hab da wohl variable Verzinsung überlesen :)

    Alles an der Börse ist mehr oder weniger Spekulation. Russland ist viel zu wichtig. Man kann sie nicht fallen lassen. Schon garnicht wegen den unwichtigen Ukrainern. Oder warum hat man das mit der Krim einfach so hingenommen?

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Alles an der Börse ist mehr oder weniger Spekulation.

      Das stimmt natürlich, aber die Kunst ist es Möglichkeiten zu finden, bei denen man begründen kann, warum die Wahrscheinlichkeiten für einen sprechen. Ich kann das bei Russland nicht und

      Russland ist viel zu wichtig.

      überzeugt mich da auch nicht. Für mich bleiben Russland Investments aktuell ein Glücksspiel.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.