Opap – Update nach Q3 Zahlen

aktueller Kurs: EUR 6,46

Die griechische Lottogesellschaft Opap war das allererste Unternehmen, das ich in diesem blog vorgestellt habe. Das letzte Mal habe ich hier vor etwas über einem Jahr etwas über Opap geschrieben. Damals stand der Kurs bei EUR 10,90 und ich war optimistisch, dass die Kurserholung weitergehen würde. Schon davor hatte ich im November 2013 bei EUR 9,35 so viele Stücke verkauft, dass die verbleibenden Aktien nur noch aufgelaufenen Gewinnen entsprechen. So wollte ich es eigentlich auch belassen, weil es so viel entspannter ist, die Kapriolen in Griechenland zu verfolgen. Entgegen meinem Optimismus im letzten Jahr ist der Kurs allerdings nicht weiter gestiegen sondern um rund 40% gefallen. Opap hat letzte Woche die Zahlen für das 3. Quartal vorgestellt und ich habe sie mir mal angeschaut, um zu überlegen, ob sich vielleicht doch mal wieder ein Nachkauf anbietet.

Geschäftsentwicklung

Als ich mir die Zahlen zum ersten Mal angeschaut habe, sahen sie gar nicht mal so schlecht aus. Da ich mich länger nicht mehr mit Opap beschäftigt hatte, habe ich mich auf die 9-Monats Zahlen konzentriert. Im Vergleich zum Vorjahr 3% mehr Umsatz, 11% mehr Rohertrag und 33% mehr Gewinn nach Steuern rechtfertigen jedenfalls keinen Kurssturz.

Nach dem ich mit diesem Artikel angefangen habe, habe ich mir allerdings auch mal die reinen Zahlen für das 3. Quartal angeschaut und dann versteht man den Kurseinbruch schon besser. Im Vergleich zum Vorjahre waren es 16% weniger Umsatz, 6% weniger Rohertrag und 11% weniger Gewinn nach Steuern. Immerhin sieht man, dass die Kosten überproportional gesenkt wurden, aber man sieht, dass die Krise im Sommer an Opap nicht spurlos vorüber gegangen ist. Nach Aussage von Opap war der Juli der schlechteste Monat. Das war der Monat als die Banken zeitweise geschlossen waren. Im August und September war wohl wieder eine Erholung zu verzeichnen.

Der Kurs dürfte aber auch gefallen sein, weil es schlechte regulatorische Nachrichten gibt, die die Zukunftsaussichten eintrüben:

  • Die Video Lotterie Terminals (VLTs) sollten eigentlich schon längst über das ganze Land verteilt aufgestellt sein und einen erheblichen Teil zum Gewinnwachstum beitragen. Opap hat bereits mehrere hundert Millionen in die Lizenzen und die Geräte investiert und nun kommt es zu den in Griechenland scheinbar unvermeidbaren Verzögerungen. Am 1. Juli kam ein Schreiben der Regulierungsbehörde mit vielen Auflagen, das dazu führte, dass durch Opap alles erstmal gestoppt wurde. Das Management gibt sich zwar optimistisch am Ende noch eine profitable Lösung zu finden, aber Zuverlässigkeit und Planbarkeit sehen auf jeden Fall anders aus.
  • Ab 2016 wird eine erneute, zusätzliche Sondersteuer auf die Erlöse von Opap erhoben. Opap soll 5 Cent pro Lotterie- und Wetteinsatz an den Staat zahlen, der sich so EUR 300 bis 400 Mio. im Jahr erhofft. Ob so ein kleiner Betrag die Nachfrage nachhaltig schädigt, wenn Opap ihn aufschlägt, ist für mich fraglich. Es zeigt aber, dass Opap eine der wenigen Kühe ist, die in Griechenland derzeit effektiv gemolken werden können und es besteht das Risiko, dass das das Ende Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist.

Bewertung

Bei comdirect wird das für 2016 erwartete KGV mit 10,4 angegeben. Das auf Basis des dritten Quartals hochgerechnete KGV beträgt 10,7.

Die erwartete Dividendenrendite liegt bei üppigen 9% bis 10%. Das bedeutet letztlich, dass Opap mehr oder weniger den gesamten Gewinn als Dividende ausschüttet. Das muss nichts schlechtes sein, denn das Unternehmen verfügte zum 30.09. über eine Nettoliquidität nach Abzug der Finanzverbindlichkeiten von rund EUR 113 Mio. Die zwischenzeitlich aufgenommenen Darlehen zur Finanzierung neuer Lizenzen wurden damit schon wieder weitgehend getilgt. Wenn eine Verwendung der freien Mittel für Wachstum schon aus regulatorischen Gründen schwierig ist, macht es durchaus Sinn das Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass die neuen Mehrheitsgesellschafter die Anteile auf ihrer Ebene finanziert haben und deshalb eine hohe Dividende wollen, um diese Darlehen zu bedienen. Eine so hohe Ausschüttungsquote bedeutet aber auch, dass man sich bewusst sein muss, dass eine Verschlechterung des Ergebnisses recht unmittelbar auch zu einer Kürzung der Dividende führen wird.

Risiken:

Ein einfaches und sehr profitables Geschäftsmodell, eine günstige Bewertung und sehr hohe Dividendenrendite. In Deutschland wäre die Aktie ein no-brainer, aber natürlich ist die Bewertung nur so niedrig, weil es sich um ein griechisches Unternehmen mit vielen Risiken handelt:

  • Der Staat belastet Opap immer wieder mit neuen Steuern und Abgaben. Weitere können sicherlich nicht ausgeschlossen werden.
  • Die teuer bezahlten Lizenzen könnten aus regulatorischen oder EU Gründen doch noch vorzeitig entfallen oder eingeschränkt werden. Insbesondere im Online Wetten Bereich gibt es da wohl schon Gerüchte.
  • Grieche Banken könnten in Konkurs gehen und Opap damit Einlagen verlieren, allerdings liegt der größte Teil der Liquidität laut Q3 Bericht bei ausländischen Instituten.
  • Die Umsätze könnten weiter einbrechen, wenn die wirtschaftliche Lage nochmals kippt. Die ersten Generalstreiks in der Zeit der Syriza Regierung in diesem Jahr waren schon mal kein gutes Zeichen.
  • Last but not least könnte Griechenland immer noch aus dem Euro aussteigen, so dass sich ein deutlicher Währungsverlust einstellen würde.

FAZIT

Für mich ist Opap auf dem aktuellen Niveau nur optisch günstig bewertet aber keine echte günstige Gelegenheit. Sollte die Aktie noch mal unter 5,5 Euro fallen, ohne dass parallel neue Horrormeldungen kommen, könnte ich vielleicht noch mal in Versuchung geraten. Andererseits produziert der Staat für Opap so viele Belastungen und Unwägbarkeiten, dass man auch zu dem Schluss kommen könnte, ganz auszusteigen. Ich mache jetzt erstmal nichts. Falls ich in Zukunft kaufe oder verkaufe, werde ich natürlich berichten.

3 Gedanken zu „Opap – Update nach Q3 Zahlen

  1. DivSky

    Servus,
    schöner unter informativer Artikel.

    Wie funktioniert das denn mit der Quellensteuer mit den Dividenden aus Griechenland?

    Ist es richtig, das Sie generell 2x im Jahr die Dividende zahlen?

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  2. DivSky

    Komisch, mein Beitrag ist weg. Ich versuche es dann nochmal.

    Der Artikel ist interessant und zeigt doch auf, das es in Europa auch die eine oder andere Aktie gibt.

    Wie verhält es sich denn eigentlich mit der Dividendenzahlung, hinsichtlich der Quellensteuer, bei dieser Aktie? Hast Du schon eine Dividende erhalten?

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    1. Value Mario Artikelautor

      Hallo,

      dein erster Kommentar war nicht gleich zu sehen, weil ich es so eingestellt habe, dass ich erstmalige Kommentare freigeben muss (zur Spamvermeidung).

      In Griechenland werden 10% Quellensteuer abgezogen, die in Deuschland allerdings angerechnet werden, so dass diese Quellensteuer anders als viele andere weder Arbeit macht noch einen Nachteil bedeutet.

      2x mal im Jahr Dividende kommt schon ungefähr hin. Dieses Jahr gab es im Januar auch eine, so dass ich dieses Jahr 3 bekommen habe, im letzten Jahr hingegen nur eine. In den Jahren davor waren es meistens auch 2x.

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