Songa Bulk – neue, norwegische Bulker Gesellschaft

ISIN: NO0010778095

aktueller Kurs: 43,90 NOK

In den vergangenen Jahren war Diana Shipping für mich das Unternehmen der Wahl, wenn es um Massengutfrachter ging, weil das Management und die Finanzierung recht konservativ waren. Obwohl ich eigentlich mit einer Haltedauer von mehreren Jahren von einer früher oder später eintretenden Erholung des gesamten Bulker Marktes partizipieren wollte, habe ich mich aufgrund kontinuierlicher Verschlechterungen im September letzten Jahres doch vorläufig von meiner letzten Teilposition getrennt und nur kleine Gewinne realisiert. Obwohl meine Intention antizyklisch war, war ich scheinbar eine der letzten schwachen Hände, denn danach sind die Kurse im Zuge einer Markterholung stark gestiegen.

Wie man hier nachlesen kann, lagen meine Beweggründe allerdings nicht in Zweifeln ob sich der Bulker Markt jemals erholen wird sondern spezifisch in der Überbewertung der Aktie im Vergleich zu den damaligen Marktwerten und der sich immer weiter verschlechternden Finanzierungslage. Mit letzterem lag ich auch gar nicht so schlecht. Der jüngste Absturz im Kurs ist auf eine notwendig gewordene Kapitalerhöhung zurückführen. Was allerdings die Marktwerte der Schiffe angeht, war mit die Börse einen Schritt voraus. Statt korrigierender Aktienkurse kam es zu erholten Schiffswerten, die Aktienkurse hatten die Erholung also nur vorweggenommen.

Lange Einleitung kurzer Sinn: Ich war leider bei der Erholung der Bulker Märkte im letzten halben Jahr nicht dabei. Inzwischen gibt es mit Songa Bulker eine extra neu gegründete Gesellschaft, die aktuell sehr schnell und ohne Fremdkapital eine Flotte von gebrauchten Schiffen zu den aktuellen, historisch immer noch niedrigen, Preisen zusammenkauft. Grund genug mal zu schauen, ob das die Gelegenheit ist, wieder in den Bulker Markt einzusteigen.

Songa Bulk

Songa Bulk wurde erst 2016 gegründet und hat seinen Sitz in Oslo. Dort sitzt auch das eigene Personal, das auch das kaufmännische Management der Flotte übernimmt. Die technische Betreuung wird an Dienstleister outgesourced.

Zum Ende des Jahres 2016 hatte die Gesellschaft erst ein Schiff auf der Bilanz. Inklusive bereits gekaufter aber noch auszuliefernder gebrauchter Schiffe und eines noch auszuliefernden Neubaus, hat sich die Flotte inzwischen schon auf 10 erhöht. Sie setzt sich aus einem Capesize, 6 Kamsarmax und 3 Supramax Schiffen zusammen. Den größten Anteil haben in dieser Flotte die Kamsarmax Schiffe. Dies Schiffe liegen mit etwas über 80.000 DWT an der Größengrenze zwischen Panamax und den größeren Capesize Schiffen. Benannt ist diese Unterkategorie nach der Möglichkeit gerade noch den Hafen Kamsar in der Republik Guinea im Westen Afrikas anzulaufen. Kamsar ist der weltweit größte Hafen für Bauxit, aus dem Aluminium hergestellt wird. Mit Kamsarmax Schiffen kann man aber natürlich nicht nur Bauxit transportieren.

Der schnelle Einkauf der Flotte wurde unter anderem dadurch ermöglicht, dass die Schiffe bisher ausschließlich mit Eigenkapital erworben wurde. Zum Ende des Jahres 2016 belief sich das Eigenkapital auf rund USD 71 Mio. Durch eine kleine und eine große Kapitalerhöhung im bisherigen Verlauf des Jahres 2017 wurde das Kapital mittlerweile auf rund USD 178 Mio. erhöht. Die Gesellschaft hat zwar schon angekündigt künftig Fremdkapital aufnehmen zu wollen, aber trotzdem ist der frische Start in meinen Augen ein Wettbewerbsvorteil. Sämtliche Schiffe wurden zu im historischen Vergleich niedrigen Preisen eingekauft und die noch nicht bewältigte Krise wird (hoffentlich) dazu führen, dass man Fremdkapital nur in verträglicher Höhe aufnehmen will und kann.

Songa Bulk handelnde Personen

Arne Blystad

Wie bei so vielen Schiffsgesellschaften haben wir es auch bei Songa Bulk im Hintergrund mit einer alten Familie von Schiffsmagnaten zu tun. Arne Blystad hält indirekt rund 13% an Songa Bulk und hat die Firma zusammen mit Hermann Billung gegründet.

Arne Blystad scheint einer der reichsten Norweger zu sein. Die Informationen, die ich über ihn bei meiner Internet Recherche gefunden haben, waren allerdings ziemlich dünn und wie der verlinkte Artikel relativ alt. Die Blystad Group ist auf jeden Fall nicht nur Großaktionär bei Songa Bulk, sondern betreibt auch selbst eine Flotte von 17 Öl- und Produktentankern. Außerdem ist man an OHT AS beteiligt, die mit 5 Schiffen Transporte in Übergrößen, vor allem von Offshore Rigs, durchführen.

Eine ähnliche Strategie wie bei Songa Bulk hat Herr Blystad auch schon mal im Offshore Bereich durchgezogen. Die Songa Offshore ist heute noch börsennotiert. Wenn man sich den Chart betrachtet, allerdings vielleicht nicht mehr lange.

Herr Blystad ist schon 2011 aus dem Aufsichtsrat von Songa Offshore ausgeschieden und hat danach weiter Anteile verkauft. Laut diesem Artikel hielt er 2013 noch rund 13%. Der Chart von Anfang bis Ende ist natürlich ein Desaster. Für mich ist das aber kein Anzeichen, dass man nicht parallel zu Herrn Blystad investieren sollte, denn der Charts der meisten anderen Offshore Driller dürften ähnlich aussehen. Der Chart zeigt nur, dass man bei solchen zyklischen asset plays zum richtigen Zeitpunkt kaufen und auch rechtzeitig wieder verkaufen muss. Laut meiner Recherche hat das Herr Blystadt mit Bulkern schon mal sehr hinbekommen. 2007 hatte er Bestellungen für mehr als 30 Bulker, die er aber alle vor der großen Finanzkrise verkauft hat.

Hermann Billung

Herrmann Billung war von 2005 bis vor etwa einem Jahr CEO von Golden Ocean. Golden Ocean ist wie Songa Bulk eine Bulker Gesellschaft, die von einem norwegischen Schiffsmagnaten beherrscht wird. Bei Golden Ocean ist dies John Fredriksen, den ich hier kürzlich schon kurz vorgestellt hatte . Das war im Zusammenhang mit dem übrigens immer noch laufenden Übernahmeangebot von Frontline, der Tanker Gesellschaft von Fredriksen, für DHT.

Billung hat Golden Ocean, die über eine eigene Flotte von über 50 Schiffen verfügt, scheinbar nicht freiwillig verlassen, etwa um Songa Bulk mit zu gründen, sondern wurde aus Gründen, die ich nicht herausgefunden habe, hinausgedrängt.

Da ich ansonsten keinen einzigen Hinweis gefunden habe, dass Herr Billung in der Branche einen schlechten Ruf hat, werte ich den etwas seltsamen Wechsel nicht negativ.

Bulker Markt

Wie ich in der Einleitung schon geschrieben habe, hat sich der Bulker Markt in den letzten Monaten stark erholt. Der Baltic Dry Index hat sich seit seinem Tiefststand im ersten Quartal 2016 mehr als verdoppelt. Zeitverzögert haben laut www.vesselsvalue.com in jüngster Zeit auch die Schiffswerte stark angezogen. Dies zeigt im Folgenden exemplarisch die Wertentwicklung eines generischen 5 Jahre alten Capesize Schiffes:

Nach dem was ich so in Pressemitteilungen lese, sind momentan viele Bulker Investoren, die über freie Liquidität verfügen auf der Suche nach zusätzlichen Schiffen. Das führt zwar wie oben zu sehen, zu stark steigenden Werten, aber bisher hat sich die Branche mit Neubestellungen erfreulicherweise zurückgehalten. Laut NordLB gab es im ersten Quartal nur 16 Neubestellungen mit einer Tonnage von 1,12 Mio. DWT. Bereits 2016 wurde nur noch sehr wenig bestellt. Allerdings habe ich auch irgendwo gelesen, dass sich die Gebrauchtpreise neuerer Schiffe jetzt schon wieder den Neubaupreisen annähern. Bleibt also der Optimismus unter den professionellen Investoren bestehen, ist zu befürchten, dass demnächst auch wieder Neubauten bestellt werden. Weniger Verschrottungen dank gestiegener Charterraten und möglicherweise wieder mehr Neubauten würden eine nachhaltige Erholung der Charterraten auf profitablem Niveau natürlich wieder in Frage stellen.

Wohin die Reise gehen wird, kann ich nicht sagen. Ich denke mittelfristig wird es auch mal wieder deutlich profitable Zeiten geben, aber bis dahin könnte es durchaus noch zu heftigen Schwankungen kommen. Insbesondere auch deshalb weil man nie vergessen darf, dass China für die meisten Massengüter wie Kohle und Eisenerz der mit Abstand wichtigste Markt ist. Wenn die dortige Regierung dort Änderungen beschließt kann man die nicht vorher mit Entwicklungen von Angebot und Nachfrage vorhersehen.

Songa Bulk Bewertung

Da die Entwicklungen bei Songa Bulk derzeit sehr schnell gehen, musste ich zur Bewertung mit Hilfe der Pressemitteilungen versuchen die zusätzlichen Schiffskäufe und die beiden Kapitalerhöhungen abzubilden. Wenn ich das richtig gemacht habe, beläuft sich der Buchwert je Aktie auf USD 4,93. Ersetzte ich die Buchwerte bzw. Kaufpreise der Schiffe mit dem aktuellen www.vesselsvalue.com Wert der Flotte erhöht sich der Wert je Aktie auf USD 5,45.

Zum aktuellen USD/NOK Kurs entspricht der aktuelle Börsenkurs USD 5,12 pro Aktie. Auch wenn dieser Wert etwas unter meinen rechnerischen liegt, halte ich Songa Bulk damit für fair bewertet. Ich konnte z.B. die Kosten der Kapitalerhöhungen nicht berücksichtigen und so dürften meine Werte etwas zu hoch sein.

Meine Idee bei Schiffsgesellschaft ist:

1) fair bewertete Aktien zu kaufen, wenn der Zyklus der Schiffswerte Steigerungen verspricht oder

2) Aktien zu kaufen, deren Kurs den anteiligen Wert der Flotte nicht widerspiegelt.

Nach meiner Bewertung von Songa Bulk, könnte ich die Aktie nur wegen 1) kaufen. Die Frage ist nur, ob weitere Steigerungen im BDI und den Schiffswerten wahrscheinlich sind oder umgekehrt sogar eine Umkehr nach einer sehr schnell möglicherweise nur temporären Erholung droht.

FAZIT

Die erste deutliche Erholung im Bulker Markt habe ich verpasst, aber historisch gesehen ist mittelfristig noch viel Spielraum nach oben. Das zeigt der langfristige Chart des Baltic Dry Index, auf dem man die Verdoppelung von 2016 auf 2017 kaum erkennen kann:

Das spricht dafür mit Songa Bulk wieder einzusteigen. Songa ist in meinen Augen fair bewertet und verfügt ausschließlich über im historischen Vergleich günstig eingekaufte Schiffe und keinerlei Fremdfinanzierungsprobleme, weil es derzeit kein Fremdkapital gibt. Selbst wenn es zu einem Rücksetzer bei der Charterraten kommen würde, wäre Songa damit gut aufgestellt. Der Cash Break Even und auch der Gewinn Break Even dürfte durch die genannten Vorteile sehr konkurrenzfähig sein.

Auf der anderen Seite habe ich ganz aktuell kein gutes Gefühl die Aktie jetzt zu kaufen. Ich schreibe zwar diesen Blog, um eben nicht aus dem Gefühl heraus zu handeln, aber trotzdem war es in der Vergangenheit häufig so, dass meine wirklich guten Investments die waren, wo am Ende der Analyse die euphorische Gier stand dieses Papier jetzt haben zu müssen, auch wenn Mr. Market gerade verstimmt oder panisch war. Vermeintlich rationale Entscheidungen in Verbindung mit dem Bauchgefühl „kann man mal machen“ waren hingegen im Durchschnitt eher nicht so super. Songa liegt für mich derzeit eher im zweiten Bereich. Deswegen muss ich über meine Entscheidung noch mal schlafen, aber ich tendiere dazu den Wert erst mal nur weiter intensiv zu verfolgen.

Wer jetzt schon Interesse an Songa Bulk gefunden hat, muss schauen wo er OTC in Oslo handeln kann. Online geht das bei comdirect und ING Diba derzeit nicht. Ich könnte allerdings bei meiner anderen Bankverbindung der Bank Schilling handeln. Wer dieses Möglichkeit nicht hat, muss sich noch etwas gedulden. Die Kursnotierung im Einstiegssegment an der Börse Oslo wurde am 20.04.2017 bereits beantragt. Wenn die Notierung dort erfolgt, sollte auch ein online Handel bei den üblichen Verdächtigen in Deutschland möglich sein.

 

2 Gedanken zu „Songa Bulk – neue, norwegische Bulker Gesellschaft

  1. am-ph

    Die Personalie Billung ist verknüpft mit einem kühnen taktischen Zug der Fredriksen-Gruppe: Anfang 2013 orderte die Gruppe, soviel ich mich erinnere, 35 Capesize-Bulker. Diese Order stellte sich als gewaltiger Schlag ins Wasser heraus. Die in der Folge notwendigen Rettungsmaßnahmen bedurften der Zusammenarbeit verschiedener Firmen der Fredriksen-Gruppe und kulminierten in einer 200 Mio$-Kapitalerhöhung von Golden Ocean. Billung wurde unmittelbar nach dieser Kapitalerhöhung entlassen. Die letzten 6 georderten Schiffe werden voraussichtlich dieses Jahr ausgeliefert.

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Danke für die Ergänzung. Ich hatte zwar bei Golden Ocean irgendwie noch im Kopf, dass es da was gegeben haben könnte, konnte jetzt aber nichts finden.

      2013 stieg ich bei Diana Shipping ein und viele Professionelle bestellten viel zu viele neue Schiffe. Alle in der falschen Annahme, dass der Boden schon erreicht sei. Herr Billung war dann wohl mit Golden Ocean an der Spitze dieser falschen Bewegung.

      Bin mal gespannt wie das weitergeht. Habe jetzt nach dem Artikel noch mal irgendwo gelesen, dass sich viele Werften in China in Gesprächen über Bulker Bestellungen befinden sollen…

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