Buch: Mehr als Reichtum

von Dr. Robert Velten

Es gibt im Netz eine Menge blogs, die sich mit dem Ziel der finanziellen Freiheit beschäftigen. Ich habe dieses Ziel mit Mitte 40 weitgehend erreicht und hatte schon mal überlegt, ob ich auch mal was dazu schreiben sollte, wie ich das geschafft habe. Nach der Lektüre von „Mehr als Reichtum“ kann ich mir das eigentlich sparen, denn die meisten Ratschläge von Dr. Velten entsprechen überraschend genau dem was ich instinktiv gemacht habe. Da das bei mir funktioniert hat, ist das Buch aus meiner Sicht für alle interessant, die noch relativ am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, keine Finanzmarkt Experten sind, aber trotzdem den Traum haben eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.

Autor

Dr. Robert Velten ist Vortragsredner, Geschäftsführer der Velten Asset Management GmbH und lehrt Rechnungslegung und Kapitalmärkte an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management.

Mehr als Reichtum

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dem Buch um mehr als die beste Strategie Geld anzulegen. Gleich zu Beginn des Buchs betont Dr. Velten, richtigerweise, dass für die meisten am Anfang ihrer Karriere nicht das Geldvermögen das größte Vermögen ist, sondern das Erwerbspotential. Es macht Sinn es entsprechend der eigenen Fähigkeiten und Vorlieben zu maximieren und nicht unbedingt auf ein schnelles eigenes Gehalt aus zu sein. Ich bin z.B. ursprünglich zur Realschule gegangen und es war schon nicht ganz leicht zu sehen, wie ich auf dem Wirtschaftsgymnasium weiter gemacht habe, während viele meiner Schulfreunde eine Ausbildung begannen und somit ihr eigenes Geld verdient haben. Langfristig hat sich dieser Weg mit dem anschließenden Studium aber mehr als ausgezahlt.

Hat man seine Karriere dann begonnen, kommt der zweite wichtige Schritt, um aus einer normalen Karriere heraus die finanzielle Unabhängigkeit erreichen zu können und der ist möglichst viel Geld nicht auszugeben. Es geht dabei nicht darum finanzielle Askese zu betreiben, aber schon darum sich Gedanken zu machen, ob eine weitere Anschaffung oder finanzielle Verpflichtung wirklich notwendig ist. Selbst wenn man es sich leisten kann, ist z.B. die Frage, ob man als Single in einer Dreizimmer Wohnung im besten Stadtteil leben muss oder ob es nicht auch ein oder zwei Zimmer in einem günstigeren Stadtteil sein können. Ich habe immer unter meinen Verhältnissen gelebt und entsprechend hoch war meine Sparquote.

Erst mit einer möglichst hohen Sparquote kommt man über die Zeit zu Kapital, das man arbeiten lassen kann. Umso früher man beginnt Kapital aufzubauen, um so besser kann man die langfristigen Vorteile des Zinseszinseffekts für sich nutzen. Dr. Velten plädiert dafür diesen zu maximieren, in dem man produktive Anlageformen investiert, hauptsächlich in Aktien. Von Anleihen rät er zumindest in jüngeren Jahren ab und auch bei Immobilien, Gold und Rohstoffen rät er zumindest zur Vorsicht.

Bei so vielen Überschneidungen zwischen den Ratschlägen von Dr. Velten und meinem Weg gibt es doch eine wesentliche Abweichung. Er empfiehlt im Prinzip zu 100% permanent am Aktienmarkt investiert zu sein. Sein Argument ist, dass der Aktienmarkt im langfristigen Durchschnitt steigt und man deshalb zu viel Rendite verpasst, wenn man versucht durch Timing den Einstieg zu verbessern. Wenn man breit gestreut z.B. monatlich in einen ETF Sparplan investiert, hat er wohl einfach Recht damit. Ich tue mich damit für das Kapital, das jetzt schon da ist, allerdings trotzdem schwer und ich bin auch der Meinung, dass man nur erfolgreich investieren kann, wenn man voll hinter seiner eigenen Strategie steht und diese auch durch gute und schlechte Zeiten durchhält. Ich kann einfach besser schlafen, wenn ich meine Investments bottom up analysiert habe, was allerdings bei mir seit einigen Jahren dazu führt, dass ich nicht so viele Möglichkeiten finde, wie ich mir wünschen würde.

Da ich mir des Problems bewusst bin, hatte ich vor längerer Zeit schon mal eine kleine, vereinfachende Berechnung gemacht, um zu vergleichen, ob die beiden Ansätze nicht zu einem ähnlichen Erfolg führen können. Für diesen Artikel, habe ich die Tabelle noch mal erstellt:

Ich bin in dem Beispiel davon ausgegangen, dass man nach Kosten mit ETFs am Aktienmarkt kontinuierlich 8% erwirtschaften kann (ist vielleicht schon hoch gegriffen). Über 10 Jahre werden so aus 100 Euro bei Wiederanlage 212 Euro (ohne Steuern). Wenn man hingegen 9 Jahre wartet und das Geld zu 1% parkt, bis es zu der nächsten Krise mit extrem günstigen Einstiegspreisen kommt und dann im zehnten Jahr sein Kapital verdoppelt, kommt man auf 219 Euro. Eine Verdoppelung in einem Jahr klingt vielleicht unrealistisch, aber 2008 / 2009 war das überhaupt kein Problem. Ich habe nach der Lehman Pleite begonnen Aktien von Unternehmen zu kaufen, von denen ich überzeugt war und habe dann bis zum Boden des Bärenmarktes 2009 immer weiter nachgekauft bis ich zu 100% investiert war und nur noch jeden Monat meine Sparquote neu investieren konnte.

Um so einen Investmentstil zu pflegen, muss man allerdings gierig sein, wenn alle anderen Panik haben. Für die meisten Menschen dürfte das nichts sein und deshalb denke ich, dass die Empfehlungen in dem Buch gut sind. Selbst ich bin wieder ins grübeln gekommen, denn diese Überlegungen habe ich Mitte 2009 zum ersten Mal angestellt, als ich anfing wieder Aktien zu verkaufen. Seitdem bin ich nicht mehr zu 100% investiert gewesen, habe eine Menge Rendite verpasst und so langsam aber sicher nähern wir uns dem Zeitablauf in meinem Beispiel. Ist dieses Mal alles anders und kommt keine große Baisse mehr?

FAZIT

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der das Ziel hat seine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und bereit ist über mehr nachzudenken, als die reine Anlagestrategie. Ich habe diese Reise schon hinter mir, aber wie das Beispiel mit dem Timing zeigen sollte, hat es auch mir noch Denkanstöße gegeben.

 

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