Folli Follie – spekulativer Nachkauf

aktueller Kurs: 7,02 Euro

Die Betrugsvorwürfe gegen Folli Follie sind jetzt etwas über eine Woche alt und seit dem ist noch mal einiges passiert. Der folgende Chart sieht aufgrund der Skala gar nicht so dramatisch aus, aber tatsächlich hatte sich der Kurs zeitweise um rund 40% vom Tiefststand erholt, nur um heute wieder in etwa auf dem gleichen Niveau zu liegen, wie letzte Woche als ich zum ersten Mal darüber geschrieben habe.

Wie der Titel schon verrät, habe ich mich nun doch entschlossen nachzukaufen. Warum werde ich im folgenden kurz darlegen:

1. Filialen vs. Online Geschäft

Als Reaktion auf die Vorwürfe hat das Unternehmen eine Liste mit 587 Verkaufsstellen der Marke Folli Follie zum Stichtag 31.12.2017 veröffentlicht. Man bestätigt also eine gesunkene Anzahl an Verkaufsstellen, denn Ende 2016 wurden noch 634 genannt (-7,5%). Während die Gesamtanzahl zwar niedriger aber nicht dramatisch niedriger ist, soll sich die Zahl in China praktisch halbiert haben. Das meldet zumindest Bloomberg. Ich selber habe mich nicht auch noch an der Liste abgearbeitet, aber ich verstehe warum es zumindest auf den ersten Blick befremdlich erscheint, wenn die Zahl der Verkaufsstellen stark sinkt und gleichzeitig der Umsatz steigt bzw. gestiegen sein soll. Umso mehr als auch die neue Liste wohl alles andere als perfekt geraten ist. Bloomberg hat festgestellt, dass ein Laden im Terminal 3 des Shanghai Airport aufgeführt ist, es gibt aber gar keinen Terminal 3 dort. Verschiedene aufgeführte Verkaufsstellen in UK und Irland verkaufen wohl auch schon keine Folli Follie Produkte mehr.

Das Unternehmen hat allerdings in Reaktion auf diese Diskussion eine zusätzliche Segmentsberichterstattung veröffentlicht. Daraus habe ich folgende Übersicht kopiert:

Demnach wären die Einzelhandelsumsätze in Asien 2017 um 25% zurückgegangen, während die Großhandelsumsätze um 30% gestiegen sind. Außerdem erkennt man, dass die Großhandelsumsätze 96% ausmachen. Sind auch diese Zahlen erfunden, um damit die berechtigten Vorwürfe zu entkräften? Schwer zu sagen, aber zumindest hat man damit eine an sich plausible Erklärung geliefert. Ich habe mich mal auf taobao.com umgeschaut. Die Seite gehört zur Alibaba Gruppe, quasi dem amazon.com Chinas. Wenn man dort „Folli Follie“ in die Suchmaske eingibt, bekommt man ca. 100 Seiten mit Produkten ausgeworfen. Nicht jedes einzelne davon gehört auch wirklich zur Marke Folli Follie aber der ganz überwiegende Anteil meiner Stichprobe schon. Natürlich heißt das noch nichts, aber die tatsächlich getätigten Umsätze stehen mir leider nicht zur Verfügung. Etwas mehr Glaubwürdigkeit hat das Unternehmen aber für mich dadurch schon.

2. Käufe durch Hauptgesellschafter

Der Hauptgesellschaft Dimitrios Koutsolioutsos hat am 14. Mai 110.000 Aktien mit einem Wert von 870.074,73 Euro gekauft. Einen Tag später kaufte er nochmals 88.000 Aktien mit einem Wert von 633.584,14 Euro.

Bereits direkt am 08.05 hat der chinesische Großaktionär Fosun 750.000 Aktien gekauft und seinen Anteil damit um etwas mehr als 1% auf rund 15% erhöht.

Zu guter Letzt hat auch das Unternehmen selbst mit den bereits angekündigten Aktienrückkäufen begonnen. Bisher allerdings mit 5.000 für 42.340 Euro zurückgekauften Aktien in sehr überschaubarem Umfang.

Für mich sind die Nachkäufe der beiden Großaktionäre ein verhalten positives Zeichen. Gerade Fosun sollte durchaus in der Lage sein zu beurteilen, ob das China Geschäft von Folli Follie existiert oder größtenteils erstunken und erlogen ist. Andererseits sollte man das auch nicht überbewerten, denn die Nachkäufe stellen nur einen Bruchteil der bereits gehaltenen Aktien dar und können damit auch eine taktische Maßnahme sein, um den Wert des Bestands zu stabilisieren. Kurzfristig hatte das ja auch Erfolg und der Kurs hatte sich wieder etwas erholt.

3. Rauswurf aus dem MSCI Greece Index

Folli Folie war bisher Mitglied im MSCI Index griechischer Standardwerte, der der ab Juni damit nur noch 8 Werte umfasst (unter anderem meine andere griechische Aktie Opap). Das ist zwar grundsätzlich keine gute Nachricht, aber andererseits ist das immerhin nur ein technischer Grund für den erneuten Kursverfall am Dienstag dieser Woche. Ich weiß nicht wie schnell Indexfonds auf diese Ankündigung reagieren (können), vielleicht kommt aus dieser Richtung deshalb kurzfristig noch weiterer Verkaufsdruck. Ich weiß aber auch nicht, wie groß die Rolle von Index ETF als Aktionäre bei Folli Follie überhaupt ist. Längerfristig ist dies jedenfalls ein Effekt, den man meiner Meinung nach ignorieren kann. Sollte sich die Lage wirklich wieder beruhigen, wird die Marktkapitalisierung wieder steigen und das Unternehmen vielleicht sogar wieder in den Index aufgenommen.

FAZIT

Alles in Allem bleibt Folli Follie ein gefährliches Engagement. Bei Betrugsvorwürfen weiß man nie worauf man sich stützen kann und worauf nicht. Allerdings geht mir diese Geschichte seit letzter Woche nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe immer wieder darüber gegrübelt und letztlich halte ich die Wahrscheinlichkeit für höher, dass hier kein Betrug vorliegt, sondern Quintessential das negative gesehen hat, weil man das negative gesucht hat. Deren Short Position ist ja auch aufgegangen, egal wie es längerfristig ausgeht.

In der Vergangenheit bin ich häufig gut gefahren, wenn ich das Gefühl hatte, eine Aktie unbedingt kaufen zu müssen, um nicht einen sehr guten Einstieg zu verpassen. Drückt mir die Daumen, dass es auch dieses Mal klappt und investiert auf keinen Fall ohne euch selber Gedanken zu machen und nur mit Beträgen, die ihr zur Not verschmerzen könnt! Ich jedenfalls habe gerade meine bisherige Aktien Anzahl verdoppelt. Zum Glück war ich ursprünglich ungewöhnlich klein eingestiegen.

 

3 Gedanken zu „Folli Follie – spekulativer Nachkauf

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  2. Berg

    M.E. ist die Bilanz in jedem Falle etwas zu positiv. Auf Forderungen und Warenbestände sind Abschreibungen notwendig, die Liste der Verkaufsstellen ist in jedem Falle nicht aktualisiert worden. Fosun könnte gekauft haben, weil Folli Follie vielleicht auch Kunde von Fosun ist; hier überwiegt das Eigeninteresse von Fosun deutlich. Dufry könnte bereits verkauft/verpfändet sein; dies ist mE kein wirklicher Aktivposten mehr. Die Kasse sieht m.E. nicht gut aus, da der groß angekündigte Aktienrückkauf kaum stattfindet – warum kauft die Firma nicht? Man könnte auch die Anleihen zurückkaufen und hätte hohe a. o. Gewinne.Macht man aber nicht, weil es an cash fehlt. Wahrscheinlich wird das Unternehmen versuchen mehr cash einzutreiben, damit wird die Attraktivität sinken und ich denke wir werden im Q1 kein Umsatzwachstum sehen und in Q 2 sogar einen Umsatzrückgang; dafür wird die Relation zum cash flow besser. Es bleibt sehr fraglich und risikoreich, ob das Unternehmen tatsächlich die Kurve kriegt; selbst auf dem aktuellen Kurs ist es sehr spekulativ.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Liquidität ist definitiv ein Thema, aber das war ja auch Ausgangspunkt der ganzen Misere: über Jahre negativer cash flow. Ich wäre sehr zufrieden, wenn der Umsatz stagniert oder sogar etwas sinkt und der Cash Flow dafür positiv wird. Das würde nämlich bedeuten, dass es sich nicht um einen Betrugsfall handelt. Die Bewertung auf Basis der veröffentlichten Zahlen ist so niedrig, dass es egal wäre, wenn der Gewinn deutlich niedriger ausfällt, so lange sich nicht das ganze Konstrukt als Kartenhaus bzw. Luftschloss herausstellt.

      Da man nicht oder nur extrem schwer selber forensisch einsteigen kann, ist das Engagement definitiv sehr spekulativ.

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