Buch: Mehr Geld für mehr Leben

von Vicki Robin und Joe Dominguez

Auf der Rückseite von dem Buch, dass ich heute vorstelle, steht „Rente mit 40? So geht‘s“ Ich bin Mitte 40 und in der glücklichen Lage, dass ich meinen Lebensunterhalt aus meinen Kapitaleinkünften bestreiten könnte. Tatsächlich mache ich das auch zum Teil und nur zum anderen Teil aus einem interessanten Teilzeit-Job. Ich fühlte mich deshalb berufen, dem in meinen Augen etwas reißerischen Slogan kritisch auf den Zahn zu fühlen.

Der englische Titel „Your Money or Your Life“ beschreibt für mich etwas besser, dass es in dem Buch gar nicht unbedingt um mehr Geld und schon gar nicht um „wie werde ich schnell reich“ geht. Natürlich braucht man ein Vermögen, wenn man davon leben möchte, aber um das aufzubauen und damit es möglichst klein ausfallen kann, kommt es auch darauf an, wie man das erarbeitete Geld wieder ausgibt oder eben nicht ausgibt.

Ich war von dem Buch ziemlich positiv überrascht, denn in dem Buch werde viele Dinge empfohlen, auf die ich im Laufe der Jahre für mich alleine gekommen bin und die mir auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit geholfen haben.

Das Buch war bereits vor mehr als 25 Jahren ein New York Times Bestseller und wurde nun aktualisiert noch mal aufgelegt und auch ins Deutsche übersetzt.

Autoren: Vicki Robin und Joe Dominguez

Das ursprüngliche Buch wurde von Joe Dominguez, der den Kern aus 9 Schritten maßgeblich entwickelt hat und Vicki Robin zusammen geschrieben. Die beiden wurden in den 1970‘er Jahren sowohl ein Paar als auch Geschäftspartner. Das Thema des Buchs war für die beiden so etwas wie der Lebensinhalt. Sie haben nicht nur das Buch geschrieben, sondern über Jahrzehnte auch Vorträge und Seminare gehalten. Sie sind bzw. waren Missionare ihres Themas, das heute mit der FIRE Bewegung (Financial Independence and Retiring Early) einen neuen Aufschwung erlebt.

Für die Überarbeitung hat Vicki Robin hat Ihren Ruhestand unterbrochen. Sie musste sie leider alleine vornehmen, da Joe Dominguez bereits 1997 verstorben ist.

Your Money or Your Life

Ich werde hier keine Zusammenfassung aller Schritte präsentieren. Stattdessen greife ich ein paar Highlights heraus, die für mich persönlich wichtig sind. Wer sich von diesen Ansätzen angesprochen fühlt, sollte sich dann ruhig mal das ganze Buch durchlesen.

Ein wesentlicher Punkt ist, dass man finanzielle Unabhängigkeit nicht ohne Vermögen erreicht und ein Vermögen erreicht man zuallererst durch sparen. Das klingt vielleicht trivial, ist aber so, wenn man nicht erbt oder im Lotto gewinnt. Nebenbei macht pausenloser und unüberlegter Konsum ohnehin nicht wirklich glücklich oder zufrieden. Bei den ersten Schritten im Buch geht es deshalb darum, wie viel man verdient und wofür man es ausgibt. Wenn man sich beides bewusst macht, hat man die Chance zu einer Sparquote zu kommen oder diese zu erhöhen.

Im Detail wird dazu auch empfohlen für sich zu ermitteln, wie viel man pro Stunde effektiv verdient und zwar nicht brutto, nicht nur nach Steuern, sondern auch nach allen Kosten, die mit der Arbeit verbunden sind, wie z.B. Fahrtkosten und Arbeitskleidung. Zu diesen Kosten kann zum Teil auch die Miete gehören, falls man nur wegen der Arbeit in einer Stadt mit hohen Mieten wohnt. Hat man diesen Wert ermittelt, kann man sich vor jeder (größeren) Konsumentscheidung die Frage stellen, ob z.B. der neue, größere Fernseher (obwohl der alte noch funktioniert) einem mehrere Arbeitstage seines Lebens wert ist. Um das ganze noch zu verstärken, kann man sich dann im Vergleich dazu überlegen, wie viele Stunden Lebenszeit einem wahrscheinlich noch bleiben. Das Buch impliziert dabei leider, dass eigentlich niemand gerne zur Arbeit geht und man es nur des Geldes wegen tut. Bei mir war das meistens anders, aber trotzdem konsumiere ich sehr bewusst nur in die Dinge, die mir wirklich gefallen und die ich wirklich gebrauchen kann.

Ein anderer ganz wesentlicher Punkt, der für mich finanzielle Unabhängigkeit ausmacht, ist, dass man sich überlegt wie viel genug ist. Es gab mal diesen Werbespot von den Sparkassen „Mein Auto, mein Boot, mein Pferd“. Wer sich über Statussymbole definiert und ständig mit anderen vergleicht wird wahrscheinlich niemals seine eigene finanzielle Unabhängigkeit erreichen, denn es gibt immer einen Kollegen, Nachbarn oder Freund der mehr Geld hat als man selbst. Realistisch wird die finanzielle Unabhängigkeit für die meisten, wenn man sich überlegt, was einem wirklich wichtig ist. Dann wird man vielleicht feststellen, dass viele Dinge einem gar nicht mehr so wichtig sind, wenn sie dem Ziel im Weg stehen, nicht mehr arbeiten zu müssen. Dieses „genug“ ist für jeden anders und deshalb ist es wichtig ganz persönlich darüber nachzudenken. Umso weniger genug ist, um so leichter lässt sich die ganz persönliche finanzielle Unabhängigkeit erreichen.

Ganz alleine durch sparen, muss man das Ziel natürlich nicht erreichen, denn um so mehr man schon gespart hat, um so mehr hilft einem der Zinzeszinseffekt. Das Buch gibt einige vernünftige Ratschläge, wie man als Nicht-Experte, an die langfristige Geldanlage ran gehen kann. Für diese Ratschläge würde ich das Buch allerdings nicht kaufen und wer diesen blog liest, hat wahrscheinlich auch schon so viel know-how, dass nicht viel Neues enthalten sein wird.

FAZIT

Ich hatte starke Vorurteile gegen dieses Buch, bin aber jetzt umso mehr begeistert. Aus meiner Sicht ist es für alle hilfreich, die sich noch auf der Reise zu finanziellen Unabhängigkeit befinden und dieses Ziel auch realistisch verfolgen und nicht nur als Traumvorstellung mit Villa und Yacht.

Weniger gut gefallen hat mir an dem Buch, gerade in einer deutschen Ausgabe, dass es sehr stark auf ein amerikanisches Publikum ausgerichtet ist. Zum Beispiel geht es in dem Buch auch lange darum, erst mal seine Schulden zurückzuzahlen und seine Kreditkarte nicht ständig im Minus zu führen. Das ist so ausgeprägt in Deutschland,glaube ich, kein Thema. Außerdem hat es mich stilistisch gestört, dass die Autoren teilweise die persönliche Ansprache des Lesers wählen und dann Ratschläge geben, die zumindest in meinem Fall meistens gar nicht gepasst haben. Vielleicht bin ich da besonders pingelig und vielleicht liegt es auch daran, dass ich diesen Weg schon ohne das Buch gegangen bin. Ansonsten finde ich es wirklich gut und habe es unter den deutschen Büchern in meine Top 5 aufgenommen.

 

 

2 Gedanken zu „Buch: Mehr Geld für mehr Leben

  1. Dirk

    Hallo Mario,

    Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren gelesen (in der ursprünglichen englischen Ausgabe) und fand es auch sehr gut. Es ist zu Recht ein Klassiker unter den FIRE-Büchern

    Für mich ist durch dieses Buch deutlich greworden, wieviel Wahres in dem alten Spruch „Zeit ist Geld“ steckt. Das gesparte Geld ist nicht anderes als gefrorene Zeit – Arbeitszeit der Vergangenheit, die ich aufwenden musste, um dieses Geld zu sparen. Und mit diesem gesparten Geld kann ich mir später Lebenszeit zurückholen, wenn ich dieses für meinen Konsum einsetze und dann für eine gewisse Zeit nicht darauf angewiesen bin arbeiten zu gehen.

    Schön, dass das Buch endlich auch auf Deutsch erhältlich ist, auch wenn die Übertragung besser sein könnte.

    VG
    Dirk

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