Opap – Update 2. Quartal 2012

24.8.2012 von admin

Opap hat gestern nach Börsenschluss die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2012 vorgelegt.

http://www.opap.gr/en/c/document_library/get_file?uuid=f8c510f0-7c24-4083-b65d-08da5243ee35&groupId=11503

Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,2% zurück, wobei der Umsatz im zweiten Quartal stärker zurück ging als im ersten. Das überrascht mich etwas, denn ich war davon ausgegangen, dass das zweite Quartal durch die Fußball Europameisterschaft unterstützt werden würde. Bei einzelnen Spielen war das wohl auch so, aber insgesamt ging der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr dennoch um 7,5% zurück. Der Nettogewinn ging im Halbjahresvergleich weitgehend im Gleichschritt zum Umsatz um 5,7% zurück. Im Quartalsvergleich stieg er hingegen um 18%, was aber auf Einmaleffekte aus Steuerbelastungen 2011 zurückzuführen ist.

Bilanziell steht das Unternehmen nach wie vor gut da. Obwohl für verlängerte und zusätzliche Lizenzen Darlehen aufgenommen wurden, hat das Unternehmen schon wieder keine netto Finanzschulden mehr, denn der Cash Bestand von EUR 306 Mio. übersteigt die Finanzschulden von EUR 285 Mio. Die Eigenkapitalquote beträgt 58%.

Abseits der Zahlen gibt es aus meiner Sicht 3 bemerkenswerte Dinge:

1) Im Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die exklusiven Lizenzen von Opap wird der Generalanwalt wahrscheinlich am 20.09 seine Meinung darlegen. Diese Meinung ist für das Gericht nicht bindend, aber so wie ich es verstehe, folgt das Gericht dieser Meinung wohl in der Regel. Ein Urteil wird für 2013 erwartet.

 

2) Opap ist mal wieder an die Spitze der zu privatisierenden Unternehmen gerückt, da die EU Druck ausübt und endlich Erfolge sehen will. Negativ wäre daran, dass der Staat danach gar kein finanzielles Interesse mehr am Erfolg Opaps hat und so das Risiko weiterer Sondersteuern etc. steigt. Positiv wäre die Möglichkeit, dass ein strategischer Investor ggf. allen anderen Investoren auch ein Übernahmeangebot unterbreitet.

 

3) Der CEO ist zurückgetreten und wurde am 07. August durch einen neuen ersetzt. Mehr konnte ich dazu im Internet nicht finden. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, was die Gründe dafür gewesen sind.

FAZIT

Ich halte Opap bei einem Kurs von 5,24 und einen KGV von 4 nach wie vor für sehr günstig. Erhebliche politische Risiken sind da auch schon drin enthalten, auch wenn ich diese nicht sauber analysieren kann und das Investment damit auch einen spekulativen Touch hat. Im September rund um den Troika Bericht könnte es noch mal zu einem großen Zähneklappern an den Börsen kommen. Um die 4 Euro könnte ich mir vorstellen, noch mal zuzugreifen. Auf dem aktuellen Niveau habe ich erstmal genug Aktien.

Telefonica – USD Anleihe

22.8.2012 von admin

ES0178430E18 (Aktie)

US87938WAB90 (USD Anleihe)

 

 

Ich traue den in letzter Zeit doch deutlich gestiegenen Aktienmärkten derzeit nicht so richtig. Die Krise ist in meinen Augen ganz und gar nicht ausgestanden und so ist es für mich nur eine Frage der Zeit, wann die Kurse auch wieder sinken werden. Ich verkaufe zwar nicht, tue mich aber schwer neu zu investieren. Mit Tagesgeld verliert man real auch Kaufkraft. Als Mittelweg habe ich mich deshalb neben Aktienanleihen (siehe https://value-shares.de/archives/52) ein bisschen bei Unternehmensanleihen umgeschaut. Damit bin ich natürlich nicht alleine und deshalb sind die Renditen in Deutschland in meinen Augen für das jeweilige Risiko schon viel zu niedrig. Auf Telefonica bin ich wieder aufmerksam geworden, als ich las, dass die 2012′er Dividende gestrichen wird, um die Verschuldung zu reduzieren. Ich hoffte auf zwei mögliche Szenarien, die einen genauren Blick rechtfertigen:

  1. Die Aktie könnte wegen der Dividendenkürzung stark gefallen und deshalb nun günstig sein oder
  2. die Renditen der Anleihen könnten interessant hoch sein, obwohl das Unternehmen erkennbar daran arbeitet die Verschuldung zu reduzieren.

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Gagfah legt Zahlen für das erste Halbjahr 2012 vor

16.8.2012 von admin

Aus den Halbjahreszahlen 2012, die Gagfah gestern nach Börsenschluss vorgelegt hat, ergibt sich, dass das Unternehmen weiter schrumpft. Das EBIT ohne Berücksichtigung von Bewertungseffekten sank z.B. im Vergleich zum 1. Halbjahr 2011 um 10%. Das stört mich allerdings nicht weiter, da diese Schrumpfung darauf zurückzuführen ist, dass weiter Wohnungen mit Gewinn und deutlich über der anteiligen Börsenbewertung verkauft werden.

Die durchschnittliche Miete der Einheiten die sich am Anfang und am Ende des Halbjahres im Portfolio befanden, also nicht verkauft wurden, wurde um 0,9% p.a. gesteigert. Im gleichen Zeitraum stiegen die Verwaltungskosten pro Wohneinheit um knapp 4%. Dieser Anstieg wird im Wesentlichen auf die reduzierte Anzahl von Einheiten zurückgeführt. Da die Kosten nicht unmittelbar nach Verkäufen reduzierte werden können, ergeben sich zumindest zeitweise negative Skaleneffekte, die teilweise wahrscheinlich auch dauerhaft bestehen bleiben werden.

Im ersten Halbjahr wurden 1324 Wohnungen mit einer Marge von 14% auf den Buchwert als Eigentumswohnungen verkauft. Aus dem Buchwert ergibt sich ein Net Asset Value (NAV) von 847 Euro pro m2 oder 13,10 pro Aktie. Der absolute Wert ist unverändert geblieben, während der Wert pro Aktie um 4,5% anstieg. Dieser Anstieg ist auf die reduzierte Anzahl von Aktien nach den Aktienrückkäufen zurückzuführen. Bei Kursen um die 8,50 pro Aktie notiert Gagfah damit immer noch rund 35% unter dem NAV.

Die Finanzschulden belaufen sich auf rund 65% der Bilanzsumme, während nach Aussage von Gagfah die meisten Wettbewerber unter 60% Finanzschulden haben. 60% ist interessanterweise auch die Grenze bis zu der Finanzierungen in Pfandbriefen verbrieft werden können und ich habe schön öfter gelesen, dass die Banken diese immer noch gut am Markt platzieren können. Finanzierungen bis zu dieser Grenze sind deshalb wesentlich günstiger und einfacher zu bekommen. Gagfah geht zwar davon aus auch auf Basis von 65% eine Refinanzierung bekommen zu können, geht aber auch davon aus, dass die Finanzschulden zukünftig unter 60% sinken werden. Das Management hat sich nicht konkret dazu geäußert, ob diese Tilgung sukzessive oder auf einen Schlag erfolgen wird. Letzteres könnte möglich werden, wenn der Verkauf des Dresdner Portfolios (Woba) bis Ende des Jahres abgeschlossen wird. Das Management hat berichtet, dass der Verkaufsprozess voll im Gange ist und ein Abschluss bis Ende des Jahres möglich ist.

 

FAZIT

Meiner Meinung nach ist die anstehende Refinanzierung nach wie vor ein Hauptgrund für den großen Abschlag zum NAV. Im Analyst Call wurde die ganz überwiegende Anzahl der Fragen im Hinblick auf die Refinanzierung gestellt, was meine Meinung bestärkt.

Einen weiteren Kursschub könnte die Aktie also bekommen sobald die in 2013 fällig werdenden Darlehen in Höhe von 3,5 Mrd. erfolgreich und zu akzeptablen Konditionen verlängert oder refinanziert wurden. Im Halbjahresbericht gibt es sich das Management zuversichtlich und erwartet im vierten Quartal Details vermelden zu können.

Momentan spricht aus meiner Sicht viel dafür die Aktien weiter zu halten. Spätestens wenn 9 Euro im Kurs erreicht sind, werde ich aber wieder anfangen meine Gewinne zu sichern, weil die Unterbewertung dann einfach nicht mehr so eklatant ist. Momentan habe ich für den gesamten Markt kein gutes Gefühl und deshalb überlege ich noch bereits auf dem aktuellen Niveau einige Stücke durch Stopp Loss abzusichern.

Vale – günstige Bewertung?

5.8.2012 von admin

Da die Bewertung von Vale mit einem KGV von etwas über 6 für so einen riesigen, kaum verschuldeteten Konzern optisch immern noch sehr günstig ist, habe ich mir den Halbjahresbericht angeschaut. Bevor ich diesen blog angefangen habe, hätte ich wahrscheinlich nach einer oberflächlichen Analyse und mit viel Bauchgefühl nachgekauft. Nun versuche ich meine Entscheidungen etwas fundierter zu treffen, auch damit ich sie hier begründen kann. Im Falle von Vale wird das Fazit lauten, dass ich weiter recherchieren muss und erstmal nicht nachkaufe. Hier aber erstmal ein paar Fakten zu meinem Stand heute:

Ergebnis 1. Hj. 2012

Wenn man den Bericht liest berichtet Vale im Wesentlichen, dass sich das Ergebnis im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal verbessert hat. Ich habe mich hingegen auf den Vergleich erstes Halbjahr 2011 vs. erstes Halbjahr 2012 konzentriert. Negativ fiel mir auf, dass die Preise wesentlicher Produktgruppen um zweistellige Prozensätze zurückgegangen sind. Die gesunkenen Preise konnten teilweise durch gestiegene Absatzmengen kompensiert werden. Der absolute Gewinnvergleich zu den Vorperioden sieht so freundlicher aus. Bei einem Unternehmen mit letztlich endlichen Ressourcen freue ich mich allerdings nicht darüber wenn man steigende Mengen mit sinkenden Margen verkauft. Und die Mengen werden wohl weiter steigen.

Investitionen

Exemplarisch für den Ausblick auf der Produktionsseite ist mir die Berichterstattung über das größte Eisenerzprojekt aufgefallen, das Vale jemals durchgeführt hat. Das Projekt Carajás S11D hat im Berichtszeitraum die vorläufige Umweltlizenz bekommen und soll plangemäß in der zweiten Hälfte 2016 in Betrieb gehen. Nach der Planung werden dann 216 USD pro Tonne investiert worden sein, während im zweiten Quartal die Tonne Eisenerz für 103 USD verkauft wurde. Die hohen Investitionen ergeben sich insbesondere durch notwendige Infrastrukturmaßnahmen, die höher sind als die Investitionen für die Mine selbst. Diese Infrastruktur ist dann in Lage wesentlich größere Mengen zu handhaben und Vale vermutet in der Region noch weitere Möglichkeiten für zusätzliche Minen, die dann wesentliche niedrigere Investitionen verursachen sollen. Für mich verdeutlicht dieses Beispiel, dass die Großen der Branche nicht auf Sicherheit spielen, sich also nicht jedes Projekt für sich rechnen muss. Stattdessen gehen sie erheblich ins Risiko in der Annahme, dass sich die Infrastrukturinvestitionen durch spätere weitere Minen rechnen werden. Ich will damit nicht sagen, dass das keinen Sinn macht. Denn die sukzessive Erweiterung der Infrastruktur wäre wahrscheinlich entweder wesentlich teurer oder während des Betriebs gar nicht möglich. Milliardenrisiken sind es aber dennoch.

Bewertung

Die Gewinne sind im ersten Halbjahr also gesunken. Das erklärt dennoch nicht die niedrige Bewertung, denn das KGV unterstellt schon, dass der Gewinn 2012 pro Aktie um 27% niedriger ausfallen wird. Unterstellt der Markt also dass die Gewinne in Zukunft weiter deutlich zurückgehen werden? Bei comdirect habe ich nur eine Vorschau für 2013 und danach soll der Gewinn dann sogar wieder um 6% steigen. Trotzdem hat mir das keine Ruhe gelassen. Ich habe deshalb nach Makrodaten im Minenbereich gesucht (siehe auch zwei neue Links im linken Bereich des blogs) und bin bei der Weltbank fündig geworden.

 

http://econ.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTDECPROSPECTS/0,,contentMDK:21574907~menuPK:7859231~pagePK:64165401~piPK:64165026~theSitePK:476883,00.html

 

Der Preis von Eisenerz schwankte von 1980 bis 2000 im wesentlichen ziemlich unverändert um die 30 USD pro Tonne um dann in den folgenden 12 Jahren auf über 140 USD pro Tonne zu explodieren. Für die Zukunft prognostiziert die Weltbank allerdings, dass die Preise bis 2017 um jährlich ca. 10%, auf dann nur noch 90 USD pro Tonne, sinken werden. Auf der Seite des australischen Energieministeriums (www.bree.gov.au) konnte ich nachlesen, dass im australischen Minensektor absolute Rekordsummen investiert werden und entsprechend dürfte künftig nicht nur Vale die Produktionsmengen steigern.

FAZIT

3 Faktoren spielen für den Erfolg von Vale und damit letztlich auch für den Kurs eine wesentliche Rolle:

  1. Angebot von Eisenerz → Vale plant das größte Projekt aller Zeiten und auch in Australien werden Rekordinvestitionen getätigt = (stark) steigendes Angebot erscheint mir möglich
  2. Nachfrage nach Eisenerz → China ist bereits mit Abstand der größte Markt für Vale und die Frage wie hoch das künftige Wachstum in China in den kommenden Jahren sein wird, ist zumindest umstritten
  3. Preis von Eisenerz → wenn das Angebot steigt und die Nachfrage nicht entsprechend steigt oder sogar sinkt, sinkt auch der Preis. Die Weltbank sagt es entsprechend voraus.

Auf dieser Basis könnte die Bewertung von Vale völlig in Ordnung sein und es gäbe keinen Grund nachzukaufen. Ich werde hier weiter forschen, denn Rohstoffaktien bleiben nichts desto trotz ein Sektor der mich interessiert.

Statoil – Währung und Steuern

2.8.2012 von admin

ISIN NO0010096985

Wie schon berichtet, war ich früher ein Anhänger der Peak Oil Theorie und bin deshalb davon ausgegangen, dass die Ölpreise mittel- bis langfristig schneller steigen werden als die Produktionskosten. 2008 fing ich außerdem an mir Gedanken zu machen, wie ich einen Teil meines Kapitals außerhalb des Euro und des USD anlegen könnte. Aus der Kombination bin ich zu Aktien des norwegischen Ölkonzerns Statoil gekommen.

Gestern habe ich mir das Statoil Reporting zum 2. Quartal angeschaut und dabei sind mir zwei allgemeinere Themen aufgefallen, die ich bisher nicht in dieser Deutlichkeit durchdacht hatte.

Währung

Mir war beim Kauf der Statoil Aktien schon bewusst, dass die als Währungsinvestment nicht ideal sind, da praktisch die gesamten Einnahmen in USD vereinnahmt werden. Ich bin allerdings vereinfachend davon ausgegangen, dass die Wertsteigerungen der norwegischen Krone (NOK) gegenüber dem Euro die negativen Effekte einer starken Krone gegenüber dem USD weitgehend kompensieren werden.

Gestern bin ich anhand einer simplen Beispielrechnung zu dem Ergebnis gekommen, dass diese teilweise Kompensation zwar klappen kann, es aber in einer Welt des schwachen USD trotzdem besser wäre in ein vollständig in USD rechnendes Unternehmen wie Exxon zu investieren. Statoil hat als norwegisches Unternehmen selbst in einer Branche wo vieles in USD abgerechnet wird auch Kosten, z.B. für Personal, in NOK. In meinem Beispiel hätte Exxon also Kosten in weichen USD und Statoil in harten NOK. Da die Kosten die möglichen Dividenden mindern, kann Statoil in diesem Szenario bei ansonsten gleichen Annahmen weniger an Dividende zahlen. Man wäre also besser dran seine höhere USD Dividende zu nehmen und danach in NOK zu tauschen.

Wenn man aus dem Euro diversifizieren möchte, gilt es das Gegenteil von Statoil zu finden, also ein norwegisches Unternehmen, dass ein großer Importeur ist oder ein ausländisches Unternehmen, dessen Hauptgeschäft der Export nach Norwegen ist. Das war mir schon vorher klar und leider habe ich bisher so ein Unternehmen nicht gefunden. Mir war allerdings nicht so klar, dass der vermeintlich nächst bessere Weg über Exportwerte wie Statoil oder auch Marine Harvest schlechter ist als die Unternehmensauswahl und die Währungsdiversifikation zu trennen. Deshalb müssen natürlich norwegische Exportwerte nicht schlecht sein, aber die Währung ist kein guter Grund in sie zu investieren, sofern man eine harte Krone erwartet.

Steuern

Mir war schon klar, dass das Recht Öl oder Gas zu fördern viel Geld kostet, habe mir aber bisher keine großen Gedanken darüber gemacht, wie das abgewickelt wird. Statoil berichtet recht ausführlich über seine Steuerbelastung, die für die norwegische Produktion bis zu 78% betragen kann. Für das gesamte Unternehmen waren es im ersten Quartal 55%. Zum Vergleich habe ich gerade nur BP vefügbar. BP weißt Produktionssteuern bei den normalen Kosten in den GuV aus und so fällt nicht so stark auf, dass die Gesamtsteuerbelastung bei BP auch bei deutlich über 50% liegt. Die Steueren haben also einen erheblichen dämpfenden Einfluss auf die Gewinnauswirkungen der Ölpreisschwankungen.

FAZIT

Für meinen letzten BP Artikel habe ich vereinfachend versucht die Auswirkungen eines deutlich niedrigeren Ölpreises zu ermitteln, um zu einem Kursniveau zu kommen, dass einen Boden darstellen könnte. Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass die Kosten fix sind und eine Preisreduzierung 1:1 den netto Gewinn mindert. Das war natürlich sowieso zu konservativ, aber mir war nicht klar wie groß der Hebel der Steuern in dieser Branche ist. Nach meiner korrigierten Berechnung ist dieser Boden für BP eigentlich schon fast erreicht. Ich werde jetzt trotzdem nicht gleich nachkaufen, denn um so mehr ich lese, um so mehr verstehe ich was ich alles nicht verstehe oder überblicke.

Zum Beispiel bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass der Markt richtig antizipiert, dass die Öl- und Gaspreise in den nächsten Jahren sinken werden. Wenn alle großen Player jährlich um 3, 4 oder mehr Prozent wachsen wollen, die Ölnachfrage aber nur noch um rund 1% jährlich steigt, könnte es, Peak Oil hin oder her, mittlelfristig zu einem Überangebot und damit sinkenden Preisen kommen. Auch wenn die Produktionskosten eigentlich für einen Ölpreis von mindestens 80 USD pro barrel sprechen, wird es wenn die Quellen mal erschlossen sind häufig nur noch um den Deckungsbeitrag gehen. In diese Richtung werde ich bei Gelengenheit weiter recherchieren, um zu verstehen, warum der Markt den Rohstoffwerten nur eine so niedrige Bewertung zuspricht.

Dieser Eintrag wurde am 2.8.2012 um 10:06 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “Statoil – Währung und Steuern”

  1. matthias sagt:
    8.8.2012 bei 11:02

Interessante Analysen zum Oelbussiness!

Ich denke allerdings nicht, das wenn der Oelpreis niedrig bleibt, das Nachfragewachstum nur ein Prozent sein wird – die Nachfrage nach Oel ist meiner Meinung nach zur Zeit vor allem durch den Preis limitiert, und bei niedrigen Preisen wird die Nachfrage anziehen. Der Schweinezyklys wird aus den von Dir angefuehrten Gruenden auch nur noch zwischen 80 und >120$ stattfinden.
Ich denke daher das Oelfoerderunternehmen zur Zeit sehr niedrig bewertet sind. Wohin sich der Preis der Aktien bewegt ist schwer vorrauszusagen, aber Dividendenrenditen von 5-7% bei Firmen wie BP und Total machen die Aktien schon an sich zu einem guten Kauf.
Ich denke in den Preis von Oelaktien ist eine Nachfrageeinbruch durch eine globale Rezessesion, die Eurokrise und eine starke Verlangsamung des Wachstums in China eingepreist. Wenn die Eurokrise irgendwann geloest sein sollte, werden Oelaktien auch ueberdurchschnittlich anziehen (Wenn nicht gehts wohl erstmal abwaerts…).

  1. admin sagt:
    9.8.2012 bei 08:42

Ich fürchte halt, dass der Preis durchaus unter die 80 USD sinken könnte, auch wenn er das auf Basis der Produktionskosten und dem Bedarf der Ölstaaten nicht sollte. Wenn aber alle mit 100+ USD planen und entsprechend investieren, könnte es mittelfristig durchaus wieder zu einem Überangebot kommen. Ich denke auch, dass die extra Menge zu einem niedrigeren Preis abegenommen werden wird, allerdings macht es wenig Sinn, wenn aus reinen Deckungsbeitragserwägungen Öl, dass in der Produktion 80 oder 90 USD kostet zu 70 USD verkauft wird. Muss natürlich nicht so kommen und ich finde es gut, mal eine positive Meinung zu lesen. Das bestärkt mich meine Ölaktien, die ich schon habe, weiter zu halten. Ich bin selber momentan eher skeptisch und finde keine Investments, bei denen ich das Gefühl habe, es wäre ein Fehler sie nicht zu tätigen.

Bolsas Y Mercados – 1. Hj. 2012

28.7.2012 von admin

BME (Börse Madrid) hat Ende der Woche Zahlen für das erste Halbjahr 2012 vorgelegt. Daraufhin hat die Aktie in einem ohnehin positiven Markt einen Freundensprung hingelegt und ist am Freitag mit +7,3% aus dem Markt gegangen. Damit wurden die Kursverluste der letzten zwei Wochen zum größten Teil wieder aufgeholt.

Betrachtet man nur das zweite Quartal konnte der Gewin sowohl im Vergleich zum Vorquartal (+8,5%) als auch zum Vorjahresquartal (+5,7%) gesteigert werden. So gesehen ist der Kursanstieg in Zeiten schlechter Nachrichten aus Spanien verständlich. Betrachtet man hingegen das Halbjahr sieht die Entwicklung weniger freundlich aus. In diesem Vergleich ist der Gewinn um 5% gesunken, da das erste Quartal 2011 das stärkste 2011 war und 2012 noch nicht wieder erreicht werden konnte. Der Gewinn im ersten Quartal 2012 fiel um 14,4% niedriger aus als 2011.

Aus diesen wenigen, schwankenden Quartalsergebnissen einen Trend abzuleiten fällt mir schwer. Das quartalsweise Handelsvolumen und damit das Ergebnis unterliegt zum einen saisonalen Einflüssen (in den Sommermonaten wird in der Regel weniger gehandelt) und zum anderen wird die Aufregung um die Eurokrise zu Spitzen im Handelsvolumen führen. Ich wende ich mich daher wieder der Adlerperspektive der jährlichen Zahlen zu. 2007 war mit 201 Mio. Gewinn das Rekordjahr für BME. 2008 ging der Gewinn moderat um 5% und 2009 deutlich um über 20% zurück. Seitdem liegt der Gewinn zwischen 150 und 160 Mio. Euro jährlich. Rechnet man das Halbjahresergebnis 2012 1:1 auf das volle Jahr hoch würde diese Spanne mit 148 Mio. leicht unterschritten, aber ingesamt scheint BME ein neues relativ stabiles Niveau erreicht zu haben.

Nach dem Sprung am Freitag steht die Aktie bei 15,60 Euro und die Bewertung liegt damit bei 9,6-fachen des erwarteten 2012′er Gewinns. Vor diesem Sprung schien mir die Bewertung sehr günstig geworden zu sein, deshalb habe ich die Zahlen mit Spannung erwartet, um dananch ggf. weitere Aktien nachzukaufen. Durch das abwarten, wollte ich vermeiden, dass der Markt im Vorfeld bereits schlechte Nachrichten antizipiert, die dann nur noch bestätigt werden und tatsächlich ein niedrigeres Niveau rechtfertigen. Stattdessen waren die Zahlen gar nicht so schlecht, aber als Privatanleger im Urlaub war ich natürlich wieder viel zu langsam und so ist nun ein guter Teil der günstigen Bewertung innerhalb eines Tages wieder aufgeholt worden.

FAZIT

Auf dem aktuellen Niveau bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass die Aktie günstig, aber nicht unglaublich günstig ist. Die Dividendenrendite von über 10% von einem Unternehmen ohne langfristige Finanzschulden ist zwar an sich sehr attraktiv, aber das relativiert sich durch die Doppelbesteuerung der Dividenden in Spanien und Deutschland.

Ich muss immer noch versuchen mir die spanische Quellensteuer zurückzuholen. Falls das klappt, wird die Aktie für mich attraktiver. Alternativ würde ich nachkaufen, falls der Kurs noch mal im Rahmen allgemein schlechter Stimmung / Panik sinkt, ohne dass es wichtiges unternehmenspezifisches gibt.

Microsoft legt Zahlen für das Finanzjahr 2012 vor

20.7.2012 von admin

Das Geschäftsjahr von Microsoft weicht vom Kalenderjahr ab und so hat Microsoft gestern die Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/2012 vorgelegt, das am 30.06.2012 endete.

Formal gesehen erlitt Microsoft einen Gewinneinbruch. Der reduzierte Gewinn ist jedoch auf eine goodwill Abschreibung von 6,2 Mrd. USD zurückzuführen. Wie kaum anders zu erwarten stammt die Abschreibung aus der Online Service Division wo man mit der Suchmaschine Bing zwar auf dem US Markt kleine Fortschritte erzielt, aber dennoch einsehen musste, dass die Akquisition der Firma aQuantive im Jahr 2007 für 6,3 Mrd. USD nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt hat. Da ich bei Bewertungen goodwill fast immer rausrechne, stört mich diese Abschreibung nicht allzu sehr. Ohne Sondereffekte ist der Gewinn pro Aktie um 5% gestiegen. Abgesehen vom Krisenjahr 2009 als Umatz und Gewinn sogar gesunken sind, ist 2012 das erste Geschäftsjahr seit 2004 in dem der operative Gewinn (operating income) nicht um einen zweistelligen Prozentsatz gewachsen ist.

 

Der volle Geschäftsbericht liegt noch nicht vor, deshalb finde ich es gerade etwas schwierig halbwegs nachzuvollziehen, wo die Wachstumsschwäche herkommt. Darüber werde ich mir deshalb noch mal Gedanken machen, nachdem ich den Geschäftsbericht gelesen habe.

 

Die Bewertung von Microsoft mit einem KGV von 11 unterstellt ohnehin kein großes Wachstum, aber die vermeintliche margin of safety verschwindet natürlich zunehmend, wenn man von künftig von niedrigeren Wachstumsraten ausgehen müsste. In meinem Portfolio gefällt mir die Microsoft Aktie unabhängig davon, weil es ein Unternehmen ist, das auch eine schwere nächste Krise überstehen sollte. Bis zu neuen Erkenntnissen werde meinen Bestand deshalb unverändert lassen und bei einer Korrektur nach unten vielleicht sogar aufstocken.

Dieser Eintrag wurde am 20.7.2012 um 11:32 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “Microsoft legt Zahlen für das Finanzjahr 2012 vor”

  1. Tim Schaefer sagt:
    21.7.2012 bei 05:43

Die Microsoft-Aktie ist auf lange Sicht (seit IPO) eine der besten Aktien, die es auf dem Kurszettel gibt.

Wer seit dem Börsengang im Jahr 1986 die Aktie gehalten hat, konnte 35.000% Rendite erzielen. Wer 10.000 Euro investierte, kann sich heute auf 3,5 Millionen Euro freuen. Nicht schlecht, oder?

  1. Aktienwissen-Alex sagt:
    25.7.2012 bei 00:11

Langfristig ist die Aktie auf jeden Fall interessant, das finde ich auch. Vor allem eben, weil sie eine Verschärfung der Krise wohl besser überstehen würde, als viele andere Aktien. PS: Schöne und informative Seite, bin grade das erste mal hier!

Bestellsituation bei Airbus und Boeing und was bedeutet sie für Flugzeugleasing Aktien?

17.7.2012 von admin

Wie am Ende des Beitrags über Aircastle angekündigt, habe ich mir nun mal die Bestellsituation bei Airbus und Boeing angeschaut. Hintergrund ist, dass ich gehört habe, dass sich derzeit auch neuere Flugzeuge aus der Airbus A320 Familie schwer bei Fluggesellschaften platzieren lassen, weil es einfach zu viele auf dem Markt gibt. Das ist natürlich weder gut für die Leasingraten noch für den Wert der Flugzeuge und damit auch nicht für den Wert der Aktien der Leasinggesellschaften auf die ich eigentlich abziele.

Wie zu erwarten war, sind die Flugzeugbestellungen in den Jahren 2008 und noch mehr 2009 eingebrochen. Mit der Erholung der Weltwirtschaft sind bei den Herstellern seit 2010 auch wieder mehr Bestellungen eingegangen.

Airbus konnte 2011 mit 1.419 Bestellungen fast wieder das Niveau des Rekordjahres 2007 erreichen, als 1.458 Flugzeuge bestellt wurden. Im laufenden Jahr ist man noch weit davon entfernt diesen Trend fortsetzen zu können. Im ersten Halbjahr wurden lediglich 230 Flugzeuge bestellt.

Bei Boeing verlief die Erholung nicht ganz so stark. 2011 wurden 805 Flugzeuge bestellt, während es 2007 1.413 waren. Allerdings konnte Boeing im ersten Halbjahr 2012 bereits 476 Bestellungen verbuchen, würde 2011 also übertreffen, wenn auch im zweiten Halbjahr entsprechend viele Bestellungen eingehen.

 

Zeiten steigender Bestellungen sind in der Regel Zeiten in denen es den Fluggesellschaften gut geht, die Nachfrage nach Flugzeugen steigt und deshalb auch Leasingraten und Flugzeugwerte steigen oder zumindest stabil sind. Auch wenn die Produktion eines einzelnen Jahres keinen großen Einfluss auf die Gesamtzahl aller Flugzeuge hat, ist es deshalb für das Timing in Flugzeuge zu investieren wichtig, auf den Stand im Zyklus zu achten. Regelmäßig gehen zu viele Fluggesellschaften aber auch Leasinggesellschaften bei Ihren Bestellungen in den optimistischen Zeiten davon aus, dass sie mindestens so stark wachsen können wie der Markt. In der Summe aller Teilnehmer können aber nicht alle überdurchschnittlich sein. Hinzu kommen noch externe Einflussfaktoren wie z.B. wirtschaftliche Abschwünge oder der eine oder andere Vulkanausbruch. Da zwischen Bestellung und Auslieferung einige Zeit vergeht, kommt es so regelmäßig vor, dass eine große Zahl von Flugzeugen dann ausgeliefert werden soll, wenn die Nachfrage (zumindest temporär) nicht mehr da ist. Die Marktwerte für neue und in der Folge auch für gebrauchte Flugzeuge leiden darunter dann deutlich. Da die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten langfristig schneller gewachsen ist als die Weltwirtschaft und ich keinen Grund sehe, warum das in der Zukunft anders sein soll, ist dann die Zeit in Flugzeuge zu investieren.

FAZIT

Mir scheint es, dass sich der Flugzeugmarkt abkühlt. Auch wenn er in diesem Zyklus nicht so heiß gelaufen ist, wie in vorherigen ist es für Schnäppchen dennoch noch zu früh. Ich werden das Segment im Auge behalten und berichten wenn ich anfange Aktien von Flugzeugleasinggesellschaften zu kaufen.

Jumbo – Spielwaren nicht Flugzeuge

15.7.2012 von admin

ISIN: GRS282183003

Den griechischen Spielzeughändler Jumbo wollte ich mich schon seit März diesen Jahres anschauen. Nun finde ich endlich Zeit dazu und kann mir den allgemeinen Teil sogar sparen, da es schon einen guten Artikel in einem meiner Lieblingsblogs gibt:

http://simple-value-investing.de/blog/jumbo-made-of-joy-fun-and-carelessness

Ich werde deswegen hier nur noch ergänzen was mir an weiteren Dingen aufgefallen ist.

Bilanz

Bezüglich der Kapitalstruktur bin ich der Meinung, dass Operating Leasingverträge als Finanzschulden berücksichtigt werden sollten. Bei vielen Firmen macht das keinen großen Unterschied, bei Händlern hingegen oft einen sehr großen, da Ladengeschäfte gemietet werden und zwar häufig für recht lange Zeiträume. Dies ist teilweise auch bei Jumbo der Fall. Im Geschäftsbericht 2011 (im Quartalsbericht habe ich diese Angabe nicht gefunden) werden Mietverpflichtungen von 136 Mio. Euro ausgewiesen. Rechnet man diese mit in die Bilanz reduziert sich die Eigenkapitalquote auf 56% und es gibt nun auch eine netto Finanzverschuldung, allerdings ist diese mit ca. 1x EBITDA dennoch sehr gering. Der Effekt ist kleiner als bei anderen Einzelhändlern da sich die Ladenlokale laut einer Präsentation aus dem Oktober 2011 zu 60% im Eigentum von Jumbo befinden. Einerseits gibt das Eigentum natürlich eine zusätzliche Stabilität, aber andererseits ist es auch schwieriger ein Geschäft aufzugeben, wenn es nicht mehr profitabel ist oder sich Trends verändern z.B. hin zu größeren oder zu kleineren, spezialisierteren Geschäften.

Rentabilität

Ich habe mir angeschaut, wie hoch die Umsatzrendite von Jumbo ist, denn durch die bekomme ein Gefühl wie viel Luft nach unten besteht, sollte Griechenland aus dem Euro austreten und Jumbo die eigentlich notwendigen Preiserhöhungen nicht vollständig weitergeben können. In den 9-Monatsberichtszeiträumen, die am 31.03. 2011 und 2012 endeten lag sie bei 17% bzw. 18%. Bei Einzelhändlern erwarte ich eher Umsatzrenditen im niedrigen einstelligen Bereich und im Vergleich dazu ist Jumbo unglaublich gut. Der amerikanische Konzern Toys R Us, der mir wegen seinem ähnlichen Konzept als erster Vergleichswert einfält, auch wenn er beim Umsatz fast 20-mal so groß ist, erzielte im Geschäftsjahr 2011 nur eine Umsatzrendite von etwas über 1% und damit einen Gewinn der kaum über dem von Jumbo liegt.

Warum schafft Jumbo so eine hohe Umsatzrendite? Jumbo importiert in großem Umfang direkt von chinesischen Produzenten. Wenn es sich um Auftragsproduktion handelt, was aus dem Geschäftsbericht nicht so richtig hervorgeht, kassiert Jumbo auch noch einen Teil der Marge die sonst der Hersteller und ggf. noch ein Großhändler verdienen würden. Wie stark Toys R Us und andere das machen, habe ich nicht rausgefunden. Zum Teil aber sicherlich auch und deshalb kann dies die hohe Umsatzrendite sicher auch nur zum Teil erklären. Mit der faktischen Herstellereigenschaft gehen natürlich auch zusätzliche Risiken einher und der niedrige Durchschnittspreis aller Jumbo Produkte von 4,99 Euro spricht irgendwie nicht für höchste Qualität. Auf der folgenden Seite der EU zu Produkten, die europäische Vorschriften verletzten, finden sich auch einige von Jumbo. Scheinbar geht das Unternehmen also bei der Qualität große Kompromisse ein und kommt so trotz der niedrigen Preise auf hohe Margen.

http://ec.europa.eu/consumers/dyna/rapex/create_rapex_search.cfm

Vielleicht hat auch der starke Euro im Vergleich zu der alten schwachen Drachme die Einkäufe stark vergünstigt, was aber nicht an die Konsumenten weitergegeben wurde. Das würde aber wiederum das Risiko bedeuten, dass die Umsatzrenditen bei einem Euro Austritt Griechenlands auf ein normaleres Niveau sinken würde. Ich merke wie ich eigentlich hauptsächlich spekuliere, aber es irritiert mich sehr, dass ich nicht verstehe wo diese hohe Rentabilität herkommt.

Kapitalrückzahlung

Am 25.07 wird das Unternehmen eine außerordentliche Hauptversammlung durchführen, um beschließen zu lassen, dass der Nominalwert der Aktien um 0,21 Euro pro Aktie reduziert wird und im Gegenzug dieser Betrag an die Aktionäre gezahlt wird. Auf dem aktuellen Kursniveau entspricht das in etwa 7%. Warum das Unternehmen keine Sonderdividende vornimmt erschließt sich mir nicht, aber letztlich müsste der Effekt der gleiche sein.  Da die Aktien nur bei Rund 70% vom Buchwert notieren, verstehe ich noch weniger, warum nicht Aktien zurückgekauft werden. So würde sich auch der Buchwert reduzieren, aber für jeden Euro müssten nur 70 Cent eingesetzt werden. Laut der Unternehmenspräsentation aus dem Oktober 2011 werden 32% der Aktien vom Management gehalten. Vielleicht möchte das Management das Geld auf eigenen Namen einsetzen, um seinen Anteil zu erhöhen. Es steht natürlich allen Aktionären frei, Aktien nachzukaufen, aber es werden wohl kaum alle tun.

FAZIT

Die Rentabilität von Jumbo selbst in der aktuellen Krise ist unglaublich gut. Die Expansion in andere südosteuropäische Länder wie Bulgarien und Rumänien macht in meinen Augen absolut Sinn. Trotz dieser positiven Faktoren ist das Unternehmen für ein KGV von 4,4 zu haben. Da muss man eigentlich nicht lange überlegen.

Zwei Dinge lassen mich trotzdem zögern:
1)Das Geschäftsmodell mit extrem hohen Importen aus dem Ausland und fast allen Einnahmen im Inland ist genau das, was man bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro eigentlich nicht will.
2)Ich verstehe nicht wie Jumbo diese extrem hohe Rentabilität erzielt und deshalb kann ich nicht einschätzen, ob diese Rentabilität nachhaltig sein kann. In meinem Kopf spukt die ganze Zeit der Satz herum„wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr“.

Der erste Punkt ist schon schwer einzuschätzen, aber so bilanziell stabil wie das Unternehmen aufgestellt ist und so niedrig wie die Bewertung schon ist, tendiere ich dazu, davon auszugehen, dass das bereits weitgehend eingepreist ist.
Mit dem zweiten Punkt tue ich mich noch schwerer. Vielleicht kaufe ich mal testweise ein paar Aktien. Vielleicht bleibe ich auch eisern bei dem Motto, mache nichts, was du nicht verstehst.

Dieser Eintrag wurde am 15.7.2012 um 14:01 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “Jumbo – Spielwaren nicht Flugzeuge”

  1. Stefan sagt:
    15.7.2012 bei 17:10

Interessanter Artikel, vielen Dank dafür!

Das mit der Kapitalrückzahlung hat glaube ich steuerliche Gründe. Auf Dividenden wird Quellensteuer erhoben, auf Kapitalrückzahlungen glaube ich nicht.

Das mit den hohen Margen ist auch ein Punkt, der mich etwas irritiert hat. Auf der anderen Seite fährt Jumbo schon recht lange solche hohen Margen ein. Offensichtlich ist es also nicht so einfach, das so einfach zu imitieren.

Was diese hohen Margen zum Teil sicher auch erklärt, sind die vielen Läden die sich im Eigentum von Jumbo befinden. Würden diese stattdessen gemietet werden, würden die Margen durch die zusätzlichen Mietzahlungen natürlich deutlich geringer aussehen. Gleichzeitig müsste aber viel weniger Kapital investiert werden. Bei einem Vergleich mit Konkurrenten müsste man also eigentlich immer das EBIT + Mietzahlungen bezogen auf den Umsatz betrachten, um vergleichbare Zahlen zu haben.

Letztendlich habe ich mich für ein Investment in Jumbo entschieden, weil die Margin of Safety einfach verdammt groß ist. Es gibt zwar eine Menge Unwägbarkeiten, aber es muss schon viel passieren, dass sich Jumbo beim aktuellen Kursniveau als zu teuer herausstellt.

  1. admin sagt:
    16.7.2012 bei 10:03

Das mit den Steuern kann sein. Werden Aktienfonds eigentlich auch mit Quellensteuer belastet? Wenn nicht, könnte es dem Unternehmen eigentlich egal sein. Denn das Management hält viele Anteile und ist griechisch und die anderen großen Aktionäre sind Aktienfonds.

Das die hohe Marge auf den Umsatz aus den nicht anfallenden Mieten stammen könnte, habe ich auch überlegt, aber dann dürfte, wie du schon schreibst, die EK Rendite nicht so hoch sein.

Ich bin auch mit einer weiteren Nacht drüber schlafen nicht sicher was ich machen soll. Die optische margin of safety ist hoch, da bin ich dabei, aber solange ich nicht verstehe wo die hohen Gewinne herkommen, kann ich auch nicht einschätzen, wie schnell es damit vorbei sein kann. Kolabiert die Umsatzrendite auf ein für Händler normales Niveau ist die Aktie schlagartig sehr hoch bewertet. Momentan tendiere ich dazu, die Finger davon zu lassen.

  1. Stefan sagt:
    16.7.2012 bei 16:24

Fallen die Quellensteuern nicht generell an, also auch für Inländer?

Wenn die Rentabilität bei Jumbo auf ein normales Maß zurückfällt, dürften sie ja immer noch etwa einen Buchwert von 1 wert sein. Derzeit werden sie darunter gehandelt, also wäre das wohl verschmerzbar, wenn auch unschön.

Aber letztendlich, mit einem unguten Gefühl kaufen ist nie gut. Das verleitet einen nur dazu, im falschen Moment zu verkaufen…

BP

14.7.2012 von admin

ISIN GB0007980591 (Aktie)

und

DE000AA4UUY5 (Aktienanleihe auf BP)

Der Öl-Konzern BP berichtete zum Ende des ersten Quartals 2012 in vier Segmenten:

  1. Upstream
    Hier geht es um die Öl- und Gas Exploration, Förderung und den Transport
  2. TNK-BP
    TNK-BP ist ein großes Joint Venture in Russland zur Ölförderung. Nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem russischen Partner hat BP im Juni 2012 bekanntgegeben seinen Anteil an dem JV verkaufen zu wollen. Nach den bisherigen Schwierigkeiten droht auch bei dem Verkauf noch ein langes Tauziehen, an dessen Ende nach Expertenschätzung ein Preis von 25 bis 30 Mrd. USD liegen könnte. Damit läge der Kaufpreis in der Größenordnung von 10% der Bilanzsumme von BP zum Ende des ersten Quartals 2012.
  3. Downstream
    hierin sind das Raffinerie und das Tankstellengeschäft zusammengefasst. In Deutschland läuft das Tankstellengeschäft unter der Marke Aral. Die Motorölmarke Castrol gehört ebenfalls in diesen Bereich.
  4. Sonstige & Konzern
    In diesem Segemt werden unter anderem die erneuerbare Energien Aktivitäten erfasst. BP betreibt in den USA Windparks mit über 1.000 MW installierter Leistung und ist außerdem bei Biokraftstoffen aktiv. BP war vor Jahren auch einer der größten Solarzellenhersteller der Welt. Die Solaraktivitäten sollen aber aufgrund des derzeit heftigen Preiskampfes aufgegeben werden.

Das Upstream Geschäft ist es letztlich, dass mich an BP und anderen Ölkonzernen interessiert und das ist es auch, das den Löwenanteil zum Gewinn beiträgt. Im ersten Quartal verteilte sich der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Konsolidierung wie folgt auf die Segmente:

  1. Upstream 6,3 Mrd. USD (79%)
  2. Downstream 0,9 Mrd. USD (12%)
  3. TNK-BP 1,2 Mrd. USD (15%)
  4. Sonstige & Konzern -0,4 Mrd USD (-5%)

Bilanz

Die offizielle Eigenkapitalquote beträgt 39% der Bilanzsumme. Ich habe standardmäßig noch den Goodwill von rund 12 Mrd. USD rausgerechnet und unterstellt, dass die Pensionsverpflichtungen doppelt so hoch sind wie ausgewiesen (zusätzliche 10,5 Mrd USD). Beides sind reine willkürliche Vorsichtsmaßnahmen von mir ohne tiefgründige Ermittlung. Auf dieser vorsichtigeren Basis ergibt sich noch ein Eigenkapital von 96 Mrd. USD und eine rechnersiche Eigenkapitalquote von 32%. Die Finanzschulden sind dabei nicht der Grund für die in meinen Augen etwas entäuschend niedrige Eigenkapitalquote. Sie betragen nur 38,5 Mrd. USD. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind mit rund 54 Mrd. USD wesentlich größer. Denen stehen allerdings auch Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 41,4 Mrd. USD gegenüber. Rückstellungen, latente Steuern und Pensionsverpflichtungen sind zusammen auch höher als die Finanzschulden.

Der Deepwarter Horizon Unfall hat das Ergebnis von BP seit dem Vorfall mit rund 37 Mrd. USD belastet. Ich gehe davon aus, dass ich hier keine zusätzlichen Abschläge vornehmen muss. Zum einen denke ich, dass BP keinen Anreiz hatte die Zahlen zu niedrig zu schätzen (lieber direkt so schlecht wie möglich, um danach wieder gute Zahlen zu präsentieren) und zum anderen glaube ich, dass sich viele Zahlungen noch viele Jahre hinziehen werden, da BP sich im Zweifel gerichtlich gegen Zahlungen zur Wehr setzen wird, wie Exxon damals bei dem Supertanker Unfall der Exxon Valdez in Alaska.

Bewertung

Früher bin ich davon ausgegangen, dass die Ölpreise über längere Sicht stärker steigen werden als die Produktionskosten, da die Nachfrage schneller steigt als das Angebot bzw. weil das Angebot früher oder später garn nicht mehr steigen wird. Selbst wenn ein Ölkonzern dann auch die Produktion langfristig nicht mehr vollständig durch neue Reserven decken kann, wird man nicht viel falsch machen, wenn man die Aktien mit einem einstelligen KGV kauft (aktuell 6,5). Nachdem ich nun aber für den vorherigen Öl- und Gas Artikel recherchiert habe, ist mir klar geworden, dass es zwar so kommen kann, aber in den nächsten ein oder zwei Dekaden durchaus noch nicht sicher ist. Für mich ist jetzt genauso vorstellbar, dass es zu einem klassischen Schweinezyklus kommt, also so massiv in Alternative Quellen wie Tiefsee, Schieferöl und Ölsand investiert wird, so dass das Angebot schneller wächst als die ohnehin nur noch langsam steigende Nachfrage. Sollte es wieder Global zu Rezessionen kommen oder in China das Wachstum stark zurückgehen, käme der Preis auch noch von der Nachfrageseite unter Druck.

Ich weiß nicht, ob es genug öffentliche Informationen gibt, um selber eine detaillierte Bewertung von BP zu versuchen. Da sämtliche Tabelen im Jahresabschluss für viele Jahre rückwirkend als Excel Tabelle bereit gestellt werden, wäre die Ausgangsbasis zumindest nicht schlechter als bei vielen anderen Unternehmen. Da das Ergebnis letztlich aber extrem stark von den Öl- und Gaspreise getrieben ist, bringt das aus meiner Sicht aber trotzdem nicht viel, jedenfalls nicht genug für die Stunden an Aufwand die ich da reinstecken müsste. Ich habe deshalb eine einfache alternative Berechnung angestellt. Ich denke, dass die Produktionskosten neuer Quellen und der Staatshaushalt großer Produzenten wie Saudi Arabien dafür sprechen, dass der Ölpreis im längerfristigen Durchschnitt 90 USD pro barrel nicht unterschreiten wird. Dem ersten Quartal 2012 von BP liegt ein Preis von 108 USD zu Grunde. Ich habe es mir nun einfach gemacht und den Gewin einfach so gekürzt, als ob der Preis 18 USD niedriger gewesen wäre, bei ansonsten unveränderten Kosten und Gewinnen in den sonstigen Geschäftsfeldern. Auf der Basis komme ich zu einem Gewinn von rund 8 Mrd. USD pro Jahr. Zum Vergleich alleine im ersten Quartal 2012 hat BP einen Gewinn von 4,8 Mrd. USD ausgewiesen. Der Hebel durch den Ölpreis ist also enorm. Wenn man hier vorsichtig sein will, sinkt der Kurs, den man für die Aktie bezahlen sollte entsprechend deutlich. Andererseits hätte ich nichts dagegen auf dieser aus meiner Sicht vorsichtigen Basis ein KGV von 10 zu akzeptieren, das steigert den Preis dann wieder. Letztlich komme ich mit meinen behelfsmäßigen Rechnungen auf einen Kurs von um die 4 Euro pro Aktie. Aktuell notiert sie bei 5,6 Euro.

FAZIT

Mit der Aktienanleihe, die oben angegeben ist und die der Anlass war Öl- und Gas mal wieder genauer anzuschauen, würde man einen Kurs von ca. 4,80 Euro pro Aktie akzeptieren. Damit liegt die Aktienanleihe ziemlich genau zwischen meinem Wunschkurs und dem tatsächlichen Kurs. Sollten 4,8 nicht unterschritten werden, erzielt man eine Rendite von rund 4,8%. Als ich beschlossen habe mir das ganze näher anzuschauen, waren es noch über 6%. Bei einem Kurs von 4 Euro und 5% Rendite wäre ich dabei gewesen, aber so werde ich weiter suchen müssen. Bei den Ölaktien selbst, habe ich verstanden, dass ich dran bleiben muss, um im richtigen Moment wenn die Kurse unten sind (letztes Jahr hätte man BP für knapp über 4 Euro kaufen können…), eine eigene Meinung zu haben. Dabei gilt es nicht nur die einzelnen Unternehmen sondern auch den Gesamtmarkt im Auge zu behalten. Falls jemand einen guten Newsletter oder blog zu Trends am Öl- und Gasmarkt kennt, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Dieser Eintrag wurde am 14.7.2012 um 12:49 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “BP”

  1. Ulrich sagt:
    15.7.2012 bei 18:31

Die Schweinezyklus-Vermutung ist eine wohl leider mögliche Theorie. Der Markt scheint für die Ölkonzerne einiges an Risiken zu sehen.

Die Aktien-Anleihe würde ich auch zu 5% nicht machen. In der Ölindustrie können jeden Moment schlechte News ohne Ende kommen (Umweltkatastrophe, sehr schlechte Wirtschaftsdaten…).

Dein Blog hat eine tolle Substanz!

LG Ulrich

  1. admin sagt:
    16.7.2012 bei 09:56

Der Vorteil einer Aktienanleihe mit großem Abstand zum aktuellen Kurs bietet meiner Meinung nach dem Vorteil, dass etwas mehr Zeit bleibt bei sehr schlechten Nachrichten zu verkaufen. Durch den Puffer reagiert die Anleihe am Anfang weniger stark als die Aktie. Man muss dann nur konsequent sein, das habe ich bei meiner e.on Anleihe gelernt. Da hätte ich sofort nach Fukushima mit minimalem Verlust verkaufen können, stattdessen habe ich versucht es auszusitzen und habe am Ende die Aktien bekommen, die ich auf dem Niveau in der dann veränderten Welt gar nicht mehr wollte.
Ich sehe die Akienanleihen als Alternative zu Tages- oder Festgeld, mit denen man nicht mal die Inflation abdeckt. Wenn die Lage der Märkte oder des Unternehmens wesentlich von der beim Kauf abweicht, muss man sofort wieder raus, aber so lange sie halbwegs stabil bleibt, wäre das eine Alternative zu reinen festverzinslichen die nicht genug bringen. Leider gibt es kaum welche mit so viel Abstand auf den aktuellen Kurs, wie ich mir das wünschen würde.