Archiv der Kategorie: Analysen

Rückzahlung inflationsindexierte Bundesanleihe

Gefühlt ist es schon lange her, dass wir es mit negativen Zinsen zu tun hatten. Vor 10 Jahren habe ich aus diesem Grund eine inflationsindexierte Bundesanleihe gekauft, um nicht selbst nominal negative Zinsen zu zahlen.

Ich bin damals verschiedene Szenarion durchgegangen und war jetzt gespannt, wie sich das Endresultat zeigen würde. Wie jeder weiß, ist es das Szenario steigende Inflation geworden. Das habe ich damals geschrieben:

„Steigende Inflation

Sobald die Inflation im Durchschnitt über die Laufzeit 1% übersteigt, ist der reale Verlust auf 1% pro Jahr gedeckelt. Darüber hinausgehende Kaufkraftverluste werden anders als bei der klassischen Bundesanleihe ausgeglichen.“

Nach meiner Recherche hat die durchschnittliche Inflation in Deutschland seit 2016 im Durchschnitt etwa 2,7% betragen, insbesondere wegen der hohen Raten in den Jahren 2022 und 2023. Mein tatsächlicher IRR der Anleihe vor Steuern lag bei 1,6% p.a. Meine These bezüglich Inflationsschutz über der Rate von 1% ist also relativ genau eingetreten.

FAZIT

Die reale Rendite einer klassischen Bundesanleihe hätte über die letzten 10 Jahre etwa -2,85% betragen. Mit der inflationsindexierten Anleihe lag ich mit -1,1% deutlich besser.

Da es erst seit Ende 2022 wieder nominal positive Zinsen gibt, wäre eine kurzfristig orientierte sichere Geldanlage nach meiner überschlägigen Berechnung noch schlechter gewesen. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis nicht so richtig zufrieden. Psychologisch wäre es mir wahrscheinlich aus Tagesgeld oder kurzfristigen Anleihen heraus wahrscheinlich leichter gefallen irgendwann eine riskantere aber auch lukrativere Position zu wechseln. So lief das Investment durch, auch weil ich sehen wollte, wie gut die Realität im Vergleich zu meinen Szenarien aussah.

Ich habe so eine Anleihe auch noch mit einer Laufzeit bis 2030. Aus den oben genannten Gründen, wäre die der erste Kandidat für einen Verkauf, sobald ich anständige Ideen für andere Investments habe…

DAX Index Anleihe

ISIN: DE000VM5FK77

erwartete Rendite: 4,5%

Über Ostern hat mich die Wirtschaftswoche auf die Idee gebracht, mir mal Index Anleihen auf den DAX anzuschauen. Ich mag diese Art Derivate immer dann, wenn ich das zugrundeliegende Geschäft wahrscheinlich sowieso tätigen würde, also quasi nur auf so niedrige Kurse warte. In diesem Fall handelt es sich um eine Anleihe von Vontobel, die zu 100% zurückgezahlt wird, wenn der DAX am 30.11.2028 bei mindestens 15.910 steht. Im Vergleich zu Heute ist das ein Sicherheitsabstand von rund 30% oder basierend auf dem aktuell erwarteten Gewinn aller DAX Mitglieder wäre das ein KGV von etwas über 12.

Sollte es zu so einem niedrigen DAX kommen, werden wahrscheinlich auch die Gewinne sinken, ich setze allerdings darauf, dass mittelfristig das aktuelle Niveau mindestens wieder erreicht werden würde und das damit ein günstiger Einstieg wäre. Ehrlich gesagt, würde ich sogar schon früher über einen Nachkauf nachdenken, aber 4,5% erwartete Rendite für die Verpflichtung auf diesem Niveau zur Not den DAX zu kaufen, erscheint mir eine sehr gute Chance Risiko Verteilung zu sein.

nochmal Deutsche Wohnen

aktueller Kurs: 18,72 Euro

Ich habe jetzt gerade noch mal ein paar Deutsche Wohnen Aktien nachgekauft. Die Frage ist so ein bisschen, welcher dieser 2 Punkte der richtige ist:

1) Sei gierig, wenn andere übermäßig ängstlich sind

oder

2) Gier frisst Hirn

Ich gehe weiterhin davon aus, dass die sinkenden Kurse der Immobilienunternehmen dadurch ausgelöst werden, dass der Iran Krieg zu Inflation und die wiederum zu nicht sinkenden oder sogar steigenden Zinsen führt. Soweit so richtig und deshalb kaufe ich auch andere Immobilienwerte wie LEG (noch) nicht.

Ich kann man mir allerdings Stand heute nicht vorstellen, dass die Zinsen so stark steigen werden, dass die Deutsche Wohnen / Vonovia nicht in der Lage sein werden auf den einstelligen Prozentsatz von Minderheitsaktionären die Garantiedividende zu zahlen.

Bei einem KGV von nur noch knapp über 9 und einer Dividendenrendite von 6,3% brauche ich keine steigenden Immobilienwerte oder Aktienkurse. Ich setzte nur darauf, dass Deutsche Wohnen / Vonovia in der Lage sein werden die Garantiedividende zu zahlen.

Bei weiter sinkenden Kursen kaufe ich also weiterhin in der Hoffnung nichts entscheidendes zu übersehen. Bei Gagfah hat das in der Finanzkrise herausragend funktioniert bei Noratis kürzlich nicht.

Deutsche Wohnen – zweiter Nachkauf

Kurs: 21 Euro

Während der Iran Krieg weiter für erhebliche Verluste sorgt, bin ich heute das erste Mal mein Portfolio durchgegangen, um zu sehen, wo sich vielleicht schon Nachkauf Chancen zeigen. Alles in allem hat sich da bei mir wenig getan bzw. sind die Verluste da, wo es mir schwerfällt einzuschätzen, wie stark die Zukunft tatsächlich betroffen sein könnte, d.h. Banken, Versicherungen und BASF.

Ebenfalls gefallen, wenn auch weniger stark, ist die Deutsche Wohnen. Gerade bei Wohnimmobilien in Deutschland kann ich mir höchstens indirekt über die Inflations- und Zinsentwicklung eine negative Auswirkung ausrechnen und selbst dann muss Vonovia bei der Deutsche Wohnen erstmal für die Garantiedividende einstehen. Auch wenn ich Vonovia im Bezug auf die Minderheitsaktionäre immer noch nicht so richtig traue, habe deshalb gerade zu einem ähnlichen Kurs wie letztes Jahr meine Aktien nochmal um 50% aufgestockt. So langsam ist das damit keine kleine Position mehr. Hoffentlich hilft der Nachkauf, das Investment doch noch ins Plus zu drehen und ich sitze nicht wieder irgendeinem Trick von Vonovia auf.

Noratis ist insolvent

„Damit gewinnt Noratis jetzt auf der Fremdkapitalseite Zeit und freie Liquidität, um das Geschäft wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken. Das Geschäftsmodell an sich leuchtet mir immer noch ein und eine hohe Nachfrage nach Wohnungen gibt es in Deutschland auch immer noch.

Für einen richtigen Nachkauf fehlen mir der Mut und die Detailinformationen, aber das Spielgeld für die nächste Kapitalerhöhung setze ich noch mal ein. Vielleicht sehe ich meinen Einsatz dann irgendwann doch noch mal wieder.“

Dieses Zitat war das Fazit meines letzten Beitrags zu Noratis Ende des Jahres 2024. Die ruhigeren Fahrwasser hat Noratis leider nicht erreicht, aber zum Glück hatte ich mich auch entschieden nicht noch mehr gutes Geld schlechtem hinterher zu werfen, solange keine eindeutige Erholung eintritt. Das Gegenteil ist es jetzt eingetreten und die Gesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Das wird dann wohl ein Totalverlust werden.

Nachdem ich meinen ursprünglichen Artikel gerade noch mal gelesen habe, ziehe ich daraus für mich zwei Lehren:

1) Ich werde noch konsequenter darauf achten, keine gute Strategie / Story zu kaufen, wenn der Preis nicht stimmt (das hätte allerdings nur meinen Einstieg und nicht die Insolvenz vermieden)

2) Ich werde mich nicht mehr auf kapitalstarke Gesellschafter und deren „Zusagen“ stützen (da ich die Strategie immer noch für gut halte, hätte man da mit mehr Kapital bestimmt eine Insolvenz vermeiden können. Unterstellt es ist in der Kommunikation nicht falsch gespielt worden)

Gold(minen) Gewinnmitnahme

Ich hatte ja in letzter Zeit wiederholt angedeutet, dass ich überlege auch bei meiner Goldposition Gewinne mitzunehmen. Da ich fundamental keine Chance habe ein Preisziel zu ermitteln, hatte ich mich für ein persönliches Ziel anhand der Portfolio Gewichtung entschieden. Und zwar hat der Preis heute Morgen von rund 5.600 USD pro Unze dazu geführt, dass ich die Hälfte meines Goldminen ETFs verkaufen und somit meinen ursprünglichen Einsatz zzgl. eines kleinen Gewinns realisieren konnte. Gleichzeitig bleibt meine Goldposition aber bei rund 10% meines Vermögens.

Kurzfristig war mein Timing 1a, denn während ich das jetzt ein paar Stunden später schreibe, ist das Gold schon wieder auf rund 5.200 USD gefallen. Ich glaube allerdings nicht unbedingt, dass das jetzt eine grundlegende Trendumkehr ist. Vielmehr agiere ich selber lieber scheibchenweise, wenn ich selber nicht sicher bin wo die Reise hingeht. Ich werde also jetzt wieder abwarten und sollte es zu weiteren signifikanten Gewinnen kommen, vielleicht auch beim Xetra Gold mal Gewinne mitnehmen. So werde ich weitermachen, bis ich zumindest alle Einsätze zurück habe. Danach ist es psychologisch einfacher durch Dick und Dünn weiterlaufen zu lassen.

Gewinnmitnahmen wegen Trump Unsicherheit

tonies aktueller Kurs: 10,46 Euro

MSCI All Countries: 95,05

Ich hatte ja kürzlich schon angedeutet, dass ich eher in Richtung Gewinnmitnahmen gedacht habe, als in Richtung neue Aktieninvestments.

Am Wochenende hat es Herr Trump geschafft mich so in Unruhe zu versetzen, dass ich dies jetzt umgesetzt habe. Ich war froh, dass die Märkte zumindest heute Morgen noch relativ gelassen reagiert haben, so dass ich im Vergleich zu letzter Woche nur verhältnismäßig geringe Einbußen hatte.

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mittelfristige Staatsanleihen

KfW 2033 Anleihe

ISIN DE000A30V9M4

aktuelle Rendite: 2,875%

Hessen 2034 Anleihe

ISIN DE000A1RQEP6

aktuelle Rendite: 2,9%

Wie schon im Jahresrückblick angekündigt, habe ich meine Ausrichtung weiter auf die konservative Seite verschoben. Frei werdende Festgelder und vorhandenes Tagesgeld habe ich jeweils hälftig in die oben genannten KfW und Land Hessen Anleihen investiert. Auf die Art kann ich mein Tagesgeld, also trockenes Pulver, mit demnächst erwarteten Anleihe Rückzahlungen (Air Lease und Index Bundesanleihe) und angedachten Aktien Gewinnmitnahmen wieder auffüllen, ohne dass diese mit nur noch knapp über 1% verzinsten Guthaben überhand nehmen.

cardfactory – günstige Grußkarten

ISIN: GB00BLY2F708

aktueller Kurs: 97,18 Gbp

Ich bin in der Presse mal wieder auf ein Unternehmen gestoßen, das zwar nicht in meinen Kompetenzbereich fällt, dessen Geschäftsmodell aber einfach zu verstehen ist und dessen Bewertung sehr niedrig ist.

Mein Titel mit „günstige Grußkarten“ ist in diesem Fall doppelt zu verstehen. Zum einen ist cardfactory ein Hersteller und Händler von günstigen Grußkarten aus UK und zum anderen wird das Unternehmen mit einem KGV von nur 6,7 bewertet. Bei Nebenwerten mit niedrigerer Bewertung sollte man sich regelmäßig die Frage stellen welcher Anlass für einer Neubewertung sorgen könnte, hier liegt die Dividendenrendite allerdings bei 5,4% und so lange die verdient und gezahlt wird, wäre es mir egal ob der Kurs steigt oder nicht.

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Eigenkapitalforum 2025

Wie jedes Jahr fand auch diese Woche wieder das Eigenkapitalforum der Deutsche Börse statt. Für mich mit allen Vor- und Nachteilen wieder rein virtuell. Im Allgemeinen interessant fand ich, dass sich zunehmend auch DAX Konzerne präsentieren, so z.B. die Deutsche Telekom und e.on. Obwohl ich in beiden investiert bin, habe ich darauf aber verzichtet, weil es beim Eigenkapitalforum für mich um Unternehmen geht, die ich noch gar nicht kenne oder die sonst nicht so viel berichten und Aufmerksamkeit bekommen.

(erneuerbare) Energie

HydrogenPro

Mit HydrogenPro ging die Konferenz für mich direkt mit einem Unternehmen los, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Bei einer Marktkapitalisierung von knapp 21 Mio. Euro vielleicht verständlich für jemandem der dem Thema Wasserstoff bisher vorsichtig gegenüber stand.

Wie der Name schon vermuten lässt, ist HydrogenPro ein Hersteller von Elektrolyseuren, die benötigt werden um Wasserstoff herzustellen wurde. Das Unternehmen wurde 2013 gegründet und hat seine Firmenzentrale in Norwegen. Obwohl die Firma relativ klein ist, hat sie neben der Zentrale bereits Standorte in Dänemark, Deutschland, den USA und China. Viel Vertrieb sowie Projektbau und -management werden von Partnern übernommen, die auch Gesellschafter sind:

Mitsubishi Heavy Industries (für USA und etwas Asien) 12,3%

Longi (China) 13,3%

Andritz (Österreich) 16,7%

HydrogenPro wurde 2021 zu einem Kurs von knapp 4 Euro an die Börse gebracht und stieg in dem damaligen Wasserstoff Hype auf mehr als 7 Euro. Mittlerweile ist dem Hype erst mal wieder Ernüchterung gewichen und aktuell notiert die Aktie nur noch bei 0,21 Euro.

Perspektivisch wäre es für die Menschheit wahrscheinlich besser, wenn grüner Wasserstoff so günstig wird, dass er fossile Energieträger zu einem nennenswerten Teil ablösen kann. Ob, wann und durch welche Hersteller das erreicht wird, kann ich aber nicht einschätzen. Deshalb ist HydrogenPro für mich auf absehbare Zeit kein Investment.

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