steigende Zinsen – Nachkauf und Verkauf

aktueller Kurs Deutsche Bank: 7,99 Euro

aktueller Kurs Farmland Partners: 14,45 USD

Mein heutiger Beitrag knüpft an einen aus dem Juni an. Weltweit scheint der langfristige Trend niedrigster und vielleicht noch wichtiger, sinkender Zinsen beendet zu sein. Wenn sich das nicht nur als temporäres Phänomen herausstellt und auch nicht auf einem Niveau halt macht, das historisch immer noch extrem niedrig ist, wird das nicht für die Bewertung von Aktien über die Diskontierung der vermuteten zukünftigen Gewinne Auswirkungen haben, sondern auch für die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen, also die Gewinne an sich.

Ich habe in den letzten Wochen weiter überlegt in wie fern ich mein Depot deshalb anpassen sollte. Die beginnende Quartalssaison habe ich heute dann für zwei Entscheidungen zum Anlass genommen.

Deutsche Bank

Nach meinem Beitrag über den Kauf einer Aktienanleihe auf die Deutsche Bank habe ich geschrieben, dass ich zu einem Kurs von 8,64 Euro gerne nachkaufen würde, wenn sich meine fundamentale Meinung zur Bank nicht ändert.

Seither ist der Kurs der Bank tatsächlich stark zurück gekommen und lag teilweise deutlich unter 8 Euro.

Ich verstehe, dass die Ukraine Krise die Volatilität und Unsicherheit an die Märkten erhöht und damit das Investment Banking erschwert. Steigende Zinse und hohe Inflation können zu erhöhten Kreditausfällen führen. Trotzdem glaube ich, dass eine Welt in der es wieder Zinsen gibt, eine Welt ist in der es Banken perspektivisch besser gehen sollte. Gleichzeitig liegt der Kurs der Aktie nur bei etwa einem Drittel des Buchwerts. Eine Menge schlechte Nachrichten scheinen also schon berücksichtigt zu sein.

Mit dem Nachkauf habe ich noch gewartet, bis heute die Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt wurden, um zu sehen, ob irgendwas berichtet wird, dass mich fundamental überrascht. Tatsächlich wurden die Ergebnisse einhellig als überraschend positiv bezeichnet. Trotzdem gab der Kurs heute noch mal deutlich nach, weil sich der Vorstand für das restliche Jahr vorsichtiger geäußert hat. Für mich geht es nicht um das restliche Jahr oder das kommende Jahr sondern um die kommenden Jahre. Ich habe mich deshalb an meine Aussage gehalten und zu 7,99 Euro einige Aktien nachgekauft.

Farmland Partners

Farmland Partners verfolge ich schon lange, habe aber erst 2020 in die preferred shares investiert.

Im Oktober letzten Jahres hat Farmland Partners von seinem Recht Gebrauch gemacht, die preferred shares zum damals aktuellen Kurs in Stammaktien zu tauschen. Auch wenn damit die attraktive laufende Verzinsung weggefallen ist, hat es sich für mich durchaus gelohnt die Aktie weiter zu halten, denn Sie ist seither in USD um rund 22% gestiegen. Hinzu kommen für ich mich als Euro Investor noch die Währungsgewinne.

Eine Idee von Agrarland als Investment ist der Schutz gegen Inflation. Im Falle von Farmland Partners hat das für mich bis hierher auch gut funktioniert. Es gibt allerdings kein Naturgesetz, dass Land immer mindestens in dem Maße im Preis steigen muss, wie irgendein Inflationsindex. Während ich nach wie vor glaube, dass Land im Falle einer sehr hohen oder sogar Hyperinflation immer mehr oder weniger im Wert steigen wird, ist das unter normaleren Umständen durchaus nicht unbedingt so. Wenn es wieder Zinsen gibt und muss sich die Bewertung von Farmland dem Vergleich mit anderen Alternativen insbesondere Anleihen stellen. Da die laufenden Einkünfte von Farmland notorisch niedrig sind, ist hier der Hebel ähnlich wie bei Zerobonds auch noch besonders hoch. Steigt also das allgemeine Zinsniveau in den USA auf immer noch niedrige 3%, könnte das auf die Farmlandpreise erheblich Auswirkungen haben.

Noch sieht man davon in der Realität nichts. Die Preise für Farmland in den USA steigen sogar immer noch deutlich. Das könnte auch noch eine Auswirkung der Ukraine Krise sein. Ob steigende Zinsen künftig wirklich so einen Druck auf die Bewertung ausüben, dass die Preise deutlich sinken, weiß ich letztlich nicht, aber meine Sorge darüber ist zumindest groß genug, dass ich heute die Hälfte meiner Farmland Partners Aktien verkauft habe. Mein verbleibender Einstand ist jetzt so niedrig, dass es unwahrscheinlich geworden ist, mit dieser Position noch mal in den roten Bereich zu rutschen. Damit kann ich diese Position jetzt beruhigter wieder mit einer längerfristigen Perspektive laufen lassen.

FAZIT

Wenn es um Investments aufgrund makroökonomischer Faktoren geht, bin ich kein George Soros. Volkswirtschaften sind so komplex, das man leicht meint einen schlüssigen Trend zu erkennen, aber andere gegenläufige Entwicklungen der zweiten und dritten Ebene übersieht. Mir ist bewusst, dass ich bei meinen heutigen Entscheidungen auf dieser ersten Ebene geblieben bin.

Es handelt sich hoffentlich wenigstens um qualifizierte Bauchentscheidungen, die auf Sicht der kommenden Jahre hoffentlich in die richtige Richtung gingen.

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