Value Shares Strategie

Man kann auf sehr unterschiedliche Arten erfolgreich investieren. Wichtig ist es aber eine Strategie zu entwickeln, die zur eigenen Persönlichkeit passt und die man auch bei negativen Kursentwicklungen durchhält. Im Laufe der Jahre haben sich für mich folgende Regeln ergeben, deren Einhaltung ich immer strikter versuche. Dazu dient auch dieser blog, denn beim schreiben merke ich meistens, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde oder Gefahr laufe auf Basis eines Bauchgefühls zu agieren.

 1) eigene Meinung

Ich investiere nur in Unternehmen, die ich verstehe. Durch meine berufliche Erfahrung liegt mein Schwerpunkt daher bei Sachwertunternehmen wie Bestandshalter von Immobilien, Flugzeugen und Schiffen.

2) Kursabschlag

Mentalitätsbedingt suche ich gute Chance / Risikoverhältnisse.

Chancen bei Aktien stecken für mich in Börsenbewertungen, die deutlich unter dem Wert liegen, die ich für das Unternehmen für fair halte. Gelegentlich steige ich auch mal bereits beim fairen Wert ein, wenn mir das Unternehmen besonders gut gefällt und es bezogen auf die Börsenkapitalisierung eine interessante Rendite laufend erwirtschaftet.

Risiko ist für mich die Wahrscheinlichkeit der Realisierung von Verlusten. Häufig wird auch die Volatilität als Maß für das Risiko eines Wertpapiers herangezogen. Mir persönlich ist die Volatilität relativ egal. Solange sich meine Meinung zum Unternehmen nicht ändert, stört mich Volatilität nicht. Wenn die Position noch nicht zu groß ist, freue ich mich über weiter sinkende Kurse manchmal sogar, weil ich dann noch billiger an weitere Anteile komme. Wichtig ist dabei Regel 1), denn ohne eigene Meinung zum Wert des Unternehmens kann ich auch nicht beurteilen, ob ein ungerechtfertigter Abschlag vorliegt oder nicht.

3) Confirmation Bias vermeiden

Das interessante Gebiet „behavioural finance“ untersucht typische Verhaltensmuster von Investoren, die häufig verhindern, dass bessere Renditen erzielt werden. Eines davon ist die Neigung des Menschen neue Informationen so zu deuten, dass die eigene Meinung bestätigt wird. Ich versuche dagegen bewusst anzugehen und bei meinen Positionen immer mal wieder aktiv zu hinterfragen, warum ich noch investiert bin.

4) Nachkaufen

Zwei Börsenweisheiten lauten „The trend is your friend“und „Greife niemals in ein fallendes Messer“. Entsprechend kaufen Investoren die Trendfolge betreiben in steigende Kurse nach und verkaufen bei sinkenden Kursen sofort. Theoretisch hat das was für sich, aber praktisch habe ich damit keine guten Erfahrungen gemacht.

Meine Regel ist daher nur günstiger nachzukaufen als der letzte Kauf in letzter Zeit. Ich greife also durchaus bewusst in das fallende Messer, so lange der sinkende Kurs nicht auf Informationen beruht, die mich nach Regel 3) dazu bringen, meine Meinung zu ändern. Mein Timing ist auf diese Art selten optimal, weil ich häufig erst die Reise nach unten mitmache, aber da ich die Geduld dafür habe und es mir psychologisch schwer fällt in steigende Kurse hinein zu kaufen, ist das für mich trotzdem der richtige Weg.

5) Verkaufen

Den richtigen Zeitpunkt zum Verkaufen zu finden, ist psychologisch vielleicht noch schwieriger als den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg zu finden. Das liegt daran, dass wir Menschen die Neigung haben etwas ungern wieder herzugeben, wenn wir es erstmal besitzen. Deshalb ist es auch für den Exit wichtig sich eigene Regeln aufzustellen. Für mich gibt es zwei Gründe zu verkaufen:

– Ein Fehler in der Analyse oder neue Informationen führen dazu, dass ich meine Meinung zum negativen ändere

– Der Wert nähert sich einem Niveau, auf dem ich nicht mehr kaufen würde.

Da ich wie gesagt kein Timing König bin, verkaufe ich dann sukzessive. Dabei gilt umgekehrt zum Nachkaufen, dass ich nicht zu niedrigeren Kursen verkaufe als in letzter Zeit realisiert. Es sei denn natürlich meine Meinung hat sich geändert. Wenn der Kurs das Niveau erreicht, dass ich für realistisch erachte möchte ich möglichst nicht mehr mit meinem ursprünglichen Investment investiert sein. Bei aufgelaufenen Gewinnen bin ich etwas flexibler. Die lasse ich schon mal weiterlaufen, insbesondere wenn die Qualität vom Unternehmen nach wie vor gut ist, der Trend stimmt und es mir an Alternativen mangelt.

4 Gedanken zu „Value Shares Strategie

  1. Dirk

    Hallo Mario,
    die Regeln finde ich für Deine rein fundamentale Investment Strategie absolut sinnvoll.
    Ich würde sie verkürzt so zusammenfassen:
    – Es zählt nur die selbst gebildete fundamentale Bewertung/Einschätzung (Regeln 1-3).
    – (Nach)gekauft werden die am stärksten unterbewerteten Titel
    – (Teil)verkauft/ausgetauscht wird dann, wenn noch stärker unterbewertete Titel auftauchen als die im Depot befindlichen oder die Unterbewertung komplett abgebaut ist.

    Technik klingt einfach, funktioniert allein dadurch schlecht, dass sich zu viele daran orientieren. Ein Blick darauf würde sich meiner Meinung nach am ehesten bei den Werten im Depot anbieten. Wird hier ein langfristiger Aufwärtstrend gebrochen, sollte man sich Gedanken zum Verkauf machen. Hauptfaktor sollte aber die fundamentale Bewertung bleiben.

    Was noch in der Strategie fehlt sind die Gesamtinvestitionsquote bzw. der Aktienanteil im Vermögen sowie die Risikostreuung durch Aufteilung der Positionen auf Anlageklassen / Branchen. Hier gibt es natürlich viele Standardregeln, aber mich würde schon interessieren, ob Du auch auf Gesamtmarktbewertungen schaust und wie Deine Investitionsquote davon abhängt – und ob Du klare Regeln für eine Aufteilung auf Branchen hast.

    Danke nochmal für Deinen super interessanten und sehr werthaltigen Blog!
    Dirk

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    1. Value Mario Artikelautor

      Hallo Dirk,

      schön hier mal was von dir zu lesen. Zu Gesamtinvestitionsquoten und Anlagenklassen / Streuung schreibe ich hier bewusst nichts. Einfach weil ich nicht glaube, dass ich dazu besonders Innovatives beizutragen habe. Ich kenne natürlich auch die Standardansätze, aber die muss ich hier nicht wiederholen. Ich persönlich halte mich auch nicht dran, sondern lasse mich letztlich von den Investitionsmöglichkeiten treiben. Ende 2008 / Anfang 2009 war ich z.B. zu 100% in Aktien investiert, weil es einfach viel mehr günstige Aktien gab als ich Geld hatte. Heute halte ich hingegen viel mehr Tagesgeld als mir eigentlich lieb ist (>35%), weil ich nur wenige Titel finde die mich überzeugen. Ich erhöhe momentan die absolute Größe neuer Positionen etwas, um das Problem abzumildern, aber ein Stück weit mache ich das auch bewusst so, um freie Liquidität zu haben, wenn es früher oder später wieder übertrieben nach unten geht. Andere sind Verfechter davon immer voll investiert zu sein und ggf. umzuschichten, wenn ein neuer Wert attraktiver ist als ein vorhandener. Das macht zwar Sinn, fällt mir aber schwer. Phsychisch schaffe ich es mich von einem Wert trennen, wenn meine Analyse falsch war oder die Bewertung zu hohe Höhen erreicht hat, aber in einen neuen Wert wechseln, fällt mir schwer.

      Bezüglich Branchen konzentriere ich mich auf solche von denen ich sicher bin, dass ich sie verstehe oder von denen ich zumindest glaube sie ausreichend zu verstehen. Das heißt ich fahre bewusst ein konzentrierteres Portfolio, als nach klassischer Diversifikationslehre gefordert. Ich schlafe trotzdem besser dabei, weil ich eben eine eigene Meinung habe, an die ich glaube. Mein negativ Beispiel ist immer die Pharmabranche. Da wird durchaus gutes Geld verdient, aber ich verstehe die Produktpipelines, Zulassungsbestimmungen und Risiken (Nebenwirkungen) nicht gut genug, um ein Unternehmen selber zu bewerten. Obwohl ich in der Finanzbranche arbeite, gilt ähnliches für Banken und Vesicherungen. Deren Berichterstattung ist meiner Meinung nach einfach nicht so detailliert, dasss man sich eine fundamentale Meinung bilden kann.

      Gruß
      Mario

      Antworten
  2. Tobias Commer

    Hallo Mario,

    Gratulation zu diesem tollen Blog. Neben dem Inhalt finde ich das schlichte, übersichtliche Design sehr cool (kein nerviges blink-blink).
    Weiter so.

    Zu Punkt 5)
    Stimme ich voll zu. Verkaufen ist oft schwerer als kaufen.
    Die Aktien, die vor 2009 gekauft wurden, möchte man ohnehin nicht zwanglos verkaufen.
    Die Gewinne sind ja schließlich steuerfrei. Also lässt man alles weiterlaufen.
    Nicht immer gut.
    Die „steuerpflichtigen“ Aktien verkaufe ich auch ungern – eben weil Steuern fällig werden. Es fühlt sich an, als ob man einen Verlust realisiere. Also lasse ich meist alles wie es ist. Es sieht auf dem Depotauszug ja so gut aus.
    Auch nicht immer richtig.
    Und noch etwas, du nennst folgendes Verkaufsargument:
    „Ein Fehler in der Analyse oder neue Informationen führen dazu, dass ich meine Meinung zum negativen ändere.“
    Finde ich absolut richtig.
    Nur – meist beschäftige ich mich bis zum Kauf intensiv mit einer Aktie. Ist Sie gekauft, lasse ich es meist laufen.
    Sollte man auch nicht unbedingt tun.

    Das waren einige Gedanken meinerseits.
    Jetzt hätte ich noch zwei Fragen.
    1. Welches Bank und welchen Handelsplatz empfiehlst Du zum traden ?
    Ich habe bspw. u.a. ein Depot bei der „benk“. Hier habe ich eine Orderflat für rund 25,- EUR pro Monat.
    Finde ich eigentlich ganz gut – transparente und günstige Transaktionskosten sind mir wichtig. Wo wickelst Du Deine Geschäfte ab ?
    Auf einen Handelsplatz bin ich nicht festgelegt. Wichtig sind mir lange Handelzeiten, beste Kurse und natürlcih geringe Kosten. Ich bind mir da nicht immer sicher, wo ich meine Order paltzieren soll.
    Hast Du da eine Meinung ? Stichwort: Baader, Lang & Schwarz, Tradegate oder andere als Alternative zu z.B. XETRA ?
    2. Wie stehst Du zu Zertifikaten, die einen ganzen Markt (z.B. den DAX) abbilden (z.B. WKN 709335) ?
    Gehst Du grundsätzlich nur in Titel, die Du einzeln analysieren kannst, also Aktien, oder würdest Du auch sagen, „OK, dieses oder jenes Segment wurde vielleicht aus einer Massenhysterie überverkauft und hat nun gute Entwicklungschancen ?
    Oder ist sind Dir Zertifikate schon allein wegen des Emittentenrisikos zu heiß ?

    Vielen Dank und nochmal weiter so !
    Tobias

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Vielen Dank für das viele Lob :-)

      zu deinen Fragen:

      1) So richtig eine richtige Empfehlung kann ich nicht aussprechen, da ich mich weder intensiv mit verschiedenen Banken beschäftigt, noch besonders viele ausprobiert habe. Ich habe zwei Depots. Eines bei der comdirect und eines bei der ING Diba. Funktioniert bei beiden gut, aber ich kann wie gesagt nicht sagen, ob es nicht noch besseres/günstigeres gibt. Mir sind Transaktionskosten nicht ganz so wichtig. Ich sehe mich als Investor und nicht als Trader. Bei Haltedauern, die sich häufig in Jahren messen lassen, spielen die Transaktionskosten keine so riesige Rolle. Bezüglich Handelsplatz tendiere ich meistens ganz konservativ zu Xetra oder Frankfurt. Wenn Tradegate in dem Moment einen besseren Kurs bietet, gerne auch da, aber dann immer mit Limit, damit die nicht plötzlich zu meinen Ungunsten den Kurs korrigieren können. Den einzigen echten Tipp, den ich zu Handelsplätzen geben kann, ist US Aktien immer in den USA zu handeln. Hatte mal den Fall, dass ich mich kostenlos an eine Sammelklage hätte hängen können, wenn ich denn in New York und nicht in Frankfurt gekauft hätte. Transaktionskosten sind zwar etwas höher, aber damit kann ich wie gesagt leben.Leider habe ich immer noch keinen Anbieter gefunden, bei dem ich Anleihen an ausländischen Börsen handeln kann. Da wäre ich für einen Tipp dankbar.

      2) Grundsätzlich konzentriere ich mich nur noch auf Einzeltitel. Die kann ich selber analysieren und dann wesentlich besser schlafen, auch wenn es mal nach unten geht. Es gibt aber Ausnahmen. Entweder weil ich glaube, dass ein Fondsmanager einen besonders interessanten Ansatz hat, wie der hier schon vorgestellte Fonds von Nordix. In der Vergangenheit habe ich auch Fonds / ETFs ins Depot genommen, um zu diversifizieren, z.B. asiatische Anleihen in lokaler Währung. Um einen Index abzubilden, würde ich immer zu einem ETF greifen. Bevorzugt zu einem, der den Index auch wirklich kauft und nicht nur durch Derivate abbildet. Sind wieder etwas höhere Transaktionskosten, aber dafür weniger Emittentenrisiko.

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