Quickcheck: Hipgnosis

ISIN: GG00BFYT9H72

aktueller Kurs: 118,7 Gbp

Ich bin in der Wirtschaftswoche auf einen interessanten börsennotierten Fonds gestoßen, der am Rande wenn nicht sogar etwas außerhalb meines Kompetenzbereichs liegt.

Hipgnosis wurde gegründet um in bestehende Musikrechte Kataloge zu investieren. Anders als Plattenlabels wird Hipgnosis also keine Künstler unter Vertrag nehmen, um neue Werke zu vermarkten, sondern nur die Rechte an bereits bestehenden Katalogen erwerben. Beruflich habe ich mich zwei oder drei Mal mit Musikrechten beschäftigt. Das ist aber zum einen lange her und zum anderen kam es am Ende nie zu einem Investment. Meine Kenntnisse blieben also relativ oberflächlich. Trotzdem habe ich mir Hipgnosis mal ein wenig näher angeschaut.

Geschäftsmodell Musikvermarktung

Die Schöpfer von Musik also z.B. der Komponist, der Texter und der Interpret haben das Urheberrecht für ihre Werke und damit das Recht Geld mit der Musik zu verdienen. Dieses Recht gilt zu Lebzeiten und darüber hinaus für 70 Jahre nach dem Tot des Künstlers. Diese Rechte können auch an Dritte übertragen werden.

Hier kommt neben klassischen Medienkonzernen wie Vivendi eine Gesellschaft wie Hipgnosis ins Spiel. Der Künstler kann Kapital für was auch immer freisetzen und der Investor mit der Vermarktung der Songs hoffentlich eine attraktive Rendite verdienen.

Geld verdient wird dabei einerseits klassisch durch die Anteile an dem Verkauf von Tonträgern wie CDs, durch Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften wie der deutschen GEMA. Zunehmend wichtig sind außerdem die Vergütungen der großen Streaming Plattformen. Letztere tragen dazu bei, dass wieder vermehrt legal Musik gehört wird und die Umsätze in der Musikindustrie wieder steigen.

Geschichte und Gründer

Hipgnosis wurde nach der gleichnamigen Grafik Design Agentur benannt, die in den 1960‘er und 1970‘er Jahren u.a. Cover von Pink Floyd und Led Zeppelin gestaltet hat,

Hipgnosis ist kein klassisches Unternehmen sondern wurde als börsennotierter Fonds mit einem externen Management ohne eigene Mitarbeiter ins Leben gerufen. Die treibende Kraft hinter Hipgnosis ist Merck Mercuriadis der unter anderem der Manager von Elton John, Guns N‘ Roses, Iron Maiden und Beyoncè war.

Der Beirat des Fonds ist darüber hinaus ebenfalls mit Mitgliedern besetzt, die überwiegend über Jahrzehnte Erfahrung in der Musikindustrie verfügen.

Es ist also genug know-how und Netzwerk vorhanden um überhaupt die Gelegenheit zu erhalten in entsprechende Musikrechte zu investieren. Tatsächlich wurden seit Gründung 2018 auch eine Reihe Kataloge erworben und dafür mehrere Kapitalerhöhungen durchgeführt.

Nach eigenen Angaben besitzt Hipgnosis die Musikrechte an 4 der Top 5 und 18 der Top 100 der Billboard 100 Charts des Jahrzehnts 2010 bis 2019. Außerdem hat Hipgnosis die Rechte an 8 der 25 am häufigsten jemals auf Spotify gestreamten Lieder.

Rentabilität / Bewertung

Hipgnosis verspricht aktuell eine Dividendenrendite von rund 4%.

Mal abgesehen von dem etwas ungewöhnlichen, aber interessanten Geschäftsfeld hat mich diese zumindest auf den ersten Blick günstige Bewertung dazu veranlasst, mich mal etwas in das Thema einzulesen.

Bei einer hohen Dividendenrendite ist natürlich immer die Frage Nummer 1, ob diese auch nachhaltig ist. Bei den erneuerbare Energie Yield Co‘s ist ja für mich z.B. häufig das Problem, dass die auf Basis des Cash Flow ausschütten und für Ersatzinvestitionen in meinen Augen keine ausreichenden Reserven bilden. Zumindest für das im März abgelaufene Geschäftsjahr 2019/2020 wurde die Dividende bei Hipgnosis hingegen durch den Gewinn gedeckt und zwar ohne Bewertungsgewinne, die laut Gutachten auch noch entstanden sind.

Bei diesem Geschäftsmodell steht und fällt der Gewinn allerdings mit der Abschreibungsdauer. Hipgnosis schreibt seine Musikrechte über 20 Jahre linear ab. Ich kann das absolut nicht fachgerecht beurteilen, aber die Meinung, die ich trotzdem habe, ist, dass das zu gestreckt sein könnte. Normale Songs erscheinen und werden innerhalb eines Jahres mehr oder weniger oft gespielt und verschwinden dann wieder. Hipgnosis will sich möglichst stark auf Evergreens konzentrieren. Bei denen ist beim Investment die ursprüngliche Hit Phase schon vorbei und sie werden trotzdem mehr oder weniger kontinuierlich jedes Jahr wieder gespielt. Daher ist die lineare Abschreibung für solche Songs einerseits nachvollziehbar. Andererseits sind aber 20 Jahre eine sehr lange Zeit, in der selbst echte Evergreens aus der Mode geraten können und außerdem bestehen die Kataloge von Hipgnosis auch nicht nur aus solchen Mega Evergreens.

Würde die Abschreibung z.B. über 15 Jahre linear oder 20 Jahre degressiv erfolgen, wäre die Dividende schon nicht mehr aus dem laufenden Geschäft gedeckt gewesen. Die aktuellen Wertsteigerungen sprechen zwar dafür, dass man aktuell gar nicht abschreiben müsste, aber das ist m.E. durch das allgemeine Umfeld mit niedrigen Zinsen und nach yield suchenden Investoren verursacht. Diesen Trend würde ich gerne mitnehmen, aber die Dividende sollte auch dann erwirtschaftet werden können, wenn er früher oder später mal endet.

FAZIT

Ich finde das Geschäftsmodell und die Dividende von Hipgnosis spannend. Andererseits habe ich bei meinen bisherigen Recherchen auch viele Hinweise gefunden, dass Musikrechte ein sehr riskantes Geschäft sind, für die man eigentlich eine deutlich höhere Rendite bekommen müsste. Wie bei allen Fonds Strukturen liegt das teilweise sicherlich daran, dass das Management über Gebühren am Erfolg ordentlich partizipiert. Das ist einerseits nachvollziehbar, macht die Idee andererseits aber auch weniger interessant.

Ich gehe durchaus davon aus, dass die Werte für Musikkataloge wie alle anderen Investmentmöglichkeiten, die halbwegs prognostizierbare Cash Flows versprechen noch weiter steigen können. Ich möchte aber in ein mir fremdes Gebiet nicht nur auf dieser Basis investieren.

Da ich noch kein positives Gefühl habe, dass die Dividende auch operativ dauerhaft erwirtschaftet werden kann, werde ich Hipgnosis erst mal nur auf die Watchlist nehmen und über die Zeit versuchen die Branche besser zu verstehen.

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