Buch: Vom intelligenten Investieren

von Thorsten Polleit

Intelligent investieren will eigentlich jeder und deshalb macht sich das als Titel für ein Buch natürlich erst mal gut. Außerdem ist der Titel eine geschickte Referenz auf den Klassiker „The intelligent investor“ von Benjamin Graham. Erst Recht neugierig wurde ich durch den Klappentext, durch den schnell klar wird, dass in den Augen des Autors vor allem Value Investoren intelligent investieren. Natürlich tappe ich damit in die Selbstbestätigungsfalle, aber ich habe mir das Buch trotzdem mal angeschaut. Mit einem für mich überraschenden zweigeteilten Ergebnis.

Der Autor Thorsten Polleit

Wer im deutschen Fernsehen die Börsenberichterstattung verfolgt, wird Thorsten Polleit vielleicht schon mal gesehen haben.

Seit 2012 ist er Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel. (Exkurs: Ich lerne gerade, dass diese Degussa Goldhandel oder offiziell Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH bis auf die Namensrechte nicht auf die 1873 gegründete Scheideanstalt Degussa zurückgeht und auch mit der Degussa Bank scheinbar nichts zu tun hat.)

Davor war er 15 Jahre im Investment Banking unter anderem bei Barclays Capital tätig und hat 2014 zusätzlich eine Honorar Professur an der Universität Bayreuth übernommen. Außerdem engagiert er sich im libertären Ludwig von Mises Institute.

Vom intelligenten Investieren

Während ich Bücher lese, um sie hier vorzustellen, überlege ich mir immer für welche Zielgruppe es geeignet ist und nicht nur, ob ich es für mich persönlich interessant finde. Letzteres ist für mich natürlich am Besten, aber ich habe über 3 Jahrzehnte schon so viel zu dem Thema gelesen, dass da nur noch selten was wirklich Neues dabei ist.

Bei diesem Buch habe ich mich schwer getan mir zu überlegen, wer es meiner Meinung nach lesen sollte. Das liegt daran, dass das Buch inhaltlich meiner Meinung nach zwei Teile hat, die nicht unbedingt zusammen passen oder zumindest nicht für die gleiche Zielgruppe interessant sind.

Im ersten Teil geht es, wie der Titel es schon sagt, um das intelligente Investieren. Genial finde ich z.B. das 2. Kapitel mit der Frage „Kann ich, oder kann ich nicht?“ Kann ich nämlich den Markt schlagen oder nicht? Falls man der Meinung ist, dass man das nicht kann, sollte man passiv in einen Welt-Aktienindex investieren. Ist man der Meinung, dass man den Markt durchaus schlagen kann, stellt sich eine weitere Frage. Kann man persönlich erfolgreiches Markttiming betreiben? Herr Polleit argumentiert, meiner Meinung nach zu Recht, dass es zwar Investoren geben mag, die erfolgreiches Timing betreiben, man dafür aber besondere Fähigkeiten benötigt. Besondere Fähigkeiten können per Definition nicht alle und auch nicht die meisten haben. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb hoch, dass man es gar nicht versuchen sollte. Bleibt also als realistische Alternative zum passiven diversifizieren, dass investieren ohne Timing. Dieses ist besonders dann erfolgversprechend, wenn man den Value Grundsätzen folgt und weniger für die Aktie bezahlt, als das Unternehmen anteilig wert ist.

Gut finde ich auch den Hinweis, dass eine Unternehmensbewertung nicht trivial ist und man sich besser in bestimmte Branchen und Unternehmen einarbeitet als zu versuchen mit pauschalen Kennzahlen alle Unternehmen bewerten zu können. Wichtig, vielleicht entscheidend wichtig, ist nämlich an die eigene Bewertung zu glauben, wenn der Mr. Market so richtig depressiv ist. Das entspricht voll und ganz meiner Philosophie.

Solche allgemeinen Grundsätze sind für den Einsteiger meiner Meinung Gold wert. Allerdings geht die Diskussion wie man ein Unternehmen bewertet nicht wesentlich über den Ansatz hinaus die zukünftigen Gewinne zu diskontieren. Insofern ist der Untertitel „Zeitlose Prinzipien für erfolgreiche Investments“ richtig. Man bekommt wertvolle Prinzipien an die Hand, aber um zu lernen diese Prinzipien dann auch umzusetzen, sollte man sich noch mit tiefer gehender Literatur beschäftigen.

Tiefer gehende bzw. alternative Literatur sollte man meiner Meinung nach auch lesen, wenn es um zweiten Teil des Buchs geht. In diesem zweiten Teil merkt man schnell, dass Herr Polleit ein libertärer Volkswirt ist, was ja auch sein Engagement im Ludwig von Mises Institute zeigt. Das Buch hat vielleicht deshalb auch einige Kapitel, die eher volkswirtschaftlich sind als praktisch notwendig, um erfolgreich zu investieren. Staatsverschuldung, Steuern, Inflation und Währungen haben zwar natürlich durchaus auch in einem Buch über Investments ihre Berechtigung, aber in diesem Fall war mein Eindruck, dass es eher darum geht die volkswirtschaftlichen Überzeugungen des Autors zu propagieren und nicht unbedingt praktische Handlungsempfehlungen zu geben. Man mag ja, wie der Autor der Meinung sein, dass eine Gold gedeckte Währung besser wäre, aktuell haben wir es aber nun mal mit fiat money zu tun. Auch die Aussage, dass Staatsanleihen unethische und unmoralische Investments sind, weil der Staat mit den Steuern seine Bürger beraubt, finde ich erstens inhaltlich völlig überzogen und zweitens für den Titel des Buchs deplatziert.

Ich hatte früher auch eher libertäre Ansichten, die sich immer mehr aufweichen, um so mehr ich mich immer mal wieder mit solchen Themen beschäftige. Wen solche Themen interessiert, findet in dem „zweiten Teil“ gut zu lesende Argumente. Für ein ausgeglicheneres Bild würde ich dann aber empfehlen auch Bücher mit anderen Sichtweisen zu lesen, denn auf die gegenläufigen Argumente geht der Autor für meinen Geschmack viel zu wenig ein.

Klarstellend möchte ich betonen, dass die Aufteilung in zwei Teile bzw. zwei inhaltliche Schwerpunkte nur mein Eindruck von dem Buch ist. Das Inhaltsverzeichnis ist einfach nach Kapiteln gegliedert und die Inhalte springen von einem zum anderen Kapitel durchaus mal zwischen meinen beiden „Teilen“ hin und her.

FAZIT

Dieses Buch hat meiner Meinung nach wie der Titel verspricht einige zeitlose und für mich sehr richtige Prinzipien über das erfolgreiche Investieren, die man sich ruhig immer mal wieder vor Augen führen kann.

Die für mich eher volkswirtschaftlichen Aspekte regen zumindest zum nachdenken und vielleicht zu tiefgreifenderer Lektüre an.

Durch die Gliederung in viele relativ kurze Kapitel und einfache Veranschaulichungen ist es durchweg gut zu lesen.

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