italienische Aktien: Snam – Gas Infrastruktur

ISIN: IT0003153415

aktueller Kurs: 4,72 Euro

Das Geschäftsfeld von Snam ist (leider) sehr aktuell, denn Snam ist der italienische Gasnetzbetreiber. Mit einem 2022‘er KGV von 14,4 und einer Dividendenrendite von 5,8% sieht die Bewertung auf den ersten Blick auch nicht uninteressant aus. Hat Snam also das Potential als Infrastruktur Basis Investment?

Snam im Überblick

Mit knapp 33 Tausend Kilometern Netz in Italien und weiteren rund 8 Tausend Kilometern über Beteiligungen in Österreich, Frankreich, Griechenland und UK ist Snam einer der größten Gasnetzbetreiber in Europa.

Neben Gasnetzen betreibt Snam in Italien auch 9 Gasspeicher mit einer Speicherkapazität von insgesamt 16,5 Mrd. Kubikmetern. Zum Vergleich der größte deutsche Speicher in Rheden kommt auf rund 4 Mrd. Kubikmeter und in Deutschland insgesamt können 24,6 Mrd. Kubikmeter Gas gespeichert werden.

Das dritte regulierte Geschäftsfeld von Snam ist der Betrieb von Flüssiggasanlagen. Eine feste Anlage besteht bereits und wie Deutschland hat Snam kürzlich zwei gebrauchte FSRUs (floating storage regasification unit) gekauft, um die italienischen Importkapazitäten von Flüssiggas zu erhöhen.

Die nicht staatlich regulierten Umsätze betrugen 2021 rund 13% des Umsatzes. Sie stammten überwiegend aus Investitionen in den Bereichen Biogas, Wasserstoff und Energieeffizienz.

Die Aktionärsstruktur von Snam ist immer noch italienisch geprägt. Der italienische Staat hält indirekt 32,8% der Aktien und der mit 7,5% Anteil größte private Einzelaktionär Romano Minozzi ist ebenfalls ein Italiener. Herr Minozzi hat mit Keramik sein Vermögen verdient und es 2020 auf die Forbes Liste der Milliardäre geschafft. „Normale“ Privatanleger aus Italien halten 9,3% und institutionelle 3%. Insgesamt kommen die italienischen Aktionäre so auf 52,6%.

Snam Bewertung

Reguliertes Infrastruktur Geschäft ist für viele Investoren interessant, weil es verspricht besonders konstant zu sein. Dies ist auch bei Snam der Fall. Betrachte ich die Gewinnentwicklung von 2020 auf 2021 ist der netto Gewinn zwar um 36% gestiegen, dies beruht aber auf einem einmaligen Steuereffekt. Ohne solche Sondereffekte veränderten sich Umsatz und Gewinn bei Snam meist nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Von 2012 bis 2020 (nicht 21 um den Sondereffekt zu ignorieren) sank der Umsatz durchschnittlich um jährlich 3%. Dabei ist zu beachten, dass der Umsatz tatsächlich von 2015 auf 2016 stark gesunken ist und seit 2018 wieder steigt.

Die Gewinne sind zwar 2016 ebenfalls deutlich zurückgegangen, wurden aber seither deutlicher gesteigert als die Umsätze. Das führte zu einer durchschnittlichen jährlichen Gewinnsteigerung von 4% (2% pro Aktie).

Auf Basis des für 2022 erwarteten Ergebnisses beträgt die aktuelle Bewertung das 14,4 fache des Gewinns. Umgekehrt entspricht das einer Gewinnrendite von rund 7%. Die aktuelle Dividendenrendite von 5,8% wird also verdient und beinhaltet auch noch einen kleinen Puffer.

Weder 5,8% noch 7% decken die aktuelle Inflation ab, trotzdem würde ich mich zu den Investoren zählen, für die 5,8% Dividende attraktiv sind, wenn sie nachhaltig erscheinen.

Bei Snam gibt es für mich allerdings ein großes ABER, das im KBV besteht. Das liegt aktuell bei etwas über 2 und lag auch seit 2012 immer um die 2.

Einerseits besteht bei einem überwiegend reguliertem Geschäft ein deutlich reduziertes Risiko des typischen Schweinezyklus von kapitalintensiven Märkten. Auch das langfristig immer ähnliche Niveau relativiert vordergründig das Risiko einer vehementen Kurskorrektur.

Andererseits werden bei steigenden Zinsen auch die Rendite Ansprüche an Infrastrukturgesellschaften steigen. Gleichzeitig könnte die regulierende Behörde realisieren, dass das die gewährte Höhe der Vergütung bisher gereicht hat, um ein Eigenkapital zu finanzieren, das doppelt so hoch ist, wie das regulierte in der Bilanz. Für mich ein eindeutiges Zeichen, dass die regulierte Vergütung höher ist als sie sein müsste. Selbst wenn diese nicht reduziert werden sollte, könnte sich die Situation relativ verschlechtern, wenn die Zinsen steigen und die Vergütungen nicht.

FAZIT

Für mich ist Snam wieder eines der Unternehmen, die ich grundsätzlich für interessant halte, deren Bewertung mich aber im aktuellen Umfeld skeptisch macht.

Vielleicht bin ich an dieser Stelle übervorsichtig, weil ich weder richtige Kenntnisse noch ein Bauchgefühl für die Regulierung in Italien habe, aber im Fall von Werten, die als langweiliges Basisinvestment gedacht sind, möchte ich dann auch, dass sie langweilig sind und ich keine größeren grundlegenden Risiken erkennen kann.

Ich bin deshalb auch nicht weiter in die Jahre 2015 und 2016 eingestiegen, um zu verstehen, warum da Umsatz und Gewinn so ungewöhnlich stark gesunken sind.

Trotzdem finde ich Snam grundsätzlich interessant und damit wandert das Unternehmen erstmal auf meine Watchlist.

Nach Umsatz im Jahr 2021 gewichtet machten die Transportnetze mit 71% den Löwenanteil aus. Flüssiggas war mit nur einem Prozent noch verschwindet gering, wird aber in Zukunft an Gewicht zulegen.

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