BP

14.7.2012 von admin

ISIN GB0007980591 (Aktie)

und

DE000AA4UUY5 (Aktienanleihe auf BP)

Der Öl-Konzern BP berichtete zum Ende des ersten Quartals 2012 in vier Segmenten:

  1. Upstream
    Hier geht es um die Öl- und Gas Exploration, Förderung und den Transport
  2. TNK-BP
    TNK-BP ist ein großes Joint Venture in Russland zur Ölförderung. Nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem russischen Partner hat BP im Juni 2012 bekanntgegeben seinen Anteil an dem JV verkaufen zu wollen. Nach den bisherigen Schwierigkeiten droht auch bei dem Verkauf noch ein langes Tauziehen, an dessen Ende nach Expertenschätzung ein Preis von 25 bis 30 Mrd. USD liegen könnte. Damit läge der Kaufpreis in der Größenordnung von 10% der Bilanzsumme von BP zum Ende des ersten Quartals 2012.
  3. Downstream
    hierin sind das Raffinerie und das Tankstellengeschäft zusammengefasst. In Deutschland läuft das Tankstellengeschäft unter der Marke Aral. Die Motorölmarke Castrol gehört ebenfalls in diesen Bereich.
  4. Sonstige & Konzern
    In diesem Segemt werden unter anderem die erneuerbare Energien Aktivitäten erfasst. BP betreibt in den USA Windparks mit über 1.000 MW installierter Leistung und ist außerdem bei Biokraftstoffen aktiv. BP war vor Jahren auch einer der größten Solarzellenhersteller der Welt. Die Solaraktivitäten sollen aber aufgrund des derzeit heftigen Preiskampfes aufgegeben werden.

Das Upstream Geschäft ist es letztlich, dass mich an BP und anderen Ölkonzernen interessiert und das ist es auch, das den Löwenanteil zum Gewinn beiträgt. Im ersten Quartal verteilte sich der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Konsolidierung wie folgt auf die Segmente:

  1. Upstream 6,3 Mrd. USD (79%)
  2. Downstream 0,9 Mrd. USD (12%)
  3. TNK-BP 1,2 Mrd. USD (15%)
  4. Sonstige & Konzern -0,4 Mrd USD (-5%)

Bilanz

Die offizielle Eigenkapitalquote beträgt 39% der Bilanzsumme. Ich habe standardmäßig noch den Goodwill von rund 12 Mrd. USD rausgerechnet und unterstellt, dass die Pensionsverpflichtungen doppelt so hoch sind wie ausgewiesen (zusätzliche 10,5 Mrd USD). Beides sind reine willkürliche Vorsichtsmaßnahmen von mir ohne tiefgründige Ermittlung. Auf dieser vorsichtigeren Basis ergibt sich noch ein Eigenkapital von 96 Mrd. USD und eine rechnersiche Eigenkapitalquote von 32%. Die Finanzschulden sind dabei nicht der Grund für die in meinen Augen etwas entäuschend niedrige Eigenkapitalquote. Sie betragen nur 38,5 Mrd. USD. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind mit rund 54 Mrd. USD wesentlich größer. Denen stehen allerdings auch Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 41,4 Mrd. USD gegenüber. Rückstellungen, latente Steuern und Pensionsverpflichtungen sind zusammen auch höher als die Finanzschulden.

Der Deepwarter Horizon Unfall hat das Ergebnis von BP seit dem Vorfall mit rund 37 Mrd. USD belastet. Ich gehe davon aus, dass ich hier keine zusätzlichen Abschläge vornehmen muss. Zum einen denke ich, dass BP keinen Anreiz hatte die Zahlen zu niedrig zu schätzen (lieber direkt so schlecht wie möglich, um danach wieder gute Zahlen zu präsentieren) und zum anderen glaube ich, dass sich viele Zahlungen noch viele Jahre hinziehen werden, da BP sich im Zweifel gerichtlich gegen Zahlungen zur Wehr setzen wird, wie Exxon damals bei dem Supertanker Unfall der Exxon Valdez in Alaska.

Bewertung

Früher bin ich davon ausgegangen, dass die Ölpreise über längere Sicht stärker steigen werden als die Produktionskosten, da die Nachfrage schneller steigt als das Angebot bzw. weil das Angebot früher oder später garn nicht mehr steigen wird. Selbst wenn ein Ölkonzern dann auch die Produktion langfristig nicht mehr vollständig durch neue Reserven decken kann, wird man nicht viel falsch machen, wenn man die Aktien mit einem einstelligen KGV kauft (aktuell 6,5). Nachdem ich nun aber für den vorherigen Öl- und Gas Artikel recherchiert habe, ist mir klar geworden, dass es zwar so kommen kann, aber in den nächsten ein oder zwei Dekaden durchaus noch nicht sicher ist. Für mich ist jetzt genauso vorstellbar, dass es zu einem klassischen Schweinezyklus kommt, also so massiv in Alternative Quellen wie Tiefsee, Schieferöl und Ölsand investiert wird, so dass das Angebot schneller wächst als die ohnehin nur noch langsam steigende Nachfrage. Sollte es wieder Global zu Rezessionen kommen oder in China das Wachstum stark zurückgehen, käme der Preis auch noch von der Nachfrageseite unter Druck.

Ich weiß nicht, ob es genug öffentliche Informationen gibt, um selber eine detaillierte Bewertung von BP zu versuchen. Da sämtliche Tabelen im Jahresabschluss für viele Jahre rückwirkend als Excel Tabelle bereit gestellt werden, wäre die Ausgangsbasis zumindest nicht schlechter als bei vielen anderen Unternehmen. Da das Ergebnis letztlich aber extrem stark von den Öl- und Gaspreise getrieben ist, bringt das aus meiner Sicht aber trotzdem nicht viel, jedenfalls nicht genug für die Stunden an Aufwand die ich da reinstecken müsste. Ich habe deshalb eine einfache alternative Berechnung angestellt. Ich denke, dass die Produktionskosten neuer Quellen und der Staatshaushalt großer Produzenten wie Saudi Arabien dafür sprechen, dass der Ölpreis im längerfristigen Durchschnitt 90 USD pro barrel nicht unterschreiten wird. Dem ersten Quartal 2012 von BP liegt ein Preis von 108 USD zu Grunde. Ich habe es mir nun einfach gemacht und den Gewin einfach so gekürzt, als ob der Preis 18 USD niedriger gewesen wäre, bei ansonsten unveränderten Kosten und Gewinnen in den sonstigen Geschäftsfeldern. Auf der Basis komme ich zu einem Gewinn von rund 8 Mrd. USD pro Jahr. Zum Vergleich alleine im ersten Quartal 2012 hat BP einen Gewinn von 4,8 Mrd. USD ausgewiesen. Der Hebel durch den Ölpreis ist also enorm. Wenn man hier vorsichtig sein will, sinkt der Kurs, den man für die Aktie bezahlen sollte entsprechend deutlich. Andererseits hätte ich nichts dagegen auf dieser aus meiner Sicht vorsichtigen Basis ein KGV von 10 zu akzeptieren, das steigert den Preis dann wieder. Letztlich komme ich mit meinen behelfsmäßigen Rechnungen auf einen Kurs von um die 4 Euro pro Aktie. Aktuell notiert sie bei 5,6 Euro.

FAZIT

Mit der Aktienanleihe, die oben angegeben ist und die der Anlass war Öl- und Gas mal wieder genauer anzuschauen, würde man einen Kurs von ca. 4,80 Euro pro Aktie akzeptieren. Damit liegt die Aktienanleihe ziemlich genau zwischen meinem Wunschkurs und dem tatsächlichen Kurs. Sollten 4,8 nicht unterschritten werden, erzielt man eine Rendite von rund 4,8%. Als ich beschlossen habe mir das ganze näher anzuschauen, waren es noch über 6%. Bei einem Kurs von 4 Euro und 5% Rendite wäre ich dabei gewesen, aber so werde ich weiter suchen müssen. Bei den Ölaktien selbst, habe ich verstanden, dass ich dran bleiben muss, um im richtigen Moment wenn die Kurse unten sind (letztes Jahr hätte man BP für knapp über 4 Euro kaufen können…), eine eigene Meinung zu haben. Dabei gilt es nicht nur die einzelnen Unternehmen sondern auch den Gesamtmarkt im Auge zu behalten. Falls jemand einen guten Newsletter oder blog zu Trends am Öl- und Gasmarkt kennt, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Dieser Eintrag wurde am 14.7.2012 um 12:49 verfasst und befindet sich in Analysen. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.

3 Antworten auf “BP”

  1. Ulrich sagt:
    15.7.2012 bei 18:31

Die Schweinezyklus-Vermutung ist eine wohl leider mögliche Theorie. Der Markt scheint für die Ölkonzerne einiges an Risiken zu sehen.

Die Aktien-Anleihe würde ich auch zu 5% nicht machen. In der Ölindustrie können jeden Moment schlechte News ohne Ende kommen (Umweltkatastrophe, sehr schlechte Wirtschaftsdaten…).

Dein Blog hat eine tolle Substanz!

LG Ulrich

  1. admin sagt:
    16.7.2012 bei 09:56

Der Vorteil einer Aktienanleihe mit großem Abstand zum aktuellen Kurs bietet meiner Meinung nach dem Vorteil, dass etwas mehr Zeit bleibt bei sehr schlechten Nachrichten zu verkaufen. Durch den Puffer reagiert die Anleihe am Anfang weniger stark als die Aktie. Man muss dann nur konsequent sein, das habe ich bei meiner e.on Anleihe gelernt. Da hätte ich sofort nach Fukushima mit minimalem Verlust verkaufen können, stattdessen habe ich versucht es auszusitzen und habe am Ende die Aktien bekommen, die ich auf dem Niveau in der dann veränderten Welt gar nicht mehr wollte.
Ich sehe die Akienanleihen als Alternative zu Tages- oder Festgeld, mit denen man nicht mal die Inflation abdeckt. Wenn die Lage der Märkte oder des Unternehmens wesentlich von der beim Kauf abweicht, muss man sofort wieder raus, aber so lange sie halbwegs stabil bleibt, wäre das eine Alternative zu reinen festverzinslichen die nicht genug bringen. Leider gibt es kaum welche mit so viel Abstand auf den aktuellen Kurs, wie ich mir das wünschen würde.

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