Buch: Richtig recherchieren

von Matthias Brendel et al.

Ich investiere und ich blogge hier darüber. Normalerweise geht es in den Büchern, die ich hier vorstelle, um Investoren oder das Investieren. Im Programm vom Frankfurter Allgemeine Buchverlag habe ich aber ein Buch entdeckt, das mich als Blogger und nicht als Investor interessiert hat. „Richtig recherchieren“ richtet sich eigentlich an Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter, aber manche Teile sind auch für Blogger interessant.

Die Autoren

Der Hauptautor Matthias Brendel arbeitet seit über 30 Jahren als investigativer Journalist u.a. für Der Spiegel, Focus, Welt am Sonntag und Bild am Sonntag. Seit 1998 unterrichtet er außerdem an Journalistenschulen und gründete 2006 die Recherche Akademie in Hamburg.

Das Buch ist mit mehreren Co-Autoren entstanden:

Frank Brendel ist ebenfalls Journalist und Dozent.

Die auf das Medienrecht spezialisierten Juristen Dr. Christian Schertz und Helge Reich haben das Kapitel „Rechtliche Aspekte der Recherche“ geschrieben.

Henk van Ess ist Internet und Social Media Spezialist und hat wesentlich zum Kapitel „Recherchieren im Internet“ beigetragen.

Richtig recherchieren

Für mich ist das Internet meine fast ausschließliche Informationsquelle. Das Buch zeigt auf, dass es für klassische Journalisten viel mehr potentielle Quellen gibt, die man hier und da vielleicht auch als Blogger bedenken könnte. Dazu zählen z.B. Behörden, Verbände und Universitäten.

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Buchs liegt auf der Identifizierung von und dem Umgang mit menschlichen Quellen im direkten Kontakt. Es gibt aber auch ein Kapitel über die Recherche im Internet Recherche, das einige für mich neue praktische Tipps enthält. So kann man z.B. die Suche erleichtern, in dem man einschränkt auf welchen Webseiten Google suchen soll. Das geht mit dem Zusatz „:site:“ hinter dem Suchbegriff. Wenn man z.B. nach einer europäischen Regulierung sucht, kann so mit site:.eu die Suche auf die Seiten der Europäischen Institutionen einschränken.

Interessant fand ich auch das Kapitel mit den rechtlichen Grundlagen der Recherche, denn hier geht es nicht nur darum unter welchen Umständen Journalisten bestimmte Vergehen begehen dürfen (z.B. verdeckte Kamera) sondern auch darum, welche Informationsrechte Journalisten im Speziellen und jeder Bürger im Allgemeinen hat. Die meisten Bundes- und Landesbehörden sind über Informationen, die dort vorliegen, Auskunftspflichtig. Das Buch bereitet gut verständlich auf, wer was darf, wie man das beantragt, was es kostet und unter welchen Umständen die Informationen verweigert werden dürfen. Mir fällt zwar spontan kein Beispiel ein, wo ich eine solche Informationsanfrage mal bei einer Recherche gebraucht hätte, aber es ist gut das mal im Hinterkopf zu behalten. Vielleicht kann ich das doch mal nutzen.

FAZIT

Aus dem Buch habe ich den Eindruck gewonnen, dass für Journalisten nicht die Lektüre sondern das Gespräch die Hauptinformationsquelle dazustellt. Etwas erschreckend fand ich dabei sogar folgendes Zitat: „So eine Vorlage kann einen Umfang von 25 Seiten, aber auch von 150 Seiten haben. Ein Journalist hat für das Durchlesen weder des einen noch des anderen Dokuments die Zeit, die braucht er auch nicht.“ Keine Zeit 25 Seiten zu lesen, um über ein Thema vermeintlich fundiert zu schreiben? Mein Anspruch ist da ein anderer. 150 Seiten lese ich zwar meistens auch nicht Wort für Wort, aber ich lese relevante Dokumente zumindest quer, um zu identifizieren, wo sich etwas Wichtiges verbergen könnte.

Unabhängig davon hält das Buch was der Titel verspricht. Es geht das Thema Recherche sehr systematisch an und stellt damit einen guten Leitfaden für alle dar, die darin noch keine Experten sind.

Ganz praktisch nehme ich aus dem Buch nicht fürchterlich viel mit, aber ganz interessant fand ich es trotzdem.

Kaufen kann man es entweder direkt beim Verlag oder z.B. auch, wie fast alles, bei amazon:

 

 

 

6 Gedanken zu „Buch: Richtig recherchieren

  1. Ferhat

    Hi,

    Interessantes Thema. Ich denke, dass man als Investor bereit sein sollte, die wichtigsten Quellen wirklich auch zu lesen. Allen voran die Geschäftsberichte. Bei meinem eigenen Investments lese ich auch zusätzlich die Quartalsberichte und Ad-Hoc Meldungen.

    Ich finde das von dir genannte Zitat ziemlich erschreckend…

    Viele Investoren da draußen machen es aber wie die Journalisten aus dem Buch. Sie kaufen gerne nach einem bestimmten Namen, informieren sich aber nicht über das aktuelle operative Geschäft und die Aussichten…

    Ich wünsche dir trotzdem viel Spaß beim Investieren.

    Alles Gute,

    Ferhat

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Kannte deinen blog noch nicht und habe gerade mal reingeschaut. Optisch der wohl beste, den ich bisher gesehen habe. Auch der bescheidene Titel gefällt mir! Inhaltlich kann man ja noch nicht viel sagen. Zum ersten Artikel habe ich gerade einen Kommentar hinterlassen. Für die Zukunft wünsche ich dir beim bloggen viel Spaß und beim investieren viel Erfolg.

      Antworten
      1. Ferhat

        Hi Mario,

        Danke. :)

        Ich denke, dass etwas Zurückhaltung beim Investieren gut tut. Ich gebe nicht vor, ein guter Investor zu sein, allerdings ist es tatsächlich mein Ziel weniger schlecht zu sein.

        Habe deinen Blog auch erst vor kurzem gesehen und gleich gemerkt. Ich selber betreibe eine Mischung aus Quant- und Value-Investing und finde daher deinen Blog spannend. :)

        Ich wünsche dir auch alles Gute für die Zukunft und frohes Investieren.

        Cheers,

        Ferhat

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  2. Covacoro

    Hallo Mario,

    schreiben denn die Autoren etwas, wie man vermeidet im persönlichen Gespräch zu sehr durch die Person beeindruckt und von den (kritischen) Fakten abgelenkt zu werden? Oder wie man bei der Internetrecherche vermeidet in der Filterblase zu bleiben und nur die Fakten zu recherchieren, die die eigene (unausgesprochene/unbewußte) Sicht der Dinge bestätigen können? Das ist nämlich gar nicht so einfach … Damit hatte ich mich zu Beginn meines Blogs mal in diesem Artikel beschäftigt:
    https://www.covacoro.de/2015/05/08/schaue-bewu%C3%9Ft-%C3%BCber-den-tellerrand/
    würde aber sicher gern mehr dazu von einem professionellen Journalisten lesen.

    Viele Grüße

    Antworten
    1. Value Mario Artikelautor

      Die von dir angesprochenen Themen finden sich nicht 1:1 wieder. Es gibt aber Abschnitte die in diese Richtung gehen. Zum Beispiel einen Abschnitt über den Umgang mit Experten. Schwerpunkt ist hier aber eher, dass man in solchen Gesprächen nicht durch totale Unwissenheit glänzen sollte, weil man dann schnell die Gelegenheit verspielt wirklich Interessantes zu erfahren. Experten in der Regel einfach keine Lust bei Adam und Eva anzufangen. Es gibt auch ein eigenes Kapitel „Richtig fragen“, aber auch darin, geht es jetzt nicht explizit darum, sich nicht beeindrucken zu lassen.

      Im Kapitel über Internetrecherche geht es eher um technische Tipps und nicht um deine Frage. Es gibt allerdings noch ein Kapital über die Vorgehensweise beim Recherchieren, z.B. das sogenannte Pendeln. Das bedeutet man guckt sich z.B. bei strittigen Themen erst gezielt die Sichtweise der einen Partei an und danach gezielt die Sichtweise der anderen Partei. Das macht man dann ein paar mal hin und her bis man fertig ist. Im Buch wird das Beispiel Planung einer Stadt vs. Bürgerinitiative gegen diese Planung genannt. Man spricht also erst mit dem Bürgermeister. Dann hört man sich die Sichtweise der Bürgerinitiative an und konfrontiert diese mit den Aussagen des Bürgermeisters. Diesen kontaktiert man anschließend noch mal für ein feedd-back auf die Aussagen der Bürgerinititive usw. Auf unsere Themen bezogen, kann man das anwenden, in dem man gezielt nach Gründen gegen ein Investment sucht.

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