Buch: Deep Value

von Tobias E. Carlisle

Anfang des Jahres habe ich das Buch „Concentrated Investing“ vorgestellt und darin schon erwähnt, dass ich auch noch das Buch „Deep Value“ von einem der Autoren auf der Liste hatte. Inzwischen habe ich es gelesen und möchte es heute vorstellen. Überraschend und interessant zugleich fand ich, dass es in dem Buch gar nicht nur um sehr, sehr günstig bewertete Unternehmen geht, sondern gleichzeitig auch um aktivistische Investoren. Der Untertitel „Why Acitivst Investors and Other Contrarians Battle for Control of Losing Corporations“ macht das schon deutlich. Sehr niedrige Bewertungen haben häufig einen Grund und den versuchen aktivistische Investoren dann zu beseitigen. Deshalb macht diese Kombination durchaus Sinn, auch wenn ich da so vorher nicht unbedingt drauf gekommen wäre.

Autor Tobias E. Carlisle

Tobias E. Carlisle ist nicht nur Autor, sondern auch Investor. Wobei seine Firma Eyquem Investment Management nach meiner Recherche mit einem Portfolio von USD 1,3 Mio. wohl eher ein Friends & Family Fonds und kein „richtiger“ öffentlicher Fonds ist. Neben seinen Büchern schreibt Carlisle auch auf seiner Internetseite www.greenbackd.com.

Deep Value

Value Investments sind Investments für die man weniger bezahlt, als ihr innerer wahrer Wert. Viele Value Investoren folgen heute dem Ansatz von Warren Buffett und suchen keine mittelmäßigen Unternehmen zu einem (sehr) günstigen Preis sondern wundervolle Unternehmen zu einem fairen Preis. Bei Deep Value Investments dreht es hingegen darum sehr, sehr günstig einzukaufen.

Das Buch ist eine, wie ich finde, sehr interessante Mischung aus Transaktions-Anekdoten und statistischen Auswertungen. Eine ausführliche Geschichte ist zum Beispiel der Aufstieg von Carl Icahn in den 1970‘er Jahren. Zu den statistischen Auswertungen gehört z.B. der versuch innerhalb des Value Spektrums wundervolle (wachsende, profitable), günstige Unternehmen mit schlechten (schrumpfenden, verlustreichen) aber super billigen Unternehmen zu vergleichen. Zunächst war ich überrascht, dass das die durchschnittliche Rendite von Deep Value Investments über Jahrzehnte gerechnet deutlich über der Rendite von Buffett Style Value Investments liegt. Wenn man mal einen Augenblick darüber nachdenkt, ist es aber nicht mehr so überraschend. Ich und wahrscheinlich mit mir die meisten anderen Investoren bevorzugen Unternehmen, die mindestens stabil sind und gerne auch profitabel sein dürfen und natürlich wachsen. Umgekehrt heißt das aber auch, dass schrumpfende und Verlust machende Unternehmen sogar in der Value Gemeinde eher stiefmütterlich verfolgt werden. Weniger Nachfrage führt aber zu niedrigeren Preisen. Gleichzeitig erholen sich offensichtlich mehr schlecht aussehende Unternehmen als am Ende untergehen (return to the mean), so dass die durchschnittliche Rendite überragend ist.

Statistische Ansätze funktionieren natürlich immer nur, in dem man die Auswahlkriterien auch konsequent umsetzt. Ich setze mich immer mal wieder gerne statistischen Ansätzen aus, aber am Ende des Tages schlägt mein Herz doch für die bottom up Einzelauswahl. Da sind dann diese Ergebnisse interessant, aber nicht alleine ausschlaggebend. So schreibt Carlisle z.B. beim Thema wundervolle Unternehmen zum fairen Preis auch, dass es einen Unterschied macht, ob man das gleiche Talent hat wie Buffett dauerhaft wundervolle Unternehmen zu erkennen oder nicht ;-)

FAZIT

Wie Concentrated Investing ist auch Deep Value aus meiner Sicht ein sehr interessantes für ambitionierte Investoren auf jeden Fall lesenswertes Buch. Wie so viele Investment Fachbücher hat allerdings auch Deep Value einen für etwas über 200 Seiten knackigen Preis und ist nur auf englisch erhältlich.

 

 

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