Corridor Resources – Update nach einem Jahr

 

aktueller Kurs: CAD 0,69

Zu meinem Einstieg bei Corridor Resources habe ich hier vor ungefähr einem Jahr einen Artikel geschrieben.

Es gibt zwar keine laufenden Dividenden, aber der Kurs steht rund 11% höher. Es gibt schlimmere Investments, auch wenn ich mehr Potential gesehen habe. Was relativ unspektakulär klingt, was es aber, wie der folgende Chart zeigt, nicht wirklich:

Quelle: comdirect.de

Im heutigen Artikel will ich, wenn auch verspätet, darauf eingehen was da im Frühsommer passiert ist und meine Bewertung auf Basis der Zahlen für das erste Halbjahr aktualisieren.

Old Harry

Old Harry ist das Offshore Projekt vor der Küste Kanadas. Vor einem Jahr hatte Corridor angekündigt seismische Untersuchungen durchzuführen und im positiven Falle Partner zu suchen, um die für das Unternehmen alleine viel zu hohen Summen tatsächlicher Bohrungen zu stemmen. Mein Fazit zu Old Harry war:

Dieses Projekt hat in meinen Augen das Potential zu einem riesigen Hebel für Corridor zu werden. Einerseits könnte die vorhandene Liquidität hier erfolglos versenkt werden und andererseits könnte sich der Wert nach einer erfolgreichen Exploration vermutlich vervielfachen.“

Für meine Bewertung habe ich es mit Null angesetzt. Wie der Chart zeigt, sahen das am Markt im ersten Halbjahr 2018 viele anders. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass in Kanada wohl spekuliert wurde, dass die seismischen Untersuchungen sehr gut ausfallen könnten, was den Kurs im Mai und Juni so nach oben katapultiert hat. Wie der Chart schon zeigt, kam es am 11. Juni anders. Das Unternehmen teilte mit, dass die geologischen Bedingungen viel komplizierter sind als erwartet, man nunmehr mit einem viel höheren Gas und geringerem Ölanteil rechnen muss und weiterhin noch keine Joint Venture Partner finden konnte. Als Konsequenz daraus wird Corridor ohne eine angestrebte Verlängerung der Lizenz durch die zuständigen Behörden und ohne Joint Venture Partner keine nennenswerten Investitionen mehr für Old Harry vornehmen.

Für mich war es natürlich schade, dass ich Anfang Juni keine Gewinne mitgenommen habe. Drüber nachgedacht hatte ich, da mein Mindestwert zu dem Zeitpunkt um 20% bis 30% überschritten war. Letztlich glaube ich, dass ich im Sinne von stringenten Investmentregeln trotzdem richtig gehandelt habe. Ich wollte abwarten, bis mir neue Informationen vorliegen. Falls die Untersuchungen positiv ausgefallen wären, hätte der Kurs noch mal richtig nach oben schießen können. Nach unten sah ich hingegen kein großes Risiko, da ich ja auch ohne Old Harry auf zumindest ähnliche Werte kam.

Corridor Bewertung 2018

Abgesehen von Old Harry sind die Geschäfte von Corridor im vergangenen Jahr gut gelaufen. Das ist in erster Linie auf stark gestiegenen Gaspreise zurückzuführen, aber auch auf die Strategie die Gasförderung in die Wintermonate zu verschieben, in denen die Preise besonders hoch sind. Deshalb stellt sich jetzt die Frage, ob die Bewertung nicht wieder mindestens so attraktiv ist wie vor einem Jahr.

Dazu habe ich mein grobes Schema noch mal aktualisiert. Nach Abzug sämtlicher Verbindlichkeiten verfügt Corridor über eine Liquidität von rund CAD 46 Mio. Das entspricht 75% der aktuellen Börsenkapitalisierung. McCully das einzige operative Gasfeld hat aber definitiv auch einen Wert. Das Unternehmen operiert bevorzugt mit dem 10% Barwert, während ich aus Vorsichtsgründen den 20% Barwert bevorzuge. So oder so werden diese Werte unterjährig nicht aktualisiert. Ich habe deshalb den Wert zum 31.12.2017 genommen und um den Verbrauch der Resourcen gemäß GuV reduziert. Auf dieser Basis komme ich auf einen Unternehmenswert von rund CAD 83 Mio und damit liegt meine Bewertung wie vor einem Jahr wieder mehr als 30% über der aktuellen Börsenkapitalisierung von CAD 61 Mio.

Bei meiner Bewertung habe ich, wie meistens, eine ganze Menge Bilanzpositionen ignoriert, weil ich deren Wert nicht beurteilen kann. Der Buchwert pro Aktie liegt deshalb mit CAD 1,33 deutlich über meinem Wert und fast doppelt so hoch wie der aktuelle Börsenkurs. 

Katalysator

Im letzten Jahr habe ich als Katalysator für einen Kursanstieg angeführt, dass bereits zwei aktivistische Investoren rund 31% der Aktien halten. TCI ist immer noch im Board of Directors, deshalb gehe ich davon aus, dass die auch immer noch investiert sind. Lloyd Miller III konnte ich nicht verifizieren, habe aber auch keinen Hinweis gefunden, dass er nicht mehr dabei ist.
Möglicherweise geht ein neuer wesentlich konkreterer Katalysator schon auf diese beiden Investoren zurück. Die Gesellschaft plant bis spätestens August nächsten Jahres 10% der ausstehenden Aktien zurückzukaufen. Ich denke das hat das Potential den Kurs nennenswert nach oben zu bewegen. Wenn die beiden Großaktionäre keine Aktien zum Rückkauf anbieten, würde die vorhandene Liquidität theoretisch sogar für ein going private reichen. Das ist natürlich eher nicht realistisch, verdeutlicht aber in meinen Augen, wie viel Potential das Unternehmen hat den eigenen Aktienkurs positiv zu beeinflussen.

FAZIT

Meine Position war von Anfang an relativ groß, aber ich habe mich trotzdem entschlossen noch mal ein paar Aktien nachzukaufen. Old Harry hat sich zwar nicht als werthaltig herausgestellt, aber das Risiko, dass hier viel Geld in Explorationen verpulvert wird, ist auch bedeutend gesunken. Insgesamt halte ich die Bewertung von Corridor Resources deshalb heute für noch etwas besser als vor einem Jahr. Mir ist dabei bewusst, dass in einer Zerschlagung, die ich ja bei meiner Bewertung unterstelle, Kosten anfallen und die Erlöse wegen schlechter Verhandlungsbasis nicht immer optimal sind. Trotzdem ist die Bewertung für mich ein wichtiger Anhaltspunkt und ich plane dieses mal auch vorsichtiger Gewinne mitzunehmen, sobald der Kurs wieder auf 80 bis 90 Canada Cent steigt. Die Notwendigkeit auf Informationen zu Old Harry zu warten, hat sich ja praktisch auch erledigt.

 

4 Gedanken zu „Corridor Resources – Update nach einem Jahr

  1. Pingback: der nächste Crash kommt bestimmt | Value Shares

    1. Value Mario Beitragsautor

      Ich habe den Artikel gerade mal überflogen und fand die Idee tatsächlich interessant. Allerdings glaube ich, dass der Autor bei den Möglichkeiten des Staates zu kurz denkt. Warum jetzt verstaatlichen, wenn man warten kann, bis die Produktion läuft? Warum nicht auf eine Verstaaltichung verzichten, aber den Produzenten zwingen zu festgelegten Lira Preisen an einheimische Nutzer zu verkaufen? Oder eine simple Sondersteuer? Es gibt 1.001 Möglichkeiten und andererseits kann es tatsächlich sein, dass die Krise lange vorbei ist, bis da produziert wird. Ich behalte es mal im Hinterkopf, aber momentan ist meine Tendenz noch die Finger von der Türkei zu lassen.

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      1. physikus

        Tatsächlich meinte ich das unabhängig von der Türkei. Zum Beispiel wurden die Gaspreise in Lira immer wieder angehoben.

        Die anderen Artikel sind vielleicht etwas aufschlussreicher, letztendlich sitzt Valeura auf einem riesigen Gasfeld und hat Statoil im Rücken.

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