Buch: Das Family Office

von: Boris Canessa, Jens Escher, Alexander Koeberle-Schmid, Peter Preller und Christoph Weber

Ein Family Office ist eine Organisation die sehr wohlhabende Familien/Personen beim Erhalt und der Mehrung ihres Vermögens unterstützen. Das Buch zu diesem Thema, dass ich heute vorstellen möchte, habe ich aus zweierlei Gesichtspunkten gelesen:

1) Ich bin seit 20 Jahren Investment Professional und schwärme seit längerem für die Idee für ein Family Office zu arbeiten.

2) Ich bin zwar kein potentieller Family Office Kunde, war aber gespannt zu lesen, ob man sich auch für kleinere Vermögen das eine oder andere abschauen kann.

Autoren

Ein Buch von 5 Autoren liest man selten, aber in diesem Fall macht das durchaus Sinn, denn es soll sich um einen Praxisleitfaden handeln und die 5 Autoren haben alle seit Jahren mit Family Offices Erfahrung und zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Boris Canessa

Herr Canessa vertritt in dem Buch sozusagen die Inhaber/Mandanten. Er ist selber Mitglied einer Unternehmerfamilie mit DAX Bezug und gründete 2005 zusammen mit anderen Familienmitgliedern ein Single Family Office. Er ist außerdem Vorstandsmitglied im Verband unabhängige Family Offices.

Dr. Jens Escher

Dr. Escher ist Anwalt und Steuerberater bei KPMG und auf die Bereiche Nachfolge, Vermögensstrukturierung und Stiftungen spezialisiert.

Dr. Alexander Koeberle-Schmidt

Dr. Koeberle-Schmidt ist ebenfalls bei KPMG tätig. Er ist Wirtschaftsmediator und Business Coach mit den Schwerpunkten Unternehmens- und Familienstrategie, Familienverfassungen, Nachfolgegestaltungen, Beiratskonzeptionen, Family Office Einrichtung und Governance Strukturen.

Peter Preller

Herr Preller arbeitet an meinem Wohnort Bad Homburg beim Multi Family Office der Familie Harald Quandt. Er ist dort Senior Kundenberater.

Christoph Weber

Herr Weber ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer des WSH Family Office in Düsseldorf.

Family Office

Das Buch erläuter klar verständlich was ein Family Office ist, was es üblicherweise macht und worauf bei wichtigen Themen geachtet werden sollte. Jedes Kapitel stammt dabei von einem bis zwei der Autoren.

Grundsätzlich ist bei Family Offices zwischen Single Family Office und Multi Family Office zu unterscheiden. Wie der Name schon sagt, ist ersteres alleine für eine Familie tätig. Das hat den Vorteil, dass keine Interessenkonflikte entstehen können und alles maßgeschneidert werden kann. Andererseits fallen so höhere Kosten an und man „kocht im eigenen Saft“. Bei Multi Family Offices können sich mehrere Familien zusammentun, um die Kosten zu teilen. Häufiger ist aber der Fall, dass die Familien „nur“ Kunden sind und das Unternehmen dem Management oder einem fremden Dritten gehören. Fremde Dritte können insbesondere Bank- und Versicherungskonzerne sein, wobei ich mich immer schon gefragt habe, ob Family Offices in Finanzkonzernen wirklich ihren Namen verdienen oder nicht doch nur eine Vertriebsabteilung für die Produkte des Konzerns sind. Auch in dem Buch werden sie überwiegend skeptisch gesehen, weil Interessenkonflikte vorprogrammiert sind. Genau die Vermeidung von Interessenkonflikten ist aber ein Hauptgrund ein Family Office zu nutzen, sofern man denn dafür über genügend Kapital verfügt. Wie viel genügend ist, kann man nicht klar definieren, aber ein dreistelliger Millionenbetrag sollte es wohl schon sein.

Meine Fragen

1) investieren für ein Family Office?

Bezüglich meiner Vorstellung gerne mal für ein Family Office antizyklisch und ohne Modetrends zu investieren, wurde ich durch das Buch desillusioniert. Ich habe etwas gelernt, was durchaus Sinn macht, wenn man mal darüber nachdenkt. Die meisten Family Offices investieren gar nicht direkt selber, sondern sie konzentrieren sich stattdessen meistens darauf die externen Vermögensverwalter und Fondsmanager auszuwählen und laufend zu überwachen. Sinn macht das tatsächlich, weil wohl nur die allerwenigsten Family Offices so groß sind, dass sie über mehrere Anlageklassen hinweg (Aktien, Anleihen, Immobilien usw.) die besten Profis anlocken und sinnvoll beschäftigen könnten.

Andererseits gibt es allerdings über die Vermögensanlage hinaus noch eine Reihe von weiteren wichtigen Aufgaben, um das jeweilige Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten. Dazu gehören z.B. Familienverfassung, Nachfolge und Erbschaft, Mediation bei Konflikten (zwischen den Generationen oder Familienstämmen), Vermögenscontrolling und -reporting, Betreuung von Stiftungen, Koordination von Rechts- und Steuerberatern und zum Teil auch Dienstleistungen, die der Bequemlichkeit dienen, wie z.B. Reisen und Events organisieren. Zu diesen Aufgaben könnte ich mit meiner bisherigen Erfahrung auch einiges beitragen, so dass ich trotzdem gespannt bleibe, ob sich irgendwann mal der Kontakt zu einem Family Office ergibt, mit dem ich auf der gleichen Wellenlänge liege.

2) Lehren für den vermögenden Privatanleger?

Für meine persönliche Vermögensverwaltung habe ich aus dem Buch leider keine Tipps&Tricks mitgenommen. Das hat es aber auch nicht versprochen. Das was es verspricht, einen praktischen Leitfaden zum Thema zu bieten, erfüllt es in meinen Augen sehr gut. Auch wenn man danach sicherlich noch viele Berater einschalten und Gespräche führen muss, hat man durch das Buch doch zumindest viele Punkte die bedacht werden sollten.

FAZIT

Das Buch behandelt ein sehr spezielles Thema, das wohl nur dann interessant ist, wenn es schon vorher, wie für mich, eine gewisse Faszination ausübt oder wenn man zu den Glücklichen gehört, für die das Thema von praktischer Relevanz ist. Für diese zugegeben kleine Zielgruppe ist das Buch meiner Meinung nach empfehlenswert.

 

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