Aercap Nachkauf

aktueller Kurs: 42,23 USD

Grundsätzlich kaufe ich Aktien gerne mit einem deutlichen Abschlag auf den inneren Wert. Bei Aercap bin ich in der Vergangenheit allerdings schon gut gefahren, wenn ich die Aktie mal zu dem von mir errechneten Wert bekommen habe. Der folgende Chart zeigt, dass ich damit trotz der fehlenden margin of safety in dem Zeitraum in dem ich hier schon über Aercap schreibe, gute gefahren bin. Ich habe dabei nicht immer die gleiche Anzahl von Aktien gehalten, sondern je nach Börsenkurs im Vergleich zu meiner Bewertung ge- und verkauft.

Quelle comdirect

Den jüngsten Kursverfall ganz rechts, kann mit im Chart des letzten Monats noch besser erkennen:

Quelle comdirect

Ist es jetzt wieder Zeit einzukaufen?

Auslöser des Kursverfalls

Die blaue Kurve in dem Chart oben ist der Dow als Stellvertreter für den allgemeinen Markt. Man kann dadurch sehen, dass der Rückgang zwar dem allgemeinen Trend folgt, aber noch stärker ausfällt. Unternehmensspezifische Gründe, die dies eindeutig erklären können, habe ich nicht, aber ich spekuliere mal, woran es liegen könnte:

News von Aercap

Am 17.12 wurde bei der SEC gemeldet, dass Waha Capital 1,2 Mio. Aktien im Rahmen einer größeren, strukturierten Finanzierung, die seit 2014 läuft, verkauft hat. Das entspricht fast einem Prozent der Aktien und könnte den Trend verstärkt haben. Dabei war die andere spezifische Nachricht des Unternehmens vom 07.12. eine positive. Das Board of Directors hat nämlich beschlossen bis Ende März 2019 nochmals für bis zu 100 Mio. Dollar eigene Aktien am Markt zurückzukaufen. Traditionell kauft Aercap eher Aktien zurück als eine Dividende zu zahlen. So lange die Rückkäufe unter Buchwert erfolgen, macht das auch absolut Sinn.

Ich habe in den letzten Quartalen sogar so etwas wie einen kleinen Rhythmus erkannt. Die Aktien dümpelten immer vor Bekanntgabe der neuesten Zahlen vor sich hin. Ich vermute, weil das Unternehmen da aufgrund von Insider Regeln nicht kaufen darf. Nach dem die Zahlen raus waren und zeigten, dass der Buchwert pro Aktie wieder gestiegen ist, stieg danach auch wieder der Kurs. Zum einen vielleicht aufgrund der guten Zahlen und zum anderen, so spekuliere ich, weil das Unternehmen wieder Aktien zurückkaufen konnte. Seit 2015 wurden 35% aller Aktien zurückgekauft. Aercap selbst ist also der größte Nachfrager nach den eigenen Aktien. Die jüngst angekündigten 100 Millionen reichen zum aktuellen Kurs, um noch mal rund 2% der Aktien zurückzukaufen. Also rund doppelt so viel wie Waha verkauft hat.

News von der Konkurrenz

Konkurrent Aircastle hat am 10. Dezember bekannt gegeben, dass es 11 Flugzeuge von Avianca Brazil vorzeitig wieder in Besitz nehmen will bzw. muss, weil die Fluggesellschaft mit Zahlungen in Rückstand ist. Avianca Brazil war dabei nicht irgendein Kunde für Aircastle sondern der einzige mit mehr als 6% des Flottenbuchwerts. Trotzdem denke ich, dass sich die Auswirkungen in Grenzen halten werden, denn 10 der 11 Flugzeuge sind Airbus A320 für die es eine hohe Nachfrage gibt und auch für die erst 4 Jahre alte A330-200 wird sich sicherlich ein neues Heim finden lassen, wenn auch in dem Fall möglicherweise zu einer niedrigeren Rate.

Häufig korrelieren Aktien einer Branche auch bei spezifischen Nachrichten eines einzelnen Unternehmens. Nach dem Motto, wenn Aircastle Probleme mit einem wichtigen Leasingnehmer hat, hat Aercap demnächst vielleicht auch welche. Das könnte hier auch so gewesen sein und den ohnehin negativen Trend verstärkt haben.

Steigende Zinsen und abschwächende Konjunktur

Ich bin mir nicht sicher, habe aber den Eindruck, dass der Kapitalmarkt die Zinssensitivität von Flugzeugleasinggesellschaften überschätzt. Zwar haben diese viel Fremdkapital und somit stark steigende Kosten, wenn die Zinsen steigen, allerdings ist für die Fluggesellschaften der Kauf eines Flugzeugs die Alternative zum Leasing. Diese Alternative wird mit steigenden Zinsen auch teurer, so dass die Leasingraten steigen können, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit leided. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sich bei steigenden Zinsen die Spreads zwischen stärken und schwächeren Bonitäten wieder ausweiten, was für Aercap sogar gut sein dürfte.

Auch eine „normale“ Rezession sollte eigentlich wenig ausmachen. Die Flugzeuge sind für mehrere Jahre verleast und auch die kommenden Auslieferungen sind vertraglich in trockenen Tüchern. Selbst wenn die eine oder andere Fluggesellschaft ausfallen sollte, halte ich den Abschlag des letzten Monats nicht für gerechtfertigt.

Eine ausgewachsene Krise der Luftfahrt oder gar der Weltwirtschaft hätte natürlich auch gravierendere Auswirkungen, aber wenn ich die unmittelbar befürchten würde, müsste ich so ziemlich alles verkaufen. Mittel- bis langfristig will ich allerdings trotzdem im Auge behalten, ob ein neuer Zyklus mit steigenden Zinsen den Trend immer weiter steigender Passagierzahlen ein Ende bereiten kann, weil mit steigenden Zinsen und vielleicht auch noch steigenden Treibstoffkosten auch die Ticketpreise steigen müssten. Auch eine CO2 Steuer kommt als Gefahr in Betracht.

Günstige Bewertung?

Ich aktualisiere in jedem Quartal meine rudimentäre Bewertung für Aercap, damit ich reagieren kann, wenn der Kurs, wie gerade, mal signifikant fällt.

Für Aercap stütze ich mich auf die Buchwerte und rechne aus der Bilanz lediglich einige Positionen heraus. Da Aercap bei Flugzeugverkäufen ziemlich konsistent Gewinne erzielt, ist meine Annahme, dass die Buchwerte eine halbwegs konservative Bewertung sind. Der komplette Buchwert pro Aktie lag zum Ende des dritten Quartals bei etwas über 60 Dollar pro Aktie. Nach meiner Korrektur bleiben noch 50 Dollar übrig. Der aktuelle Kurs entspricht im Vergleich zu letzterem einem Abschlag von 16%. Man sollte sich darüber aber nicht zu sehr freuen, denn durch den hohen Fremdkapitalanteil entspricht dieser Abschlag gleichzeitig nur einem Abschlag auf den Wert der Flotte von 3,5%.

FAZIT

3,5% auf das Flugzeugportfolio gerechnet sind bei den mir zur Verfügung stehenden Informationen im Grunde eine Rundungsungenauigkeit. Andererseits war ich in der Vergangenheit schon froh, wenn ich überhaupt zu dem von mir errechneten Wert kaufen konnte.

Ich habe deshalb heute meine Aercap Position etwas aufgestockt und würde noch mal nachkaufen, sollte der Kurs ohne negative News weiter stark sinken.

7 Gedanken zu „Aercap Nachkauf

    1. Value Mario Beitragsautor

      Ich hätte gehofft, dass am Markt noch mehr Leute so kurz springen wie du und ich noch mal richtig günstig nachkaufen kann. ;-) Ist leider nicht passiert der Kurs ist gestern sogar um 4,6% gestiegen.

      Antworten
      1. benny

        Spannend wird es doch erst, wenn es wirklich Software-Probleme waren. Dann müsste Boeing wahrscheinlich sehr viele Tests vorlegen damit die Maschinen wieder fliegen dürften. Und dann stehen viele Maschinen a 100 mio in der Gegend rum.

        Ich denke, dass es erst der Beginn einer Flugzeug-Krise ist.

        Antworten
    1. Value Mario Beitragsautor

      Bei größeren Ausschlägen suche ich immer mal wieder nach News, aber bei den meisten Werten gibt es keinen spezifischen Grund, den man in den News findet. Bei Aercap war es auch so, danach hat der Kurs auch schon wieder etwas nachgegeben. Es wurde gemeldet, dass Großaktionär Waha Aktien verkauft hat. Als das endete war vielleicht Verkaufsdruck weg oder das Unternehmen hat wieder Aktien zurückgekauft. Das sind aber alles nur Spekulationen. Letztlich weiß ich es nicht und lasse mich von so kurzfristigen Bewegungen nicht verrückt machen.

      Antworten
    1. Value Mario Beitragsautor

      Ich werde mir die Zahlen auf jeden Fall spätestens in der kommenden Woche anschauen. Das mache ich im übrigen gerade bei Aercap in jedem Quartal, auch wenn ich nicht jedes Mal darüber schreibe. Kein Artikel ist in sofern für mich wie ein „Halten“ Urteil eines Analysten. Einen Artikel gibt es dann meistens nur, wenn ich für ich kaufe oder verkaufe. In Ausnahmen mal, wenn etwas passiert, dass ich für besonders wichtig erachte.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.