Euronav und DHT – Charterraten explodieren

Kurs Euronav: 9,60 EUR

Kurs DHT: 6,50 EUR

Ich habe 2017 in Euronav investiert und bei DHT aufgestockt, weil sich die Preise für Rohöl-Tanker in der Nähe ihrer historischen Tiefststände befanden. Aus meiner Sicht ergab sich die Chance für einen klassischen Einstieg im zyklischen Tief in einem Segment in dem ich weniger weltwirtschaftliche Sorgen bzgl. der Nachfrage habe als bei Bulkern und Containern.

Meine Einschätzung war grundsätzlich nicht falsch, brauchte aber auch Geduld, denn es wurden im letzten und Anfang diesen Jahres immer noch mehr Tanker neu ausgeliefert als eigentlich gebraucht wurden. Das verhinderte eine nachhaltige Verbesserung. Stattdessen kam es nur zu sehr starken kurzfristigen Schwankungen. Kräftigen Erholungen mit sehr profitablen Charterraten standen im Jahreszyklus deshalb teilweise auch Charterraten gegenüber, die kaum die laufenden Kosten decken konnten. Die Aktienkurse stiegen deshalb bis zum Sommer nicht so sehr an, wie ich das erhofft hatte.

DHT Chart – Quelle comdirect
Euronav Chart – Quelle comdirect

Wie man dann in den Charts sieht, ging es dann jetzt ganz schnell doch noch deutlich nach oben.

Explosion der Charterraten für Tanker

Bevor ich vielleicht sogar überlegt hätte, ob der nächste zyklische Aufschwung erst mal ausbleibt, wollte ich auf jeden Fall die Einführung von IMO 2020 abwarten. Unter IMO 2020 wird die internationale Vorschrift verstanden, dass Schiffe ab 2020 nur noch mit Treibstoffen mit maximal 0,5% Schwefelgehalt betrieben werden dürfen. Derzeit sind es noch 3,5%. Diese Vorschrift kann man durch den Kauf entsprechender (teurerer) Treibstoffe einhalten oder mit einer technischen Lösung, den sogenannten Scrubbern. Diese sind technisch und finanziell umstritten und mir fehlt das know-how für eine eigene Meinung. Sicher ist allerdings, dass sie in viele große Schiffe eingebaut werden und diese deshalb für einige Wochen in die Werft müssen. Das Angebot reduziert sich also zumindest temporär. Dieser Effekt hat den jüngsten Kursanstieg vielleicht/wahrscheinlich unterstützt, aber der entscheidende Impuls kam aus einer für mich für nicht einzuschätzenden Quelle: US Präsident Donald Trump.

Die US Regierung hat Sanktionen gegen die chinesischen Reederei COSCO erlassen, weil diese vermeintlich oder tatsächlich gegen die US Sanktionen gegen den Iran verstoßen hat. COSCO ist aber eine der größten Reedereien der Welt nicht für Container sondern auch für Tanker und somit ist das Angebot an Riesentankern (VLCC) auf einen Schlag um rund 5% reduziert worden. Das genügte um das Überangebot in ein Defizit umschlagen zu lassen und die Charterraten sind von teilweise weniger als 30.000 USD am Tag im Sommer vor ein paar Tagen schon auf über 100.000 USD gestiegen. Heute habe ich gelesen, dass die Raten teilweise schon 300.000 USD übertroffen haben. Das ist das höchste Niveau seit der Lehman Pleite.

FAZIT

Im Vergleich zu den Charterraten sind die Aktienkurse natürlich nur wenig gestiegen. Das macht aber auch Sinn, weil man ja nicht weiß, wie lange die Sanktionen anhalten.

Für mich kommt erschwerend hinzu, dass ich aktuell keinen Zugriff mehr auf die Bewertungen von VesselsValue.com habe und Mintzmyer jüngst auf seekingalpha geschrieben hat, dass DHT und Euronav schon über dem NAV notieren. Unabhängig davon wäre eine realistische Bewertung aktuell ohnehin schwierig, denn die Werte der Schiffe steigen aktuell natürlich auch, können aber auch schnell wieder zurück gehen, wenn die COSCO Situation gelöst wird.

Für das aktuelle Kursniveau hatte ich mir schon vor dieser Sondersituation vorgenommen mal Gewinne mitzunehmen. Da ich die weitere Entwicklung nicht vernünftig einschätzen kann, habe ich mich entschieden bei diesem Plan zu bleiben und habe gestern jeweils ein Drittel meiner Positionen verkauft.

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