10 Jahre Value-Shares.de

Heute vor 10 Jahren habe ich den ersten Artikel für diesen blog veröffentlicht. Ich nehme das zum Anlass mal wieder etwas grundsätzlicher auf den blog und mein eigenes Anlageverhalten zu schauen.

Zum 5-jährigen Jubiläum habe ich schon mal einen Rückschau-Artikel geschrieben, den ich mir gerade noch mal durchgelesen habe. Auch damals hatte ich schon neben Erfolgen auch den einen oder anderen Rückschlag erlebt. Meine Stimmung war aber trotzdem positiv, wie das Ende meines damaligen Fazits zeigt:

„Vor 5 Jahren habe ich dann einfach mal angefangen und war nicht sicher, ob der blog irgendwann zur Mühe werden würde.Heute kann ich sagen, dass ich wie am ersten Tag Spaß dran habe. Auf die nächsten 5 Jahre :-)“

Diese nächsten 5 Jahre sind jetzt auch vergangen und leider ist der blog heute viel näher daran eine Mühe zu werden, als zuvor.

Was hat sich geändert?

Das Schreiben an sich ist auf jeden Fall keine Mühe geworden. Wenn ich mal ein interessantes Thema finde, macht mir das Schreiben nach wie vor Spaß. Was hingegen in den letzten Jahren deutlich zunimmt, sind meine Zweifel, ob meine Anlagestrategie so wie sie ist, Sinn macht.

Ein Faktor dabei ist der Umstand, dass mir als Einzelkämpfer häufig die Research Daten fehlen bzw. es bei meinen Beträgen keinen Sinn macht, solche zu kaufen. Außerdem fehlt mir der direkte Austausch mit Kollegen und der Qualitätsanspruch von Chefs. Letzteres ersetzt dieser blog immerhin ein bisschen, denn wenn ich schon etwas veröffentliche, soll es wenigstens halbwegs vollständig und durchdacht sein. Trotzdem finde ich meine Analysen zu häufig nur gut genug und nicht wirklich gut.

Mit einigen Ausnahmen, wie im ersten Halbjahr letzten Jahres, tue ich mich auch immer schwerer günstige Gelegenheiten zu finden. Wenn ich es dann trotzdem versuche, weil ich inzwischen zu einem guten Teil von meinen Kapitaleinkünften lebe, laufe ich Gefahr in Dinge zu investieren, die ich nicht richtig verstehe oder Risiken einzugehen, die ich früher nicht eingegangen wäre.

Eine Kategorie, die mich aktuell mal wieder an meiner eigenen Leistung zweifeln lässt, ist die Offshore Industrie. Die habe ich schon vor 5 Jahren als Beispiel für eine blutige Nase angeführt. Damals waren es die Aktien von Prosafe, in die ich viel zu blauäugig investiert habe.

Danach habe ich mich auf Anleihen mit kurzer Restlaufzeit konzentriert, die unabhängig von der schlechten Marktlage durch bestehende Verträge mit guten Bonitäten gedeckt waren. Für ein paar Anleihen war mein Ansatz auch richtig und hat gut funktioniert. Leider setzte danach der Wunsch ein fällig werdende Anleihen durch neue Kurzläufer zu ersetzen. Der Puffer aus bestehenden Verträge wurde aber immer kleiner, die Krise immer schlimmer und dann kam auch noch Corona. So bin ich inzwischen bei Valaris durch die Restrukturierung erwischt worden, deren relativ früher Zeitpunkt mich dann auch noch auf dem falschen Fuß erwischt hat. Ein oder zwei meiner drei Fälligkeiten hätten die m.E. auf jeden Fall noch begleichen können. So lange haben sie aber nicht gewartet und ich habe wieder auf die unangenehme Art was gelernt. Ich gehe den Prozess mit neuen Anleihen und Aktienzuteilung jetzt mit und nehme es als Erfahrung.

Als Investor ist mir schon immer eine Faszination für Schweinezyklen gegeben und um so länger die Offshore Krise dauert, um so mehr bin ich der Meinung, dass diese Industrie, die jetzt am Boden liegt, noch mal zurückkommt, bevor irgendwann vielleicht wirklich mal alles auf Strom und Wasserstoff umgestellt ist. Letzte Woche habe ich z.B. gelesen das Keppel in Singapur den Bau von Offshore Plattformen aufgeben wird. Sollten die Ölpreise mal wieder steigen und der Bedarf an Riggs steigen, um die sinkenden Fördermengen an anderen Stellen auszugleichen, können dann weniger Riggs neu bestellt werden. Außerdem werden gerade viele ältere Riggs verschrottet, statt sie weiter für viel Geld einsatzfähig zu halten. Liege ich also richtig, dass noch viel neues Offshore Öl gebraucht wird, bevor die Transformation geschafft ist, könnten die vorhandenen Riggs mittelfristig wieder viel Geld verdienen

Trotzdem stellt sich mir die Frage, wie lange man an seiner Überzeugung festhalten sollte und wann man einsehen sollte, dass man keine Ahnung hat. Nochmal investieren und am Ende fett Recht gehabt haben oder noch mehr gutes Geld schlechtem hinterherwerfen? Ich habe aktuell mehr Fragen also Antworten und mache deshalb wahrscheinlich erst mal gar nichts.

Unabhängig von den Inhalten habe ich auch festgestellt, dass mir die DSGVO den Spaß am bloggen ziemlich vermiest hat. Durch die ganzen Cookie Optionen, die man heute anbieten muss, kann ich kaum noch nachvollziehen wie viele Leser ich für die wenigen Artikel, die ich aktuell schreibe überhaupt noch habe. Außerdem wächst die Sorge irgendwelche Formalien nicht einzuhalten und mir dann Abmahnungen einzufangen. Als die Leserzahl noch regelmäßig gestiegen ist, hat das meiner Motivation auf jeden Fall mehr geholfen.

Vor 5 Jahren schrieb im Schnitt noch fast 1 Beitrag pro Woche und damals wie heute hatte ich das Ziel wenigstens einen Beitrag im Monat zu schreiben. Ich überlege allerdings gerade mich zumindest zeitweise von diesem Ziel zu verabschieden, weil ich für mich überlege einen größeren Teil meiner Investments breit gestreut und passiv zu tätigen. Darüber hätte ich dann nicht viel zu schreiben.

Trotz aller Zweifel habe ich aber nicht vor den Blog abzuschalten und das eine oder andere Einzelinvestment wird es auch in Zukunft geben, mit dem ich mich gerne beschäftige und über das hier dann berichten werde.

Allen Lesern, die mich schon lange begleiten, möchte ich für die Treue danken, auch wenn ich in letzter Zeit weder meinen qualitativen noch meinen quantitativen Ansprüchen richtig gerecht werden konnte.

5 Gedanken zu „10 Jahre Value-Shares.de

  1. Wei

    Für mich war jeder der hier veröffentlichte Artikel Pflichtlektüre. So wird es auch bleiben. Die Tiefe Deiner Analyse und Deine unbestechliche Bestrebung nach der Wahrheit machen die veröffentlichten Artikel so wertvoll.

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  2. memyselfandi007

    Glückwunsch zum 10 jährigen !!!

    Ich lese Deine Beiträge immer gerne, auch wenn sich unsere Interessensgebiete selten überschneiden.

    Vielleicht als Anregung:
    – man sollte sich meines Erachtens nicht scheuen, auch mal “80% Beiträge” zu veröffentlichen. Oft motiviert das Leser mehr aktiv beizutragen als ein 100% ausgefeilter Beitrag. Außerdem finde ich es immer ganz gut regelmäßig zu posten, auch wenn es kürzere Posts sind. Einfach damit man in “Übung” bleibt und sich das als Gewohnheit aufbaut.

    Auf die nächsten 10 Jahre,
    MMI

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    1. Value Mario Beitragsautor

      Mich freuen alle positiven Kommentare, aber deiner besonders, weil du meiner Meinung nach den besten Finanzblog Deutschlands schreibst. Das sehe ich so, auch wenn sich unsere Interessengebiete in der Tat selten überschneiden.

      Mein Problem ist gerade, dass ich die Artikel, die ich schreibe, schon als 80% Beiträge empfinde und für meinen eigenen Anspruch an 100% gar nicht dran komme. Mal sehen, kommt Zeit kommt eine Idee, wie es weitergeht.

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  3. Covacoro

    Glückwunsch, Mario, zum 10-jährigen Jubiläum!

    Ich habe in 2020 den Focus auf meinen Job und die eigenen Investitionen gelegt und fast nichts mehr gebloggt. Ich benötigte die Zeit für das Artikelschreiben schlicht für etwas Anderes. Das ist halt so.

    Daher kannst Du auch entscheiden, wann und wie oft Du hier noch etwas schreibst, eben seltener. Es soll v.a. Spass machen und keine Pflicht werden. Mir gefällt, dass Du hohe Ansprüche an Deine Analysen stellst und Dich kritisch vergleichst. Und so schlecht ist es ja nun nicht gleaufen, wenn Du zu einem guten Teil von den Kapitaleinkünften leben kannst.

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