Aercap kauft GECAS

aktueller Kurs: 53,39 USD

Wie hier in den Kommentaren noch als Gerücht diskutiert, hat Aercap inzwischen eine Einigung über eine Übernahme von GECAS vermeldet und gestern in einer ersten Präsentation die wesentlichen Eckdaten erläutert.

Als ich Ende der 1990‘er Jahre im Flugzeugleasing Geschäft zu arbeiten begann, waren ILFC und GECAS die beiden klaren Marktführer. Nach dem Aercap ILFC im Jahr 2013 übernommen hat, scheinen beide nun unter einem Dach vereint zu werden.

Aercap war schon bisher die größte Flugzeugleasing Gesellschaft der Welt. Ich habe länger keine Liste mit den Flotten der großen Leasinggesellschaften gesehen, aber GECAS dürfte alleine auch immer noch zu den TOP 3 oder zumindest TOP 5 gehören. Das geht leicht unter, wenn man sich mit der Branche unter Kapitalmarktgesichtspunkten beschäftigt, weil GECAS eben „nur“ eine Tochter von GE ist und nicht eigenständig an der Börse notiert.

Wenn der Deal durchgeht (Hauptversammlungen und Kartellbehörden müssen noch zustimmen) wird die Flotte von Aercap ungefähr doppelt so groß sein, wie die vom nächsten Wettbewerber. Dazu kommen dann noch über 900 Triebwerke und über 300 Hubschrauber. Insbesondere bei letzteren aber auch bei den Triebwerken bin ich gespannt, ob das Geschäft dauerhaft fortgeführt wird. Für GE als Triebwerkshersteller machte es total Sinn, dass GECAS stark im Triebwerke Leasing aktiv ist. Ob das für Aercap auch so sein wird, wird man sehen. Das kommt sicherlich auch darauf an, ob man die heute wahrscheinlich günstigen Konditionen in die Zukunft mitnehmen kann.

Sehr viele Informationen gibt es bisher noch nicht, aber im folgenden habe ich mal ein paar Punkte aufgeschrieben, die mir bis hier her gefallen bzw. misfallen.

Was mir an der GECAS Übernahme gefällt

Grundsätzlich gefällt mir die Übernahme, weil das Management in der Vergangenheit bewiesen hat das Kapital so einzusetzen, dass der Wert pro Aktie nachhaltig steigt. Das Unternehmen ist zwar massiv gewachsen, aber nicht wie so häufig, um des Wachstums Willen.

Positiv finde ich auch, dass der Kaufpreis zum Teil mit eigenen Aktien bezahlt wird. Neben 24 Mrd. USD in Cash, die durch zusätzliches Fremdkapital aufgebracht werden und einer Milliarde in einer Art Schuldschein, bekommt GE noch 111,5 Mio. neue Aercap Aktien im Wert von etwa 6 Mrd. USD. Die eigenen Aktien entsprechen damit 19% des Gesamtkaufpreises. Wenn ich zu Recht davon ausgehe, dass GECAS schuldenfrei übertragen wird, ergibt sich für GECAS als Teil von Aercap eine Fremdfinanzierungsquote, die für mich am oberen Ende, aber noch im vertretbaren Rahmen liegt.

Durch die neue Größe wird das Unternehmen außerdem eine besonders gute Kunden Diversifikation erreichen. Die TOP 10 Kunden werden Flugzeuge mit weniger als 30% des Buchwerts leasen. Bei Fly Leasing sind es zum Beispiel zum 31.12.2020 61% gewesen. Im zyklischen Luftverkehrsgeschäft muss man immer wieder damit rechnen, dass Kunden in die Insolvenz gehen, da ist es schon ein großer Vorteil so diversifiziert zu sein.

Was mir an der GECAS Übernahme nicht gefällt

Als ich mir die Präsentation angeschaut habe, war ich erst enttäuscht, dass überhaupt nichts zu den Auswirkungen auf der Ebene einer Aktie gesagt wird. Etwas Recherche hat mir aber gerade wieder in Erinnerung gerufen, dass das bei der ILFC Übernahme genauso war. Letztlich hat sich zumindest für mich damals erst nach der vollzogenen Übernahme gezeigt, dass die Gewinne nicht nur absolut sondern auch pro Aktie stark gestiegen sind. Diese Hoffnung besteht nun auch, allerdings ist der Kurs von Aercap damals sofort nach der Ankündigung extrem gestiegen und aktuell im Vergleich nur wenig. Der Markt scheint also davon auszugehen, dass es sich dieses Mal nicht wieder um ein solches Schnäppchen handelt. Ich wüsste auch nicht, warum es eins sein sollte. 2013/2014 war für AIG ein Börsengang von ILFC wahrscheinlich keine gute Alternative, aber heute würde ich erwarten, dass das für GE ein Börsengang von GECAS durchaus eine Option gewesen ist.

Ziemlich negativ aufgefallen ist mir in der Präsentation, dass überhaupt nichts dazu gezeigt wird, wie sich die Zusammensetzung der Flotte durch die Übernahme verändert. Stattdessen gibt es eine Grafik, die zeigt wie sich die kombinierte Flotte von Ende 2020 bis Ende 2024 entwickeln soll.

Das der Anteil der Flugzeuge der neuesten Generation („new technology aircraft“) von aktuell 63% auf 56% sinken wird, muss man dann selber nachgucken. Dafür sinkt der Buchwertanteil der Widebody Flugzeug von aktuell 47% auf nur noch 40%. Das nachzugucken, war hilfreich, denn ich hatte gar nicht so richtig auf dem Schirm wie sehr die Boeing 787 und der Airbus 350 den Anteil der Widebodies bei Aercap inzwischen getrieben haben.

Schlussendlich wird wohl GE wie zuvor AIG nicht dauerhaft Aktionär von Aercap bleiben wollen. Bei einem massiven Anteil von 46% könnten Verkäufe über längere einen echten Druck auf die Kurse ausüben, selbst wenn sie sukzessive erfolgen. Von einer Mindesthaltedauer wurde bisher auch nichts berichtet, wobei zumindest die Tatsache, dass zwei GE Vertreter in das Board of Directors aufgenommen werden sollen, für ein nicht extrem kurzfristiges Engagement sprechen.

FAZIT

Alles in allem stimmt mich die geplante Übernahme von GECAS immer noch positiv aber nicht euphorisch. Ich überlege aktuell, ob ich trotz der gestiegenen Kurs noch mal etwas nachkaufe. Mein Kursziel war ohnehin der Buchwert pro Aktie, der zum Ende letzten Jahres bei 68 USD lag und üblicherweise von Quartal zu Quartal steigt. 20% Upside sind natürlich kein Vergleich zum letzten Jahr, aber gleichzeitig bekommt man die Chance auf positive Effekte der Übernahme. Große Risiken sehe ich in der Übernahme hingegen nicht oder besser gesagt, ich traue dem Management aus Erfahrung so sehr, dass ich davon ausgehe, dass hier für die Aktionäre keine Werte vernichtet werden. Die allgemeinen Risiken des Flugzeugleasings insbesondere in Corona Zeiten bleiben natürlich bestehen.

3 Gedanken zu „Aercap kauft GECAS

  1. Lasse

    Hallo Mario,
    vielen Dank für den Artikel. Bezüglich der Haltedauer habe ich folgendes gelesen:

    GE will own 46 per cent of Aercap as a result of the transaction. It must hold those shares for a minimum of nine months after completion.

    Three tranches
    At that point, it has the option of selling the first of three tranches of the stock, and can sell the second and third after 12 and 15 months respectively.

    https://www-irishtimes-com.cdn.ampproject.org/v/s/www.irishtimes.com/business/transport-and-tourism/aercap-confirms-25bn-deal-to-create-world-s-biggest-aircraft-lessor-1.4506324?amp_js_v=a6&amp_gsa=1&mode=amp&usqp=mq331AQFKAGwASA%3D#aoh=16154024650169&csi=0&referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&amp_tf=Von%20%251%24s&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.irishtimes.com%2Fbusiness%2Ftransport-and-tourism%2Faercap-confirms-25bn-deal-to-create-world-s-biggest-aircraft-lessor-1.4506324

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    1. Value Mario Beitragsautor

      Ok, das passt ungefähr zu dem was ich vermutet hatte. Die Haltedauer ist sogar noch etwas kürzer, als ich erwartet hätte. Vielleicht warte ich dann mit einem weiteren Nachkauf auch ab, bis die Auswirkungen besser abzusehen sind und sich der erwartete Verkaufsdruck im Preis bemerkbar macht.

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      1. Value Mario Beitragsautor

        Ich lese gerade die Mitschrift zum Conference Call, den Aercap diese Woche zur Übernahme abgehalten hat. Erwähnenswert finde ich, dass der pro-forma Buchwert pro Aktie nur bei 62 bis 63 USD läge, wenn die Transaktion jetzt sofort umgesetzt würde. Zum Ende letzten Jahres komme ich rechnernisch für Aercap auf 68 USD ohne GECAS. Damit scheint mir klar, dass GECAS zwar unter Buchwert gekauft wird, der Abschlag aber geringer ist, als der den Aercap derzeit selber an der Börse hat. Das ist dann für mich ein weiterer Grund erstmal abzuwarten und eher nachzukaufen, wenn noch mal Druck auf den Kurs kommen sollte.

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