Aercap – 3. Nachkauf in 16 Tagen

aktueller Kurs: USD 24,50

Eigentlich wollte ich für diese Woche mal endlich die Füße still halten und abwarten, was die nächste Woche bringt. Als ich gestern Abend allerdings den Kurs von Aercap gesehen habe, konnte ich nicht anders, als schon wieder nachzukaufen.

Am 26. Februar, das sind gerade mal etwas mehr als 2 Wochen her, habe ich für USD 54,725 Aktien von Aercap nachgekauft, weil ich schon diesen Kurs für sehr attraktiv hielt. Gestern habe ich die selben Aktien mit 24,50 für weniger als die Hälfte bekommen.

Das für 2020 erwartete KGV liegt damit nur noch bei 6,1, wobei ich davon ausgehe, dass der Gewinn für 2020 aufgrund der Krise einiges niedriger ausfallen wird. Aber für mich ist das trotzdem eine Indikation der Bewertung für die kommenden Jahre, wenn sich die Lage wieder normalisiert hat.

Bezogen auf die Zahlen vom 31.12.2019 und bei meinem bekannten Bewertungsschema, dass nicht alle Buchwerte einbezieht, entspricht der Kurs einem Abschlag auf den Wert der Flotte von etwas über 13%. Da Aercap in den letzten Jahren Flugzeuge im Durchschnitt mit mehr als 7% Gewinn auf den Buchwert verkauft hat, liegt der tatsächliche Abschlag eher bei mindestens 20%. Allerdings gebe ich auch an dieser Stelle zu, dass die aktuell in der Krise erzielbaren Preise wahrscheinlich niedriger liegen würden.

Die Wahrscheinlichkeit für Notverkäufe sehe ich allerdings nicht als gegeben an. In einer Präsentation am Mittwoch hat Aercap z.B. noch mal aufgezeigt, dass die Flottenauslastung auch in der großen Finanzkrise 2008/2009 nie unter 97,7% gesunken ist. Auch wenn Fluggesellschaften in Zahlungsschwierigkeiten geraten können, sind zunächst einmal auch 97% aller verfügbaren Tage bis Ende 2022 durch Verträge gesichert. Hinzu kommt die Tatsache, dass ein Großteil der Flotte durch unbesicherte Bonds fremdfinanziert ist. Käme es hart auf hart, ließen sich bei USD 28,2 Mrd. unbelasteten Assets schnell besicherte Kredite aufnehmen. Natürlich würde das wahrscheinlich den Entzug der Investment Grade Ratings bedeuten und deswegen wird das Management das nicht leichtfertig tun. Was es allerdings aus Vorsichtsgründen getan hat, ist freie Liquidität aus Rahmenkreditverträgen in Anspruch zu nehmen. Das kostet zwar ein paar Zinsen, leuchtet mir aber durchaus ein. Ich vermute, dass der Markt das eher als weiteres Panik Zeichen gewertet hat. Vielleicht reagiert der Markt auch nur darauf, dass immer mehr Flugverbindungen staatlicherseits geschlossen werden.

FAZIT

Für mich sieht es so aus, dass Flugzeugleasing Gesellschaften mit Fluggesellschaften in einen Topf geworfen werden. Der Kurs von Lufthansa hat sich z.B. in dieser Woche sogar besser gehalten als der von Aercap. Damit scheint mir die Börse nicht richtig zu berücksichtigen, dass Leasinggesellschaften maximal in einem zweiten Schritt bei Zahlungsschwierigkeiten der Airlines von Ausfällen betroffen sein werden. Ich sage nicht, dass es dazu nicht kommen wird, aber ich erwarte, dass der Schaden geringer ausfallen wird als bei den Airlines.

Letztlich bleibt es wohl bei der Frage, ob sich aktuell um eine zeitlich begrenzte Krise handelt oder wir gerade den Beginn eines nachhaltigen Umbruchs erleben. Wenn letzteres der Fall ist, habe ich wahrscheinlich mit Zitronen gehandelt. Wenn ich richtig liege, dass sich die Panik auch wieder legen wird, halte ich die aktuellen Kurse für extrem attraktiv.

Für die nächste Woche nehme ich mir wieder vor erstmal abzuwarten, aber wenn die Kurse weiterhin täglich zweistellig runter rauschen, werde ich vermutlich nicht anders können, als auch weiterhin hier und da nachzukaufen. Stay tuned…

6 Gedanken zu „Aercap – 3. Nachkauf in 16 Tagen

  1. Wei

    Hallo Mario,

    seit Deinem Blog vom 26.03. habe ich in 6 Tranchen gekauft. Während ich bei dem Kurs von 24,50 USD gerne nachgekauft hätte, fehlt mir nun der Mut angesichts meines inzwischen nennenswerten Exposures. Ich habe gesehen, dass Aercap rund 100 B737 MAX im Portfolio hat. Gibt es eine Schätzung (Szenarien) seitens Aercap, welchen Schaden sie haben könnten?

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    1. Value Mario Beitragsautor

      Hallo Wei,

      ich verstehe, dass eine Position irgendwann mal zu groß werden kann. Ich hatte Anfang der Woche für mich eher noch das Gefühl zu wenig investiert zu haben und eine Chance zu verpassen, falls sich die Märkte schnell wieder erholen. Da Aercap vorher schon meine größte Position war, erreiche ich da so langsam aber sicher auch meine Schmerzgrenze. Wenn der Kurs allerdings unter die 20 USD Grenze geht, würde ich wahrscheinlich noch mal schwach werden.

      Bezüglich der 737 MAX habe ich bis jetzt in den conference calls noch nichts gelesen, was auf wesentliche Risiken hindeutet (auch nicht bei Air Lease und Fly Lease). Tatsächlich haben sie ja aktuell ja auch nur 5 in der Flotte, die allesamt für mehrere Jahre vermietet sind. Die restlichen 95 sind bestellt und man ging bei der Präsentation zu Q4 2019 von einer Auslieferung von 4 Stück im Jahr 2020 aus. Sollte die entsprechende Airline diese 4 nicht übernehmen können, bin ich zuversichtlich, dass man eine andere Lösung finden wird. Im Verlauf von 2021 erwartete man 37 Auslieferungen. Wenn Boeing die tatsächlich liefern kann, aber viele Airlines nicht abnehmen können, wäre das ein Problem. Alleine wegen Corona gehe ich aber derzeit nicht davon aus, dass es soweit kommen wird. Außerdem muss Boeing die Auslieferungen erstmal wieder in den Griff bekommen. Ich gehe eher von dieses Mal Corona bedingten weiteren Verzögerungen aus.

      Alles in allem ist die 737 MAX für mich derzeit nur ein Thema für zukünftiges Wachstum, aber die Bewertung ist so niedrig, dass es eigentlich gar kein Wachstum braucht.

      Ich hoffe nur inständig, dass ich nicht irgendwas Grundlegendes übersehe. Andererseits bin ich in den letzten etwas über 20 Jahren immer gut gefahren, wenn ich gar nicht anders konnte als zu kaufen. Probleme habe ich immer eher in den ruhigen Zeiten, wenn ich versuche die Nadel im Heuhaufen zu finden. Meine mit 2% mager verzinste Stena Anleihe ist immerhin am Freitag plangemäß zurückgeführt worden, so dass ich für diesen Monat sogar momentan noch mehr Rückflüsse als Investments habe.

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      1. Gerd Gühne

        Der Corona Virus ist ein kurzfristiges Problem. Der niedrige Ölpreis hilft zusätzlich den Airlines, sobald wieder Fluggäste zusteigen (dürfen/wollen).
        Ich frage mich aber eher wie AerCap grundsätzlich Geld verdienen will. In den letzten 3 Jahren hatte man einen negativen FCF, zusätzlich noch zu Minderheiten-Dividende und Aktienrückkäufen. Der Schuldenstand ist gigantisch. Die Zinsen machen jetzt schon 1/3 des OCF aus. Da ist noch nicht mal eine Krise ausgebrochen/überstanden…
        Das Geschäftsmodell sieht nicht nachhaltig aus.

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        1. Value Mario Beitragsautor

          Kann sein, dass diese kritischen Bemerkungen richtig sind. Meiner Meinung nach sind sie es aber nicht. Leasing ist nun mal ein Finanzierungsgeschäft. Verglichen mit einer Bank ist der Schuldenstand nicht gigantisch, sondern vollkommen konservativ. Wenn der Schuldenstand normal ist, ist es zwangsläufig auch der Anteil der Zinsen an den Kosten. Ich habe seit Ende der 90’er mit Flugzeugleasing zu tun und in dieser Zeit haben die großen Player (fast) durchgängig Eigenkapitalrenditen von 10% bis 15% über US Staatsanleihen produziert. Mir ist das nachhaltig genug.

          Die kritischen Punkte bestärken mich aber in meiner Grundüberzeugung, dass man nur in Branchen und Unternehmen investieren sollte, die man versteht (oder passiv breit gestreut).

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          1. Value Mario Beitragsautor

            Ich habe gestern noch mal eine auf 15,75 USD limitierte Order aufgegeben. Das war in dem Moment noch etwas mehr als der angezeigte Kurs. Leider ist die Order nicht ausgeführt worden und Aercap schloss mit 17,24 USD. Meine Order ist noch bis Ende März gültig. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Weitere Panik sind aus meiner Sicht genauso gut möglich, wie endlich eine langsame Beruhigung. Mir wäre beides Recht. Ersteres würde mir wenigstens die Chance geben noch mehr noch günstiger nachzukaufen, letzteres würde wohl bedeuten, dass langsam Verbesserungen absehbar sind, was für unser aller Leben super wäre.

            Bei der Gelegenheit kann ich noch kurz erwähnen, dass ich am Dienstag bei rund 7.700 Punkten im DAX einen DAX ETF nachgekauft habe. Auf einen eigenen Artikel habe ich verzichtet, da ich keine Bewertung aller DAX Unternehmen liefern kann. Grundlage war einfach meine allgemeine Einschätzung, dass dieses Niveau langfristig eigentlich günstig sein muss.

  2. Roger

    Neugierige Frage: Auch die Unternehmensanleihen von Aercap sind deutlich unter Druck.
    WKN A1Z327; 4,5% Verzinsung, Laufzeit bis 05/22, wurde gestern in Stuttgart zu 91% taxiert
    WKN A181Z1 ; 3,95% Verzinsung, Laufzeit bis 02/22, wurde gestern in Stuttgart zu 89 % taxiert
    WKN A19CGG; 3,5% Verzinsung, Laufzeit bis 05/22, wurde gestern in Stuttgart zu 75 % taxiert

    Siehst du diese Anleihen auch als interessante Anlagealternativen?
    Ab wann sind Anleiheeinbrüche für dich Warnsignale, die Aktie oder gar die ganze Firma mit Vorsicht zu betrachten?

    Gruß, Roger

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