Clere – noch ein net-net

ISIN: DE000A2AA402

aktueller Kurs: 15,30

In den Kommentaren zum australischen net-net CMI  taucht auch die deutsche Clere AG auf. Die Clere AG firmierte früher mal unter Balda AG. Die war mir geläufig und ich hatte auch mitbekommen, dass sich da eine Menge geändert hat. Die neue Firmierung hatte ich hingegen noch nicht auf dem Schirm genauso wenig wie die niedrige Bewertung. Nach Abzug aller Verbindlichkeiten zahlt man bei der Clere AG für jeden Euro Cash oder Festgeld nur 70 Cent. Zählt man noch ein paar weitere durchaus plausible Vermögenswerte hinzu, liegt das KBV nur noch bei 0,61. Auf Basis der Substanz ist die Aktie also sehr günstig bewertet, aber gibt es auch berechtigte Gründe für die niedrige Bewertung? Ich habe mich mal auf die Suche gemacht.

Balda

Gegründet wurde Balda 1908 als Kamerahersteller. Seit den 1950‘er Jahren kam die Herstellung von Kunststoffteilen für die Elektronik- und Medizintechnikindustrie hinzu. Mit dem Mobilfunk Boom ab den 90‘er Jahren war Balda als Hersteller von Handyschalen bekannt. Dieses zunächst boomende Geschäft wurde später defizitär und im Dezember 2011 verkauft. Damit kehrte bei Balda aber keine Ruhe ein. Mit dem Einstieg des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas van Aubel ergaben sich einige, auch gerichtliche, Querelen um die Strategie und die Besetzung des Aufsichtsrats. Am Ende dieses Prozesses wurde das gesamte operative Geschäft der Balda inklusive dem Namen verkauft. Ursprünglich sollte der Verkauf für 66,7 Mio. an den Finanzinvestor Paragon erfolgen. Dann entstand ein Bieterwettstreit mit mehreren Bietern an deren Ende die italienische Stevanato Gruppe das operative Geschäft von Balda und den Namen im Februar 2016 für 95 Mio. übernahm.



handelnde Personen bei Clere

Großaktionär und Aufsichtsrat

Wie bereits erwähnt ist Dr. Thomas van Aubel der Aufsichtsratsvorsitzende der Clere AG und mit indirekten 33% ist er gleichzeitig auch ihr einziger Großaktionär. Van Austen verfügt über viel, wenn auch nicht restlos positive Erfahrung im Bereich Photovoltaik. Laut meiner Internetrecherche war er einer der „Gründungsväter“ des Solarzellenherstellers Q-Cells und war von 1999 bis 2009 deren Aufsichtsratsvorsitzender. Q-Cells war einer der gehypten deutschen Solarunternehmen, das aber wie einige anderen Unternehmen der Branche die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt hat und 2012 in die Insolvenz ging.

Herr van Aubel hatte die Zeichen der Zeit hingegen vielleicht schon früher erkannt. Er schied aus dem Aufsichtsrat deutlich früher aus und verkaufte auch seine Aktien zu noch den hohen Kursen. Die Erlöse aus diesen Verkäufen dürften es ihm ermöglicht haben etwa 2012 / 2013 als Großaktionär bei Balda einzusteigen und den Strategiewechsel zu erzwingen.

Neben dem Timing, das gut für Herrn van Aubel und schlecht für die späteren Kleinaktionäre war, gibt es im Zusammenhang mit seinem Nahmen weitere Vorwürfe aus seiner Zeit bei Q-Cells. In dem Spiegel Artikel, den Roger schon verlinkt hatte, wird geschildert, dass es vorsichtig formuliert seltsame Verquickungen mit dem Chef der Beteiligungsgesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt gab, wo Q-Cells seinen Sitz hatte. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Geschichte etwas mit der späteren Insolvenz zu tun hatte.

Vorstand

Seit 2017 ist Thomas Krupke der Alleinvorstand der Clere AG. Auch er hat eine nicht 100% überzeugende Historie in der Photovoltaik Industrie. Krupke war Vorstandsvorsitzender des Berliner Solarmodulherstellers Solon. Solon war die erste börsennotierte Solargesellschaft in Deutschland und Teil des PV Booms in den Nullerjahren. Im Dezember 2011, als Herr Krupke schon nicht mehr im Vorstand war, ging Solon wie Q-Cells in die Insolvenz.

An der Spitze von Aufsichtsrat und Vorstand würde man vielleicht lieber Personen sehen, die nihct eng mit späteren Insolvenzen verbunden sind. Das frühere Scheitern von QCells und Solon sind für mich trotzdem keine Ausschlusskriterien. Es ist aber sicherlich gerechtfertigt möglichst genau zu verfolgen, wie die neue Strategie umgesetzt wird.

Clere AG Geschäftsmodell

Seit April 2016 firmiert das Unternehmen nun unter Clere AG und verfolgt ein völlig neues Geschäftsmodell und zwar die Investition in erneuerbare Energie Projekte. Im Gegensatz zur Herstellung von Anlagen oder der Projektentwicklung ist der Betrieb von Erneuerbare Energie Projekten ein recht einfaches Geschäftsmodell. Die Projekte werden meistens über eine Laufzeit von 20 Jahren kalkuliert, die die Anlagen technisch auf jeden Fall durchhalten sollten. Für die Vergütung des in dieser Zeit erzeugten Stroms gibt es entweder Einspeisegesetze, wie das bisherige deutsche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), Vergütungen aufgrund von Ausschreibungsverfahren, wie zukünftig nach dem EEG, oder Abnahmeverträge mit Stromversorgern. Wind und Sonne schwanken natürlich von Jahr zu Jahr, aber grundsätzlich sollte sich das im langfristigen Durchschnitt ausgleichen. Die Kostenseite lässt sich ebenfalls extrem gut planen, Personal braucht man kaum, die technische und kaufmännische Betriebsführung können langfristig vertraglich gesichert werden und werden häufig in Abhängigkeit vom erzeugten Strom vergütet.

Erneuerbare Energie Projekte sind also per sé ziemlich sichere Geschäfte. Wie in fast allen Fällen von relativ sicheren, kapitalintensiven Investitionen, kommt aber über den Fremdkapitaleinsatz wieder Risiko dazu. 80% Fremdkapitaleinsatz sind absolut keine Ausnahme und mit so einem hohen Leverage muss natürlich nur relativ wenig schief gehen, bevor das Eigenkapital in Schwierigkeiten geraten kann. Ich war selber lange im Einkauf von erneuerbare Energie Projekten tätig und wir haben viele, viele Projekte nicht bekommen, weil wir immer darauf geachtet haben Puffer für Unwägbarkeiten der Ertragsprognose und unerwartete Kosten zu haben. Gegen Konkurrenten die maximales Fremdkapital einsetzen und auf Sicherheitspuffer in der Kalkulation verzichten, ist es dann natürlich schwierig den Zuschlag zu bekommen.

Erneuerbare Energie Projekte können also langweilige, sichere Investments sein oder relativ riskante hoch finanzierte Investments oder durch zu aggressive Annahmen und zu hohe Preise Geldgräber. Die Pressemitteilungen von Clere sind an dieser Stelle recht dünn und damit auf Projektebene für mich nicht einschätzbar. Positiv ist allerdings aus meiner Sicht, dass Clere mit einem internen Management eigene Mittel investiert. Die Gefahr von zu aggressivem Vorgehen, ist viel höher wenn ein externer Manager wie bei geschlossenen Fonds daran verdient neue Fonds für externe Investoren aufzulegen.

Bewertung

Ein KBV von rund 0,6 ist, wenn das Vermögen gleichzeitig fast nur aus Cash besteht, offensichtlich eine sehr niedrige Bewertung. Normalerweise sind net-nets eher ausgelutschte Unternehmen am möglichen Ende ihres Lebenszyklus. Wenn das eigentliche Geschäftsmodell schon defizitär ist, besteht die Gefahr, dass sich die net-net Situation dadurch auflöst, dass niemand einen Schlussstrich zieht und das überschüssige kurzfristige Vermögen an die Aktionäre verteilt. Stattdessen kann das Geld einfach in jahrelangen Defiziten verbrannt werden. Bei Clere ist die Situation genau umgekehrt. Das Unternehmen hat zwar eine lange Historie, aber was den aktuellen Geschäftszweck angeht, steht es wie ein start-up da. Neuer Standort in Berlin, neue Mitarbeiter, völlig neue Strategie, noch nicht viel Geschäft aber dafür viel Geld auf dem Konto. Da noch nicht viele Investments erfolgt sind, können die Kosten am Anfang auch noch nicht mit Erträgen gedeckt werden. Außerdem ist noch nicht bewiesen, dass überhaupt genügend Investments mit einem attraktiven Chance Risiko Profil gefunden werden können. Diese Unsicherheiten rechtfertigen sicherlich einen Abschlag, aber in welcher Höhe?

Der Verlust vor Steuern im Rumpfgeschäftsjahr 01.07.2016 bis 31.12.2016 belief sich auf EUR 3,5 Mio. Darin enthalten waren allerdings auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Steuern, die sich noch auf das alte Geschäft bezogen. Außerdem hatte die Gesellschaft im Rumpfgeschäftsjahr noch 2 Vorstände. Wenn ich optimistisch davon ausgehe, dass diese Kosten nicht mehr anfallen, würde sich der Vorsteuerverlust ohne zusätzliche Umsätze auf rund EUR 2 Mio. pro Jahr reduzieren. Ich bin mal davon ausgegangen, dass die Gesellschaft 2 Jahre benötigt, um so viele Investition zu tätigen, dass diese Kosten gedeckt werden können. Entsprechend müssen vom Vermögen EUR 4 Mio. abgezogen werden. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt dann trotzdem nur bei 63% vom Substanzwert.

Stünde eine Liquidation an, wäre Aktie ein klarer Kauf. Dies ist aber nicht der Fall und deshalb stellt sich die Frage, wie die zukünftigen Gewinne aussehen könnten. Wie oben schon beschrieben, sind Bestandshalter die verlässlichsten aber auch am niedrigsten rentierlichen Investments im Erneuerbare Energie Bereich. Ich habe zwar selber mal Projekte eingekauft, wie sie Clere heute machen möchte, aber das ist schon eine Weile her, so dass ich keinen Überblick habe, welche Renditen aktuell erzielt werden können. Ich bin mal von 5% ausgegangen, was in Anbetracht der aktuell niedrigen Zinsen und der Verzweiflung mit der z.B. Lebensversicherungen langfristige Erträge suchen, möglicherweise schon ziemlich hoch gegriffen ist. Dies würde dann zu Erträgen in Höhe von rund EUR 7,2 Mio. führen. Davon abzuziehen wären dann die EUR 2 Mio. Kosten, die ich oben grob geschätzt habe. Dem verbleibenden Gewinn würde ich Aufgrund der Stabilität des Geschäftsmodells eine für mich normalerweise absurde Bewertung mit dem 20-fachen zugestehen. Im Ergebnis ergibt sich dann trotzdem nur eine Ertragsbewertung von rund EUR 87 Mio. Das sind 97% der aktuellen Marktkapitalisierung. Scheinbar haben andere Marktteilnehmer ähnliche Überlegen angestellt. Andererseits bin ich mit dem 20-fachen vielleicht noch zu konservativ. EDP Renováveis ein Bestandshalter aus Portugal wird Beispielsweise aktuell mit einem KGV von 31,6 gehandelt. Mit einem KGV von 30 entspricht auch bei Clere die Ertragsbewertung wieder in etwa dem Substanzwert. Niedrige Zinsen hin oder her bin ich persönlich allerdings nicht bereit so ein Geschäftsmodell mit dem 30-fachen zu bewerten.

Eine wesentlich höhere Bewertung sehe ich für mich nur in 3 Szenarien:

1) das Unternehmen kommt mit den Kosten deutlich unter die von mir geschätzten Kosten

2) das Unternehmen erzielt deutlich höhere Rendite als von mir geschätzt, was dann aber wohl auch mit deutlich höheren Risiken verbunden wäre oder

3) das Unternehmen erreicht Skalen Effekte durch wesentlich mehr Kapital bei gleichbleibenden Kosten.

Unabhängig davon, ob ich da zu konservativ bin oder nicht, vermute ich, dass die Reise bei Clere in Richtung Option 3) gehen soll. Die Satzung sieht beispielsweise bereits die Bevollmächtigung zur Emission von EUR 100 Mio. Wandelanleihen und einer damit verbundenen erheblichen Emission neuer Aktien vor. Dies wäre dann wohl auch der Grund, warum man nicht von der Möglichkeit Gebrauch macht bis zu 10% der eigenen Aktien, zu den aktuell niedrigen Kursen, zurückzukaufen.

FAZIT

Die Bewertung von Clere ist auf den ersten Blick sehr günstig. Das neue Geschäftsmodell ist vielleicht nicht das spannendste der Welt, aber man kann damit, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, durchaus Geld verdienen. Es gibt allerdings auch noch eine Menge Unwägbarkeiten, aus meiner Sicht momentan zu wenig Kapital und handelnde Personen, die umstritten sind.

Clere ist für mich mal wieder ein Fall, warum es sich lohnt diesen blog zu schreiben. Als ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, war ich dieser Aktie gegenüber sehr positiv eingestellt. Eine scheinbar offensichtlich niedrige Bewertung und ein neues Geschäftsmodell, das ich aus eigener Erfahrung einschätzen kann. Meine wenn auch sehr groben Schätzungen für eine Ertragsbewertung haben mich dann am Ende zu einer anderen Meinung kommen lassen. Ich halte es zwar für durchaus möglich, dass das Unternehmen die nötigen Skaleneffekte erreicht und durch die Kontakte der handelnden Personen an interessante Projekte kommt, aber die Unterbewertung ist mir nicht groß genug, um die vielen Unwägbarkeiten zu akzeptieren. Ich habe deshalb am Ende doch keine Aktien von Clere gekauft, aber ich werde Clere trotzdem mal auf dem Schirm behalten.

14 Gedanken zu „Clere – noch ein net-net

    1. Value Mario Artikelautor

      Danke für den Hinweis! Ich werde es gleich korrigieren. Mir ist beim Schreiben noch aufgefallen, dass ich ständig den völlig falschen Namen im Kopf habe und am Ende ist dann doch der Phantasiename im Text gelandet. Sorry!

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  1. Wertefinder

    Der Artikel hat leider mehrere schwere Fehler, weil er nicht das aufnimmt, was die Gesellschaft selbst von sich gegeben hat. Sondern Dinge, die irgendwo im Internet geschrieben sind. Es hapert also an der Grundlage soliden Journalisms die da lautet: Möglichst nahe an die Nachrichtenquelle und nicht an Überbringer von Nachrichten.

    Laut der letzten Hauptversammlung sollen die ca. 150 Mio. Euro Eigenmitteln mit dem Faktor 3 auf 450 Mio. Euro Gesamtinvestitionen gehebelt werden. Üblich sind in der Branche eher Kredithebel von 5 – auch Kredithebel von 10 sind nicht ungewöhnlich. Im Bundesanzeiger kann man sehen, das die SEBEx-Gesellschaften – Anteilsgesellschaften am riesigen Solarpark Senftenberg in Brandenburg, bei denen Herr van Aubel Geschäftsführer ist – in der Anfangszeit teilweise nur eine Eigenkapitalqoute von 2 % hatten.

    Die Hebelung mit dem Faktor 3 ist also als grundsolide zu betrachten. Dann kommt es darauf an, zu welchem Zinssatz dieses Fremdkapital aufgenommen werden kann. Man kann im Ergebnis also nicht von aktuell dann 15 Euro, die der Schreiber als fair ansieht – auf 45 Euro schließen.

    5 % Rendite halte ich im geänderten Zinsumfeld für zu hoch und würde eher 3,5 % ansetzen. Auf der HV Ende letzten Jahres sollen als Ziele für einige Auslandsmärkte aber bis zu 10 % genannt worden sein.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Danke für den Kommentar, aber die Vorwürfe verstehe ich nicht. Ich habe zwei Artikel zum Hintergrund der handelnden Personen verlinkt und ansonsten die Geschäftsberichte 2015/2016 und Rumpfjahr 2016 genutzt. Dazu noch wie beschrieben, meine persönliche Erfahrung in diesem Sektor und nicht „…Dinge, die irgendwo im Internet geschrieben sind“. An welcher Stelle konkret habe ich denn irgendwas aus dem Internet abgeschrieben?

      Auf der Hauptversammlung war ich nicht und ich habe auch keine Dokumente zur Hauptversammlung gelesen. 25% Eigenkapitaleinsatz halte ich in dieser Branche auch für normal. Ich weiß auch, dass mehr Fremdkapital eingesetzt wird, wenn die Banken das mitmachen. Ich habe ja schon geschrieben, dass wir früher Probleme hatten auf Projekte zu bieten, bei denen von anderen maximaler Leverage eingesetzt wurde. 25% Eigenkapital sind für mich ok, aber trotzdem nicht risikofrei, was das Wort „grundsolide“ für mich suggeriert. Nur weil etwas üblich ist, heißt das noch nicht, dass es auch risikofrei ist. Ich habe in über 15 Jahren schon genug Projekte gesehen, die Aufgrund falscher Annahmen mit scheinbar „grundsolider“ Finanzierung in Schwierigkeiten geraten sind. Selbst wenn die 25% EK grundsolide wären, bleibt noch das Problem, wie Clere an Projekte kommen will, wenn andere Bieter 80%+ Fremdkapital einsetzen. Da wird man andere Risiken eingehen müssen, wie das Projekt in Japan zeigt, wo man auch in die Vorfinanzierung geht.

      „Man kann im Ergebnis also nicht von aktuell dann 15 Euro, die der Schreiber als fair ansieht – auf 45 Euro schließen.“ Diesen Satz verstehe ich nicht so ganz, aber ich rate mal worum es gehen könnte. Meine Annahme von 5% Rendite bezogen sich auf das Eigenkapital und zwar schon nach dem Einsatz von Fremdkapital auf Projektebene! Es gibt hier deshalb m.E. nichts von 15 auf 45 zu schließen. Das ist meine Annahme auf Basis von meiner Erfahrung, die zugegeben schon ein paar Jahre zurück liegt. Mag falsch sein, aber für meine Investmententscheidungen, um die es hier geht, verlasse ich mich gerne auf meine Erfahrungen.

      „Auf der HV Ende letzten Jahres sollen als Ziele für einige Auslandsmärkte aber bis zu 10% genannt worden sein“. Sollen genannt worden sein? Ich weiß zwar nicht, wie ich „sollen genannt worden sein“, nachvollziehen soll, aber nichts desto trotz kann man bestimmt irgendwo 10% erreichen. Es gibt doch Länder genug wie Brasilien, Türkei & Co. wo die Zinsen nicht Null sind und deshalb auch Projekte mehr bringen (zumindest auf dem Papier). In Japan oder Deutschland wird man wohl kaum 10% erreichen können und falls doch nicht ohne Risiken, die ein typischer Bestandshalter nicht eingeht.

      Meine Aussagen sind jetzt alles nur noch negativ, dabei habe ich nichts gegen das Unternehmen. Ich bin lediglich für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Unterbewertung MEINER MEINUNG NACH nicht so deutlich ist, dass ich MEIN Geld investieren möchte. Ich bin nämlich kein Journalist, der hier Inhalt produziert, um Inhalt zu produzieren…

      Ich bitte um eine klar strukturierte Antwort, sollte meine Antwort die Vorwürfe nicht ausgeräumt haben, denn mir hat sich nicht so richtig erschlossen, was denn jetzt meine schweren Fehler genau gewesen sein sollen.

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  2. Wertefinder

    Die Frage ist doch: Warum zitierst Du 10 Jahre alte Artikel von ganz anderen Unternehmen und rufst nicht einfach bei der IR des Unternehmens an über das Du schreibts, bevor Du den Artikel hier verfasst? Warum gibt’s Du keinen Hinweis auf die ca. 140 Mio. Euro steuerlichen Verlustvorträge, die die Clere AG nohc nicht bilanziert hat, aber nutzen kann und die wesentlicher Bestandteil einer Bewertungsanalyse sein sollten.

    Ich schreibe von der HV in der Soll-Form, weil ich selbst nicht dort war, aber einen ausführlichen Bericht darüber erhalten habe. Von einer Person die ich selbst nicht kenne und daher mich nicht für die Echtheit 100% verbürgen kann.

    Der gravierende Fehler besteht meiner Meinung nach darin, das Du bei 5 % Rendite auf 7,2 Mo. Euro Ertrag kommst. Dann sind 100 % aber 144 Mio. Euro. Und eben nicht 450 Mio. Euro wie lt. der HV anvisiert. Bzw. genauergesagt ca. 300 Mio. Euro in Erneuerbare Energien – Solar und Wind – sowie ca. 150 Mio. Euro in Speichersysteme, was aber bei letzterem Punkt noch nicht sicher ist.

    5 % Rendite sind meiner Meinung nach zu hoch gegriffen – 3,5 % trifft es besser denke ich. Und dann ist die entscheidende Frage, zu welchem Zinssatz das Fremdkapital aufgenommen werden kann. Im Moment ist es wohl günstiger, erstmal das komplette eigene Kapital zu investieren, bevor man Kreditmittel aufnimmt. Aber dann wrd man beim derzeitigen Kurs wohl nur auf eine Dividendenrendite von 1 – 2 % kommen. Das ist aber nicht das Ziel. Setzt man weitere zu 2 % aufgenommene 150 Mio. Euro ein, dann kommt man schon auf mögliche ca. 5 % Dividendenrendite – bei 3,5% % Rendite auf den Gesamtbetrag von dann 300 Mio. Euro. Bei 450 Mio. Euro wären es 10 % mögliche Dividendenrendite.

    Man sieht: Es liegt zum einen an der Rendite der Projekte – die muss mit den angesetzten 3,5 % aber nicht überragend hoch sein. Dann kommt es wesentlich darauf an, zu welchen Kosten die Gesellschaft bei den eingegangenen Projekten vllt. so 2018, 2019 das Eigenkapital durch Fremdkapital ersetzen kann.

    Die im Bundesanzeiger zu findenden riesigen SEBEx-Solarparks in Brandenburg wurden wie geschrieben auf einen Eigenkapitaleinsatz von zeitweise nur noch 2 % refinanziert. Da muss man schon einen Finanzierer haben der 110 %ig an das Projekt glaubt. Allerdings könnte dann die eigene Rendite im jetzigen Zinsumfeld enorm sein. Gut, das die Clere AG solche Finanzierungsexperten in den eigenen Reihen hat.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Warum ich alte Artikel verlinke? Ganz einfach, weil die Diskussion über Clere im Artikel über CMI los ging. Meine Frage nach einem möglichen Grund für die niedrige Bewertung wurde mit den handelnden Personen beantwortet. Natürlich schaue ich mir die dann mal an. Das mache ich gerade bei kleineren Unternehmen eigentlich sowieso. In diesem Fall war es Ergebnis zwar nicht gerade begeisternd, aber trotzdem bin ich für mich zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Personen mich nicht von einem Investment abhalten würden.

      Auf die möglichen Verlustvorträge bin ich nicht eingegangen, weil ich eben nicht irgendwas zitiere, was ich irgendwo im Internet gelesen habe. In den beiden Geschäftsberichten habe ich darauf keinen Hinweis gefunden, obwohl ich danach gesucht habe, denn ich wollte die in der Tat möglicherweise berücksichtigen. Vielleicht habe ich auch trotz aktiver Suche schlampig gelesen, dann wäre ich für einen Hinweis dankbar, wo das steht. „Steht nicht drin, aber die IR Abteilung hätte mir was erzählt“ interessiert mich nicht. Ich entscheide selber, wann ich eine IR Abteilung kontaktiere und die Geschäftsberichte sollten einem die Chance geben sich ein vollständiges Bild zu machen.

      Bezüglich des gravierenden Fehlers, schreibe ich jetzt gerne noch zum dritten Mal, dass meiner Meinung nach eine Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital von 5% NACH Fremdkapital möglich sein sollte. Mann muss also tatsächlich ein Volumen von rund 450 Mio. bewegen, um auf die eigenen 144 Mio. 5% zu erzielen. Ohne den Fremdkapitaleinsatz wäre es noch weniger. Du scheinst davon auszugehen, dass man Projekte mit 3,5% Gesamtkapital-Rendite kaufen kann und sich die Eigenkapitalrendite dann durch den Leverage deutlich erhöht. Nach Leverage gehst du so offensichtlich von wesentlich höheren Renditen aus, als die 5% von denen ich ausgehe. Das ist dein gutes Recht, aber ich bleibe bei meiner vorsichtigeren Meinung. Vielleicht ist das ein gravierender Fehler. Vielleicht ist es auch ein gravierender Fehler zu glauben, man könnte heute die Renditen noch in den zweistelligen Bereich hebeln und gleichzeitig einfacher Bestandshalter ohne große Risiken sein. Ich muss nicht Recht haben und ich muss hier nicht investieren. Ich beschreibe lediglich meine Überlegungen warum ich in etwas investiere oder auch nicht.

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  4. Wertefinder

    Steuerliche Verlustvorträge:
    Clere Konzerngeschäftsbericht 2016, Seite 63:
    74.523 TEURO inländische Gewerbesteuer
    65.166 TEURO in- und ausländische Körperschaftssteuer
    Aktivierung erst dann, wenn die Gesellschaft Gewinne schreibt.

    Der Bestandshalter 7C Solarparken AG hat 2016 Solarparks zu 2 % Fremdkapitalzinssatz unter Inkaufnahme der Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung für die vorherige Finanzierung refinanziert.

    So wie das jetzt erläutert geschrieben ist – das sich die 5 % Rendite also auf den Eigenanteil beziehen und den Ertrag aus der mit Fremdkapital finanzierten Investition abzüglich der Fremdkapitalkosten beinhalten, wird es klarer. Das ist aber so im Beitrag nicht zu lesen.

    Insgesamt hat man hier sehr hohe Unbekannte, weil man nicht weiss, welche Renditen möglich sind und in welchem Umfang Fremdkapital zu welchen Kosten aufgenommen wird. Da gibt es auch keine schnelle Klarheit, da der Investitionsprozess noch länger dauern wird.

    Ich denke auch, das 2 Mio. Euro jährliche Kosten zu niedrig angesetzt sind. Denn es waren glaube ich noch nicht alle neuen Mitarbeiter zum 01.07.2016 am neuen Standort Berlin eingesetzt. Ich würde eher 3 Mio. Euro ansetzen. Mit Investitionen in Japan oder in USA auch eher 4 Mio. Euro.

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    1. Value Mario Artikelautor

      Danke für die Info, hatte ich noch nicht mitbekommen. Ist für mich nur logisch. Dieses Übernahmeangebot entspricht ja meinem Fazit, dass die Bewertung bei einer Liquidation auf jeden Fall günstig wäre. Jetzt kauft der Großaktionär die anderen zu einer net-net Bewertung raus, bekommt die Gesellschaft also quasi geschenkt (es sei denn es machen nicht genug mit, so dass er nach dem Delisting keinen squeeze out machen kann). Wenn man den neuen Geschäftszweck dann erfolgreich umgesetzt bekommt, kann man in ein paar Jahren ja zu einer deutlich höheren Bewertung an die Börse zurückkehren.

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        1. Value Mario Artikelautor

          Die Clere AG gibt es immer noch, allerdings nicht mehr an der Börse. Ich habe Clere nach der Ankündigung des Delisting nicht mehr verfolgt und kann deshalb nichts zum aktuellen Stand oder zur Zukunft beitragen.

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