Rückblick auf das Corona Jahr und frohe Weihnachten

2020 war für mich, wie wahrscheinlich für die meisten, eines der weniger schönen Jahre auch wenn das in meinem Fall jammern auf hohem Niveau ist, denn in meinem engeren Freundes- und Familienkreis wurde niemand gesundheitlich oder wirtschaftlich schwer von Corona getroffen. Trotzdem war es natürlich schade um die eine oder andere Reise und vor allem um die vielen sozialen Kontakte die der Vorsicht zum Opfer gefallen sind.

Zumindest an den Börsen war das Jahr 2020 für mich insofern „gut“, dass es mal wieder viele interessante Situationen gab. Auch wenn ich persönlich im Gegensatz zum DAX die Verluste seit Anfang des Jahres noch nicht ganz wieder aufholen konnte und mit etwa 10% im Minus liege, glaube ich, dass ich einige Investments machen konnte, die sich längerfristig auszahlen werden.

Hoffnungsträger

Bereits gut gelaufen sind meine diesjährigen Investments in BASF, Innergex und Merlin Properties. Gemischt sieht es bis jetzt noch bei Aercap aus. Bei einem heutigen Niveau um die 40 USD waren die ersten Nachkäufe bei 54 USD zu früh und die letzten bei 24,5 waren genial. Leider kam mein Versuch bei unter 20 USD noch mal nachzukaufen ein paar Stunden zu spät und ist nicht mehr ausgeführt worden.

teure Lehrstunde – Offshore Drilling

Ungefähr die Hälfte meiner negativen Jahresperformance geht auf ein einziges Engagement zurück und zwar die Anleihen von Valaris. Mein Engagement in Offshore Drilling Anleihen war teuer und hoffentlich lehrreicher als es jede weitere theoretische Ausbildung sein könnte, über die ich gelegentlich mal nachgedacht habe.

Trotz der aktuellen Lage bin ich sogar immer noch davon überzeugt, dass mein ursprünglicher Ansatz richtig war. Die Anleihen wurden schon kategorisch gemieden, als die Aussichten zwar schlecht, aber die Orderbücher noch so voll waren, dass tatsächlich ein großer Puffer bestand. Die 2017‘er Anleihe von Transocean wurde ohne Stress zurückgeführt. Bei Rowan konnte ich sogar eine Rendite von 19% p.a. erzielen, weil es zu einem unerwarteten Rückkauf mit Aufschlägen kam.

2019 wurde die Luft dann schon dünner, aber bei Noble war ich für die 2020‘er Anleihe noch so vorsichtig ein Rückkaufangebot unter pari zu akzeptieren. Im Juli 2020 ging Noble in die Insolvenz…

Nach den durchaus vielen positiven Fällen kommt jetzt das große ABER, das man sich eigentlich nicht leisten kann, wenn man in Anleihen investiert und nicht in Venture Capital.

2019 haben Ensco und Rowan Companies fusioniert und wurden zu Valaris. Ich hatte damals zwei Ensco und eine Rowan Anleihe und diese bilde zusammen nominal meine größte Position in einer Firma.

Ich habe nach dem Merger noch darüber nachgedacht, die Rowan 2022 Anleihe zu verkaufen, da Rowan alleine kurzfristig konservativer aufgestellt war als die neue Valaris. Allerdings wollte ich keinen (kleinen) Verlust realisieren und rechnerisch hätten eigentlich bis 2022 noch alle Anleihen durch Aufträge und Liquidität gedeckt sein sollen. Ich bin dabei nicht von einer Markterholung ausgegangen und tatsächlich hat Corona dann in diesem Jahr die Ölpreise in den Keller geschickt und den Offshore Drilling Markt mehr denn je in Schutt und Asche gelegt.

Die 2020 fällige Anleihe hätte Valaris trotzdem locker aus der vorhandenen Liquidität begleichen können. Mein Engagement hätte sich dann immerhin schon mal um 25% reduziert. Tatsächlich geschah aber etwas auf das ich mit meiner zu deutschen Brille nicht gekommen bin. Das Unternehmen meldete ohne konkreten Auslöser Insolvenz nach Chapter 11 an, um mit der noch vorhandenen Liquidität eine bessere Verhandlungsposition für eine Restrukturierung zu haben. Als Hanseat stört mich, dass das Management so nicht nur Aktionäre sondern gleich auch noch Anleihegläubiger abschütteln kann und dann scheinbar weitermacht als wäre nichts gewesen. Aber so ist das Leben. Ich schreibe es immer mal wieder:

Man muss seine Hausaufgaben machen und verstehen was man tut, wenn man selber entscheiden will. Oder man muss, wie ich jetzt, zumindest mit den Konsequenzen leben“.

Ich setze die Valaris Anleihen momentan für mich mit Null an und gehe davon aus, irgendwann nächstes Jahr statt den Anleihen neue Aktien zu bekommen. Ich hoffe nur, dass wenigstens das so sein wird und nicht auch noch eine massiv verwässernde Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Bezugsrechte kommt oder irgendwas anderes perfides in der Art. Unter dieser Voraussetzung könnte ich langfristig den Schaden noch begrenzen, denn mittel- wenn auch nicht super langfristig bleibe ich der Meinung, dass Offshore Drilling gebraucht wird und die Charterraten wieder deutlich steigen müssen.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

Wie jedes Jahr möchte ich mich für das Interesse an meinem Blog bedanken und wünsche allen Lesern frohe und gerade dieses Jahr natürlich gesunde Weihnachten und ein besseres Jahr 2021.

Ein Gedanke zu „Rückblick auf das Corona Jahr und frohe Weihnachten

  1. Malte

    Lieber Mario,

    auch Dir das Beste für 2021!!
    Vielen Dank für ein weiteres Jahr in welchem Du diesen hervorragenden Blog kostenfrei zur Verfügung stellst. Ich lerne hier immer wieder viel dazu bzw. erhalte neue Denkanstöße.

    Wertschätzende Grüße
    Malte

    Antworten

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