Buch: Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen

von Carmen M. Reinhardt und Kenneth S. Rogoff

 

Dieses Mal möchte ich ein exzellentes Buch vorstellen, auf das ich durch John Mauldin (http://value-shares.de/2013/03/10/3-buecher-von-john-mauldin/) aufmerksam geworden bin. Das Buch erschien 2009 mitten in der Finanzkrise, die damals noch mehr Bankenkrise und weniger Staatsfinanzenkrise war. Die beiden Autoren sind BWL Professoren an den Universtitäten Maryland bzw. Harvard und das merkt man dem Buch im positiven Sinne an. Ich meine damit nicht, dass es voller Theorie und Formeln ist, sondern, dass es auf einer fundierten Datenbasis beruht und nicht nur Annekdoten beleuchtet. Die Kernnachricht des Buchs steht schon im Titel: Wenn Entwicklungen, hier insbesondere Schuldenstände, so weit gegangen sind, dass sogenannte Experten argumentieren, warum frühere Erfahrungen und Grenzen nicht mehr gelten, es dieses Mal also alles anders ist, gilt es sehr vorsichtig zu werden. In Wirklichkeit ist es eben fast nie anders…

 

Der Untertitel des Buchs ist keine Übertreibung, die Daten gehen teilweise wirklich 800 Jahre zurück. Diese Daten zusammenzustellen, muss ein Unmenge Arbeit gewesen sein und natürlich sind viele Daten mit großen Unsicherheiten behaftet, aber trotzdem hilft das sehr die relativ seltenen Krisen einzuordnen und zu erkennen, dass sie so selten und ungewöhnlich am Ende dann auch wieder nicht sind.

 

Das Buch ist in 6 Teile unterteilt:

 

1. Finanzkrisen

Im ersten Teil werden Krisen erstmal definiert. Es werden Staatskrisen, Bankenkrisen und Währungskrisen unterschieden und auch festgelegt, wann für die Zwecke der Analyse eine Krise eine Krise ist. Es geht auch schon darum, wie Krisen entstehen bzw. ausgelöst werden. Der prozentuale Verschuldungsgrad, wie er heute so häufig angegeben wird, ist dabei zum Beispiel ein Indikator, aber es gibt keine prozentuale Schwelle, die für alle Schuldner gleich ist. Unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Historien können unterschiedliche Schuldenniveaus aufbauen, bevor es kracht. Irgendwann kracht es aber immer, wenn der Steigerung von Schulden nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird. Dabei kracht es in der Regel mit einem lauten Knall. Das bedeutet, dass der Zugang zu frischem Kapital meistens nicht langsam nachlässt sondern schlagartig ganz aufhört.

2. externe Staatsschulden

In diesem Teil geht es um Staatsschulden, die der jeweilige Staat gegenüber Ausländern hat und es wird z.B. gezeigt, dass ein Ausfall von Staatsanleihe durchaus nicht ungewöhnlich ist. Gerade das derzeit so häufig diskutierte Griechenland war in der Vergangenheit bereits sehr häufig im Zahlungsverzug. Es war eher die ruhige Phase in den 2000’er Jahren die ungewöhnlich war.

3. interne Staatschulden

In diesem Teil geht es um Staatsschulden, bei denen der Staat gegenüber seinen eigenen Bürgern die Schulden nicht zurückzahlt oder einseitig restrukturiert. Die internen Schulden machen häufig einen großen Teil der Gesamtverschuldung aus. Dennoch war es für die Autoren sehr schwierig hier weit zurückgehende, brauchbare Daten zu finden. In volkswirtschaftlichen Modellen wird häufig unterstellt, dass der Staat seine internen Schulden zumindest nominal immer erfüllt. Tatsächlich sind nominale Zahlungsausfälle interner Staatschulden zwar seltener (hier wird öfter die Entschuldung über die Inflation genutzt), aber sie kommen durchaus vor.

4. Bankenkrisen, Inflation und Währungskrisen

Nach den Staatsfinanzen geht in diesem Teil z.B. um die Entstehung und Auswirkungen von massiver (Hyper-)Inflation und ihrer Auswirkungen.

5. Die US Subprime Finanzkrise

In diesem Teil werden die theoretischen und historischen Erkenntnisse aus den ersten vier Teilen der jüngsten Krise gegenübergestellt. Dabei wird gezeigt, dass es durchaus Anzeichen für die Krise gab. Außerdem können Tendenzen und Optionen für die Zukunft abgeleitet werden, wenn man schaut, wie sich frühere Krisen weiterentwickelt haben.

6. Was haben wir gelernt?

Im letzten relativ kurzen Teil fragen sich die Autoren, was wir aus den Erkenntissen des Buchs lernen können und machen einige Vorschläge wie Datengrundlagen verbessert und die Aufgaben von internationalen Institutionen geändert werden können, um ein Frühwarnsystem zu installieren das hilft künftig weniger Krisen enstehen zu lassen.

 

Ich habe dieses Buch schon vor einiger Zeit gelesen, aber in meinen Augen ist es immer noch aktuell. Vielleicht aktueller denn je, denn die Staatsfinanzenkrise in vielen Teilen der Welt könnte die Finanzkrise nach Lehman am Ende noch wie das kleine Vorspiel aussehen lassen. Dieses Buch bietet keine entscheidenden Vorschläge wie man diese Krisen verhindern kann, noch bietet es für den Privatanleger Tipps, was vor oder in einer Krise konkret zu tun ist. Dennoch finde ich es extrem hilfreich, denn wer daran denkt, dass dieses Mal wahrscheinlich nicht alles anders ist, kann auch rechtzeitig daran denken sein Geld aus der Gefahrenzone zu bringen.

5 Gedanken zu „Buch: Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen

  1. Der goldene Adler

    Hallo,

    Vielen Dank für die Empfehlung. Ich habe mal gelesen, dass alles, was in der Finanzwelt passiert, die Wiederholung der Vergangenheit ist. South Sea Bubble, Tulipblase, 1929-Krise, Biotech-Blase, Dot-Com-Blase und die Immobilienblase sind gute Beispiele dafür. Deshalb ist es wichtig, von den alten Finanzkrisen zu lernen, damit wir als Anleger vorbereitet für die nächste Krise sind.

    Grüße,
    Der goldene Adler

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  2. Andreas Teufl

    Danke für den Buchtipp – wird hoffentlich eine spannende Lektüre
    Ich hab mir selbst vor einiger Zeit, zugegeben sicherlich nicht auf BWL Havard-Professoren-Niveau, einige Finanzkrisen und ihre Verläufe angesehen. Da gibt es zwischen wirklich über die Jahrhunderte hinweg (Mississippi Company, Tulpenmanie, Great Depression, Dotcom und auch Immobilienkrise 2007) Parallelen. Wenn also die zehn letzten Krisen nach einem ähnlichen Muster abgelaufen sind, warum sollte die nächste nicht auch dieses nach diesem Muster laufen?

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  3. Value Mario Artikelautor

    Kleine Ergänzung zu dem Buch. Ich lese gerade auf Spiegel.de, dass die beiden wohl nicht immer so zuverlässig arbeiten, wie es den Anschein machte. Auf die beiden ging die in der Presse und Politik so häufig diskutierte Schuldengrenze von 90% des BIP zurück, aber dem das Wachstum einer Volkswirtschaft erheblich leidet. Das scheint so nun nicht mehr haltbar zu sein. Es gilt, also weiterhin hin: traue keiner Statistik, die du nicht selber gefältscht hast ;-)

    Für mich bleibt das Buch trotzdem sehr lesenswert, weil es so oder so erfolgreich davor warnt, sich in Boomzeiten neue Bewertungskriterien aufschwatzen zu lassen.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/panne-mit-excel-tabelle-rogoff-und-reinhart-haben-sich-verrechnet-a-894893.html

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  4. Pingback: Buch: „Code Red“ und die Auswirkung auf mein Depot | temp6

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